Prognose: Wohin unsere Mietpreise wachsen

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Luxus im Herzen der Stadt: die Hofstatt an der Fußgängerzone. Eine Musterwohnung ist schon fertig

München - Gefühlt steigen die Münchner Mietpreise ins Unermessliche. Eine Studie gibt eine genaue Prognose, wo es künftig wie teuer wird. Für Mieter sieht es nicht gut aus.

Es ist eine Spirale. Man hat fast den Eindruck, eine unendliche … Die Preise fürs Wohnen in München steigen und steigen. Zuletzt haben die Mieten teilweise sogar um mehr als zehn Prozent zugelegt. Das zeigt eine neue Studie von Jones Lang LaSalle. Die Immobilien-Spezialisten haben den Münchner Markt untersucht: Sie verglichen Daten von Mietangeboten aus dem zweiten Halbjahr 2011 mit denen aus 2010. Außerdem zogen sie deutschlandweite Quervergleiche. Die wichtigsten Ergebnisse:

Teuer-Hauptstadt München: Keine andere deutsche Großstadt ist in Sachen Wohnen auch nur annähernd so teuer wie München. Die sogenannte Median-Miete (also der Mittelwert) liegt bei 12,65 Euro pro Quadratmeter. Am nächsten kommt da noch Frankfurt ran – mit 11,00 Euro im Durchschnitt, allerdings mit deutlichem Abstand. In Hamburg werden im Schnitt 10,20 Euro verlangt. Die Experten von Jones Lang LaSalle sehen München „in einer eigenen Liga“.

Billig wird teurer – und teuer wird superteuer: Der Mietmarkt hat in allen Bereichen zugelegt. Allerdings: Besonders stark betrifft’s die Luxusklasse. Für Top-Immobilien in Top-Lagen werden Quadratmeterpreise von über 20 Euro fällig. Die günstigsten Wohnungen liegen knapp unter zehn Euro – allerdings betrifft das nur rund ein Zehntel des kompletten Marktes.

Alt schlägt neu: Die billigsten Wohnungen in München stammen laut der Studie normalerweise aus den Jahren 1961 bis 1975. Jones Lang LaSalle führt das unter anderem auf die Bauqualität zurück. Am teuersten waren zuletzt Altbau-Wonungen aus der Zeit vor 1920 (mit 14,50 Euro pro Quadratmeter). Neubauten (dazu zählen alle Gebäude ab 2006) rangieren mit 13,95 Euro knapp dahinter.

Und die Zukunft? Sieht nicht gut aus. Die Frage ist eigentlich nicht, ob’s noch teurer wird – sondern nur, um wie viel es noch teurer wird. In der Studie heißt es, es sei „nicht absehbar, ob sich das beschleunigte Mietpreiswachstum in nächster Zeit verlangsamen wird“. Sicher ist bloß: Billiger wird’s in absehbarer Zeit nicht.

hei

Sie bekämpft den Wahnsinn

„Die Situation in München ist dramatisch“, sagt Andrea von Grolman (62). „Wenn es so weiter geht und die Mieten derart ansteigen, verlieren viele Münchner ihr Zuhause.“

Dass eben nicht so weiter geht – dafür will sie selbst sorgen, und zwar mit dem „Bündnis für bezahlbares Wohnen“, bei dem sie sich als Sprecherin engagiert. „Wir finden es furchtbar, wenn besonders ältere Leute aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen werden“, sagt von Grolman. Den Begriff Gentrifizierung, also die Verjüngung in den Stadtvierteln, kann sie nicht mehr hören. „Wir sind nicht gegen Investoren oder Vermieter. Im Gegenteil: Es ist ja schön, wenn in unserer Stadt gebaut wird. Das Problem sind die Spekulanten, die durch schnelle Käufe den Mietpreis hochtreiben.“ Sie hat es selbst erlebt: Erst wurde ihre Miete in der Schwanthalerhöhe um 20 Prozent angehoben, dann kündigte der Vermieter an, den gesetzlichen Rahmen von 20 Prozent Mieterhöhung alle drei Jahre voll ausschöpfen zu wollen. „Ich hätte selbst nie gedacht, dass ich mal in die Situation komme, aus meiner Wohnung ausziehen zu müssen.“

Dieses Gesetz zu ändern, ist eines der Ziele ihres Bündnisses, dem sich mittlerweile schon je 16 Miet- und Gartenstadtinitiativen angeschlossen haben. Ihr Ziel: Landesweite Miet-Regelungen sollen für München außer Kraft gesetzt werden. Denn: „Wir haben hier die teuersten Mieten im ganzen Land.“

Und: „Es stimmt nicht, dass es zu wenig Wohnraum in München gibt, wie Herr Ude immer behauptet“, sagt Grolman. „Vielmehr ist es so, dass immer mehr bezahlbarer Wohnraum in München verloren geht – für die ganz normalen Leute, Beamte oder Lehrer.“

Am 12. März stellt das Bündnis einen Forderungskatalog vor. „Dann nehmen wir den Bund, die Landesregierung und die Stadt München in die Pflicht. Wir lassen nicht locker.“

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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