2016 schon 965 Einbrüche - 4,5 Millionen Euro Schaden

Münchner Polizei warnt: Zahl der Einbrüche steigt wieder

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Die Täter hebelten das Wohnzimmerfenster von Wolfgang Erhardt auf, drangen so in das Haus ein. Dort durchwühlten sie die Räume und nahmen ­einen ­Tresor mit.

München - Die Polizei präsentierte am Mittwoch die neuesten Zahlen zu Einbrüchen in München. Sie steigen wieder. Wie Sie sich schützen können und was ein Einbruchsopfer berichtet.

Wenn die Tage kürzer werden und die Nacht früh hereinbricht, schlägt die Stunde der Einbrecher! Im Schutz der Dunkelheit knacken sie Fenster und Terrassentüren, durchwühlen Wohnungen auf der Suche nach Geld, Schmuck und teuren Geräten. Die Münchner Polizei präsentierte am Mittwoch die neuesten Zahlen. Es wird wieder mehr eingebrochen.

Zwar gilt München nach wie vor als eine der sichersten Millionenstädte Deutschlands. Trotzdem wurde von Januar bis Ende Oktober dieses Jahres in Stadt und Landkreis insgesamt 965 Mal in Wohnungen und Häuser eingebrochen. Das sind immerhin 28 Delikte mehr als im Vergleichszeitraum 2015. Gesamtschaden: 4,5 Millionen Euro! Polizeivizepräsident Werner Feiler: „Jeder Fall ist einer zu viel. Aber für die Verhinderung und Aufklärung sind wir vor allem auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.“

Polizei-Vize Werner Feiler.

Jetzt schlagen die Täter besonders oft zu. Zwischen 17 Uhr und 22 Uhr ist die Wahrscheinlichkeit am größten. Es ist bereits dunkel, viele sitzen da aber noch im Büro oder sind auf dem Heimweg. Einbrecher nutzen die Anonymität der Großstadt, spähen Häuser oft tagelang aus und schlagen dann zu. Bei knapp der Hälfte aller Fälle bleibt es beim Einbruchsversuch. In diesem Jahr hat die Polizei bereits 116 Tatverdächtige festgenommen. 66 davon konnten ermittelt werden, weil aus der Bevölkerung wichtige Hinweise kamen. Feiler: „Helfen Sie uns, damit wir Ihnen helfen können.“

Um Einbrechern das Leben schwer zu machen, arbeitet die Polizei mit der Prognosesoftware Precops. Das Programm sagt mit Daten aus vergangenen Einbrüchen voraus, wo die Wahrscheinlichkeit für Folgetaten am größten ist. Hinzu kommt die akribische Arbeit der Ermittler, die jeden Einbruch bis ins Detail auf Spuren untersuchen.

Und die Polizei verzeichnet Erfolge. Einer Gruppe Chilenen konnte 2015 eine Serie von mindestens 23 Einbrüchen in München nachgewiesen werden.

So schützen Sie sich vor Einbrechern

  • Schließen Sie immer alle Türen und Fenster – auch wenn Sie nur kurz das Haus verlassen. Gekippte Fenster sind leicht zu öffnen!
  • Teilen Sie Fremden nicht mit, dass Sie länger nicht zu Hause sind. Bitten Sie Nachbarn, den Briefkasten zu leeren und gelegentlich Ihre Jalousien zu öffnen.
  • Einbrecher kennen alle Verstecke. Deponieren Sie keine Schlüssel unter Blumentöpfen oder Fußmatten.
  • Haben Sie ein wachsames Auge. Entdecken Sie fremde oder verdächtige Personen auf dem Grundstück Ihres Nachbarn, wählen Sie die 110.
  • Urlaubspläne oder Fotos, die verraten, dass Sie längere Zeit nicht zu Hause sind, gehören nicht ins Internet!
  • Machen Sie es den Einbrechern nicht noch einfacher, indem Sie Leiter und Schraubenzieher zugänglich aufbewahren.
  • Statten Sie Ihr Haus oder Ihre Wohnung einbruchssicher aus. Beschläge und Riegel für Türen und Fenster sind eine lohnenswerte Investition.
  • Informieren Sie sich bei Ihrer Polizeidienststelle über Gefahren und Präventionsmaßnahmen. Buchen Sie RoSi, das rollende Sicherheitsmobil der Polizei.

Das Trauma eines Einbruchsopfers

Völlig verängstigt fuhren Wolfgang Erhardt (49) und seine Frau zurück nach München. Sie mussten ihren Urlaub in Bad Reichenhall abbrechen: Bei dem Ehepaar aus Berg am Laim war eingebrochen worden – eine Nachbarin hatte sie informiert. Zwar war der Schaden gering, der Schock sitzt aber auch ein Jahr nach dem Vorfall tief.

Banker Wolfgang Erhardt (49) wurde 2015 Opfer eines ­Einbruchs.

Als sie ihre Wohnung betreten wollten, versperrte ihnen ihr eigener Schrank den Weg – den hatten die Einbrecher wenige Stunden zuvor vor die Wohnungstür geschoben. Über ein aufgehebeltes Fenster drangen die Gangster in das Reihenhaus ein. Sie durchwühlten alles, nahmen am Ende einen Würfeltresor mit. Teile des Inhalts fand Wolfgang Erhardt tags darauf in einer Papiertonne. „Ich hatte wichtige Unterlagen wie Sozialversicherung und andere Dokumente darin aufbewahrt“, erklärt der Banker. Die Geldkassette mit etwa 8000 Euro tauchte allerdings nicht mehr auf.

Viel schlimmer als der materielle Schaden waren für Erhardt und seine Frau aber die psychischen Folgen. Er sagt: „Man beschäftigt sich ständig mit dem Gedanken, dass hier jemand rumgeschnüffelt hat, der da eigentlich gar nicht sein sollte.“

Seiner Frau macht der Einbruch noch heute schwer zu schaffen. Erhardt selbst hat, wie er sagt, eher gelernt, damit umzugehen. Auch wenn er seitdem noch vorsichtiger geworden ist, Türen und Fenster mit Sicherheitsbeschlägen hat ausstatten lassen. Mit Freunden und der Familie über die Tat zu sprechen, tut ihm gut, sagt er.

Johannes Heininger

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