Für mehr Toleranz

Protest gegen Pegida: Nur wenige Teilnehmer bei zweiter Demo

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Nicht mal halb voll war der Odeonsplatz am Dienstagmittag beim Demo-Auftakt.

München - Nur wenige Teilnehmer kamen zur Pro-Flüchtlinge-Demo am Odeonsplatz. Die Organisatoren sehen die Schuld dafür unter anderem beim Bündnis "München ist bunt", das vor der Demo gewarnt hatte.

Der Odeonsplatz ist eingeschneit. Touristen machen Fotos vor der in Weiß getauchten Feldherrenhalle. Ein paar Schritte weiter stehen vereinzelte Grüppchen umher, sie schwenken ein paar Fahnen und halten vereinzelt Schilder hoch. Das ist die Demo für Flüchtlinge, für die im Internet 3500 Menschen zugesagt hatten.

Als der erste Redner das Mikrofon ergreift, haben sich gerade mal knapp 300 Menschen auf dem Odeonsplatz versammelt – großzügig geschätzt. Kein Vergleich zur großen „Platz da!“-Demo am 22. Dezember, zu der rund 12 000 Menschen auf den Max-Joseph-Platz gekommen waren.

Kaum Demonstrations-Teilnehmer am Odeonsplatz

Warum das Interesse so gering war? Dafür haben die Organisatoren eine Erklärung. Vor einigen Tagen hatte das Bündnis „München ist bunt“ vor der Demo gewarnt, weil die Organisatoren in der linken Szene umstritten seien. „Seitdem haben kaum noch Menschen zugesagt“, klagt Demo-Veranstalter Michael Kuhn. „Es wäre schön gewesen, wenn ’München ist bunt’ vorher mal mit uns gesprochen hätte.“

Der erste Redner, Florian Schlund von der Linken, findet auf der Bühne noch deutlichere Worte: „Da fängt das Zerfleischen an!“, ruft er in die Menge. Es mache ihn traurig, dass ein buntes Bündnis hier draufhaue. „Vielleicht tragen wir das falsche Rot?“, fragt er. Es wisse ja jeder, dass hinter „München ist bunt“ die SPD stecke. 

„München ist bunt“ hatte vor den Organisatoren als Menschen gewarnt, die „antisemitisches Gedankengut und krude Verschwörungstheorien verbreiten“. Dagegen wehrt sich Organisator Kuhn explizit. Er habe die Veranstaltung als Privatmann angemeldet, nachdem im mittelfränkischen Vorra vor drei Wochen Asylbewerberheime gebrannt hatten. Seit April ist Kuhn Mitglied bei der Linken, hat sein Netzwerk dort genutzt, um für die Veranstaltung zu werben.

Zwar hat er die Demos „Mahnwache für den Frieden“ mitorganisiert, bei denen immer montags am Sendlinger Tor auch Mitglieder der rechten Szene auftauchten – danach habe er sich aber gleich davon distanziert. „Ich wehre mich gegen den Antisemitismus-Vorwurf“, sagt Kuhn. Mit seiner Demo, die er ab jetzt monatlich veranstalten will, will er den Teilnehmern vor allem Informationen über das Thema Flüchtlinge vermitteln. Dafür will er auch mit „München ist bunt“ ins Gespräch kommen.

Zumindest ein prominentes Gesicht ist auch in der Demo-Menge auszumachen: Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im Landtag, steht auf dem Odeonsplatz – ist aber nicht sehr begeistert: „Ich bin enttäuscht, dass das hier so dilletantisch ist“, sagt sie. Die Demo sei im Vorfeld kaum kommuniziert worden. Als Bause hört, dass sie jetzt monatlich stattfinden soll, sagt sie: „Aber dann hoffentlich nicht montags.“

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