Vorfahrt für die Landshuter Allee

Prioritätenliste beim Tunnelbau - Stadt drückt aufs Tempo!

Tunnel
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Die Landshuter Allee hat beim Tunnelbau Priorität.

München - Der Planungsausschuss hat am Mittwoch eine Prioritätenliste beschlossen. Darauf steht der Landshuter-Allee-Tunnel auf Platz eins - aus guten Gründen. Wie es um die Projekte steht:

Der Tunnel unter der Landshuter Allee kommt – trotz angespannter Haushaltslage und schneller als geplant. Das hat Gründe, wie aus einer Machbarkeitsstudie hervorgeht: Er gilt bei den Planern als besser umsetzbar. Auch der Handlungsbedarf wird höher eingeschätzt, denn das Areal habe die absolut höchste Einwohnerdichte und Verkehrsbelastung. Das Baureferat soll ab sofort die Pläne weiter bearbeiten. Die Stadträte glauben, dass es so zügiger geht. Zuvor war das Planungsreferat verantwortlich.

Tunnel Landshuter Allee: Der Eilige 

Der Tunnel ist ein Anliegen der GroKo. „Wenn eine Stadt schneller wächst als die Infrastruktur, sinkt die Lebensqualität“, sagte Michael Kuffer (CSU). Die Baukosten für die Röhre zwischen Donnersbergerbrücke und Dachauer Straße werden auf 537 Millionen Euro geschätzt. Der Tunnel sei wegen der hohen Bevölkerungsdichte zu priorisieren, sagte Ingo Mittermaier (SPD). Außerdem biete dies die Chance einer städtebaulichen Reparatur.

Anna Hanusch (Grüne) hielt dem entgegen, dass noch zwölf Jahre ins Land gehen könnten, bis der Tunnel fertig sei – bis dahin seien die Autos sauberer. „Das kann man den Anwohnern nicht als Lösung verkaufen. Denen bringt der Tunnel nämlich nichts.“

Die Grünen hatten unlängst ein Antragspaket auf den Weg gebracht, unter anderem fordern sie statt des Tunnels lärmarmen Straßenbelag, bessere Tempokontrollen und eine Lärmschutzwand an der Borstei.

Ob der Tunnel Landshuter Allee tatsächlich realisiert wird, hängt auch von der Frage der Förderfähigkeit ab. „Nur wenn der verkehrliche Nutzen des Projekts als groß genug bewertet wird, kann die Stadt mit finanzieller Unterstützung beim Bau rechnen“, sagte Mittermaier.

Tegernseer Landstraße: Die Schwierige 

Die Tegernseer Landstraße mit Blick Richtung McGraw-Graben.

Für diesen Tunnel sehen die Planer die meisten Probleme. Laut Planungsreferat sind zwei Varianten denkbar: ein zwei Kilometer langer Tunnel von der Brudermühlbrücke bis zur Chiemgaustraße. Der würde die Stadt rund 560 Millionen Euro kosten. Oder aber die abgespeckte Variante: eine Verlängerung des Candidtunnels. Das würde nur mit 350 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dieser Plan soll nun weiter geprüft werden, hat der Ausschuss entschieden. Allerdings: Sobald gebaut wird, ist mit erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrs zu rechnen. Die Stadt muss daher schauen, wie sehr sich diese auswirken.

Anna Hanusch (Grüne) sagte deshalb: „Den Anwohnern der Tegernseer Landstraße sollte man der Ehrlichkeit halber sagen, dass es dort wegen der baulichen Probleme keinen Tunnel geben wird.“ Die Grünen glauben ohnehin, dass in ein paar Jahrzehnten sehr viel weniger Münchner ein eigenes Auto haben als heute. Münchner Umweltschutz- und Verkehrsverbände sehen die geplanten Milliarden-Investitionen ebenfalls äußerst kritisch.

Englischer Garten: Der Sonderfall 

So könnte der Englische Garten untertunnelt werden.

Der Tunnel unter dem Englischen Garten ist ein Sonderfall – so soll er zumindest behandelt werden. Die rund 1000 Meter lange Strecke zwischen Iffland- und Dietlindenstraße soll unterirdisch sechspurig ausgebaut werden – vier Jahre Bauzeit und Kosten zwischen 120 bis 150 Millionen Euro. Die Stadt muss noch prüfen, wie der Tunnel dem Verkehr nutzt. Außerdem sollen Seehaus und Hirschau neu angebunden werden. Ferner muss das Geld stimmen. „Nur wenn der Freistaat als Eigentümer des Parks bereit ist, den Tunnel mit zu finanzieren, wird das Projekt eine Zukunft haben“, sagte Ingo Mittermaier (SPD).

Die Grünen wollen diese Tunnel-Pläne weiter verfolgen. Die übrigen lehnen sie ab. Mittermaier: „Das ist sehr zynisch, einen Tunnel zu befürworten, um die Natur zu schützen und bei den Tunnel-Projekten für die Menschen zu sagen: die lehnen wir ab.“ Diese Aussage sei eine Unverschämtheit, konterte Grünen-Stadtrat Herbert Danner: „Zynismus bedeutet Menschenverachtung! Und es sind schließlich die Grüne, die den Autoverkehr seit Jahrzehnten erfolgreich zurückdrängen.“

J. Welte, S. Karowski

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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