Filmvorstellung

Pussy Riot in München: "Putin ist sehr gefährlich"

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Nadeschda Tolokonnikowa (l) und Maria Aljochina von der Punk-Band "Pussy Riot" sprechen am 23.03.2014 in München (Bayern) im Arri-Kino bei einer PK nach der ersten Deutschland-Aufführung des Films "Pussy Vs. Putin".

München - Die kremlkritische Punkband Pussy Riot war anlässlich einer Filmvorstellung am Sonntag in München zu Gast. Die Frauen nutzten die Gelegenheit, um vor Putin zu warnen.

Keine Farbe. Die beiden Wortführerinnen der bei Auftritten sonst knallbunt gekleideten, kremlkritischen Punkband Pussy Riot sind an diesem Sonntagnachmittag ganz in schwarz gekleidet. Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina stellen in München einen Dokumentarfilm über ihre Aktionen vor. Sie wollen auch ein Gefängnis besuchen, um sich ein Bild von den hiesigen Haftbedingungen zu machen. Aber mangels Genehmigung klappt das nicht. Wie so manches andere auch bei dem Termin im Arri-Kino.

„Die Mädchen haben den Film vergessen“, räumt eine Organisatorin ein. Dann aber ist der Streifen da: „Pussy Vs. Putin“, produziert vom Filmkollektiv Gogol's Wives und in München gezeigt in der Reihe „Best.Doks - Unrecht braucht Zeugen“.

Es ist ein kraftvolles Dokument der Protestes geworden. Verwackelte Bilder, starke Parolen, Schlägereien mit der Polizei, mutige Auftritte - blutige Nasen. In ihren bunten Leggins und Masken entern die Frauen einen russischen Bus. Hilflose Bedienstete rufen hektisch die Polizei, während die Bandmitglieder Daunen aus Kopfkissen vom Busdach regnen lassen. „Liberate the paving stone“, rufen sie - „Freiheit für den Pflasterstein“. Die 1968er in Frankreich hatten bei ihren Demos zu Pflastersteinen gegriffen mit den Worten „Unter dem Pflaster ist Strand!“

Der Film begleitet die Frauen hautnah, bei Proben, bei Festnahmen, auf dem Weg zum Gerichtsprozess, durch miefige Gänge mit braunen Wänden. Sehr viele Menschen hätten gefilmt, bei Aktionen seien mehr Unterstützer mit Kameras als Aktivistinnen, erklären die beiden die Dichte der Bilder. Nur in den Straflagern, in denen die beiden rund zwei Jahre saßen, ist der Film nicht dabei. Er zeigt nur düstere Bilder der stacheldrahtbewehrten Mauern von außen. Auch ob und wo der Dokumentarfilm „Pussy Vs. Putin“ in der Zukunft gezeigt werden könnte, blieb unklar.

Die Putin-Gegnerinnen waren 2012 zu Haftstrafen verurteilt worden, nachdem sie vor dem Altar einer Kirche in Moskau ein Protestlied gegen Putin aufgeführt hatten. Die Aktion sorgte weltweit für Aufsehen. Seit ihrer Haftentlassung im Dezember 2013 engagieren sie sich verstärkt für menschenwürdige Haftbedingungen in ihrem Land.

Die Menschenrechte müssten in Russland endlich eingehalten werden, sagt Nadeschda Tolokonnikowa. „Ein Land kann nicht ohne Menschen funktionieren, die nicht ihrem Verstand und ihrer Moral folgen.“ Und mit Blick auf die Krim: „Putin ist gefährlich, sehr gefährlich.“ Putin haben die Krim in eine Krise gebracht. Das werde Russland in der Welt degradieren. Russland habe eine Gemeinschaft mit Europa, und da müssten bestimmte Werte eingehalten werden. Wenn das nicht geschehe, müsse es Sanktionen geben.

"Wir sind hier für den Frieden"

„Wir sind hier für den Frieden, und wir sind hier für ein besseres Russland“, sagt die 24-Jährige, und die um ein Jahr ältere Maria Aljochina (25) ergänzt: „Wir treten für die Freiheit auf - dass jeder Mensch das sagen kann, was er zu sagen hat.“

So werden ihre Worte jedenfalls übersetzt. Was die beiden genau sagen, verstehen nur Gäste, die des Russischen mächtig sind. Der Moderatorin - die nach eigener Aussage nicht wusste, dass sie auch übersetzen sollte - wird in der Pressekonferenz eine Frau zum Dolmetschen zur Seite gestellt. Immer wieder gibt es Zwischenrufe.

Auf die Frage danach, ob der russische Stardirigent Waleri Gergijew nach seiner öffentlichen Unterstützung für Putins Krim-Annexion als künftiger Chef der Münchner Philharmoniker tragbar sei, kommen kryptische Antworten. Oder liegt es an der Übersetzung? Tolokonnikowas Ehemann Pjotr Wersilow spricht Englisch. Er sagt später, Gergijew dürfe nach dem Putin-Bekenntnis natürlich nicht Orchesterchef sein.

Inhaltlich bleibt einiges offen - doch der Film spricht für sich. Bei einer Festnahme zeigt er, wie ein Polizist Tolokonnikowa die bunte Mütze vom Kopf reißt. Da schnappt sie sich einfach seine Polizistenkappe und setzt sie sich auf.

dpa

Pussy Riot zu Gast in München

Pussy Riot in München: Pressekonferenz und Demo

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