Praxis im Alpenstil: Da vergisst man(n) den Zahnschmerz

München - Die Arzthelferinnen von Kieferorthopädin Marie Catherine Klarkowski (41) haben leichtes Spiel: Wenn ihre Zahnbehandlungspatienten die Praxis betreten, haben sie bereits den Mund weit offen.

Eine Praxis voll fescher Damen im Dirndl – ja sogar den Eingriff übernehmen Madln mit tiefem Dekolleté! Klarkowski nennt sich selbst „Alpen-Kieferorthopädin mit Stil“. Verschiedene Aufenthalte in Berghotels haben sie 2009 dazu inspiriert, ihre Räume in der Albert-Roßhaupter-Straße in eine 250 Quadratmeter große „Alpin-Lounge“ zu verwandeln: Kaminfeuer und aufgeschichtete Holzscheite im Eingangsbereich, Bergpanaroma-Bilder und Deko-Hirschen an den Wänden und Naturholzbänken. Und am Behandlungsstuhl sitzt ein steiler Zahn: „Das wichtigste bei uns ist, dem Patienten die Angst zu nehmen. Beim Anblick der Dekolletés ist er schnell narkotisiert und abgelenkt.“

Jede ihrer zehn Helferinnen und Zahntechnikerinnen tragen Dirndl, Bluse und Trachtenkette im Wert von etwa 500 Euro. Die beiden Zahntechniker tragen ihre Lederhosen nur zu Festen – als Arbeitskleidung wäre das doch zu zünftig.

Die Investition macht sich bezahlt: Knapp ein Drittel mehr Patienten konnte die Ärztin seither verbuchen. „Eine originelle Idee“, muss da auch Gero Winkelmann, Leiter des Bundes katholischer Ärzte, zugeben. „Aber wir dürfen nie vergessen, dass Arzt ein akademischer Beruf ist, der seriös bleiben muss. Und vom Hygiene-Standpunkt aus gesehen ist ein Dirndl zumindest im Behandlungsraum fragwürdig.“ Solche Bedenken verwirft Marie Catherine Klarkowski sofort: „Meine Angestellten haben genug Kleidung zum Wechseln. Außerdem führen wir keine sterilen Operationen an offenen Wunden wie in einer Zahnarztpraxis durch.“

Der Arzt als Marketing-Stratege? Regina Ferber, Juristin beim Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München, hat bemerkt, dass seit der Lockerung des Werbeverbots 2005 insbesondere in einer Großstadt wie München der Wettbewerb zwischen den Praxen zugenommen hat. „Vor allem plastische Chirurgen und Hautärzte müssen untereinander mithalten – manchmal kommt es da zu fragwürdigen Werbemethoden.“ In den meisten Fällen betreffe der Einfallsreichtum aber bislang nur die Inneneinrichtung. „Die Konkurrenz schläft nicht“, sagt auch Ärztin Klarkowski. „Ich kenne einen Kollegen, der alles mit Mickey Mouse dekoriert hat, ein anderer sogar im Raumschiff-Enterprise-Stil.“ Zumindest Mann hat da wohl schnell ein Urteil gefällt: Klarkowski hat die überzeugendsten Argumente.

Nina Bautz

Nina Bautz

E-Mail:nina.bautz@tz.de

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