Wirbel um Bau in Neuperlach

„Deutschlands neue Mauer“: Internationale Pressestimmen zur Münchner Mauer

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Verschiedene internationale Medien berichten über den Mauerbau in Neuperlach.

München - Die vier Meter hohe Mauer in München-Neuperlach sorgt auch international für Aufsehen. Hier lesen Sie die internationalen Pressestimmen.

Die vier Meter hohe Mauer in München-Neuperlach, die direkt vor einem Flüchtlingsheim hochgezogen wurde, sorgt mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus für Wirbel.

Guido Bucholtz vom Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach nannte den Bau einen Wahnsinn. Er hatte ein Video von der Mauer an Münchner Zeitungen geschickt und damit die Debatte mit ins Rollen gebracht. Mit dem internationalen Echo auf sein Video hat er selbst nicht gerechnet, wie er in einem Interview erklärt. Sieben Nachbarn hatten die Mauer vor Gericht erstritten - als Lärmschutz vor der bis dato noch unbewohnten Flüchtlingsunterkunft, in der 160 minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Die Nachbarn pochten in dem Rechtsstreit auf ihr Erholungsbedürfnis abends und an den Wochenenden. Die Stadt München hat sich mittlerweile zu dem Mauerbau geäußert und die Maßnahme verteidigt.

Mit ihrer Höhe von vier Metern übertrifft die Münchner Mauer sogar die Berliner Mauer (3,60 Meter) und ist nun als Symbol für die Ausgrenzung von Flüchtlingen über die Grenzen des Stadtteils Neuperlach hinaus auf der ganzen Welt bekannt. Mehrere internationale Medien, unter anderem russische und indische, berichteten. Hier finden Sie einen Überblick über die internationale Berichterstattung zur Münchner Mauer. 

So berichten Internationale Medien über die Mauer in München

  • Pravda.ru (Russische Tageszeitung)

Die russische TageszeitungPrawda bzw. Pravda (Wahrheit) berichtet mit der Schlagzeile „Münchner Einwohner getrennt von Flüchtlingen durch 4 Meter hohe Mauer“. In dem Artikel vom Sonntag berichtet pravda.ru von dem Rechtsstreit um die Mauer und erläutert die Hintergründe dazu. Auch das Video des Lokalpolitikers Guido Bucholtz kommt darin zur Sprache. Weiter berichtet pravda.ru von einem ähnlichen weiter zurückliegenden Skandal: Ein lokaler Unternehmer hatte sein Grundstück mit Stacheldraht umzäunt, zum Schutz vor Flüchtlingen. Er musste den Stacheldraht wieder entfernen und durfte ihn durch einen Metallzaun ersetzen. Die russische Nachrichtenseite stellt zudem einen Zusammenhang zwischen der Mauer und der Kriminalstatistik her: Flüchtlinge aus dem nahen Osten und Afrika hätten im ersten Halbjahr 2016 rund 142.000 Verbrechen in Deutschland verübt.

  • Daily Sabah (Türkische Zeitung)

Über die Münchner Mauer berichtet auch die Daily Sabah, die auf Deutsch, Englisch und Arabisch erscheint und in der Türkei publiziert wird. „Vier Meter hohe Mauer um Münchner Flüchtlingsunterkunft entfacht Streit“ heißt es bei dailysabah.com. Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass es sich bei der Mauer um eine Schallschutzmaßnahme handelt und die Stadt der Errichtung nach verlorenem Prozess zugestimmt hat. Auch die Stellungnahme von Guido Bucholtz gegenüber der Deutschen Presse Agentur ist darin zu lesen:  "This is a signal, you isolate the refugees because you don't want them around." Laut Daily Sabah ist die deutsche Gesellschaft seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 in zwei Lager gespalten. In dem Zusammenhang weist Daily Sabah auf die gegensätzlichen Haltungen des rechten Lagers und der Kanzlerin Angela Merkel hin. Um die weitere Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, wolle Merkel verhindern, dass Flüchtlinge, die im Mittelmeer aufgegriffen werden, europäischen Boden betreten, sondern nach Tunesien oder Ägypten gebracht werden.

  • Indiatimes (Indische Ausgabe der Times)

„The World's Talking About Germany Building A Wall Between Locals And A Refugee Shelter. But It's Not What You Think“. Zu deutsch: Die Welt spricht über Deutschland, das eine Mauer zwischen Anwohnern und einem Flüchtlingsheim gebaut hat, aber es ist nicht so wie Sie denken. So titelt die indische Ausgabe der Times, Indiatimes - mit 6,5 Milliarden Seitenaufrufen im Monat eines der größten Nachrichtenportale in Indien. Die Nachricht aus München sorgte laut Indiatimes in Indien für Irritationen, war die Stadt doch seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 bekannt für ihre wohlwollende Aufnahme von Flüchtigen. Die Autorin des Textes analysiert daher die deutsche Medienwelt, um herauszufinden, was an der Geschichte dran ist. Rechtspopulistische Medien würden berichten, so die Autorin von Indiatimes, dass die Mauer gebaut worden sei, um die deutsche Stadt vor den kriminellen Einwanderern Obamas zu schützen. Eigentlich geht es bei der Angelegenheit aber um etwas anderes, meint die Indiatimes und beruft sich dabei auf mehrere große deutsche Nachrichtenseiten, wie Merkur.de oder Spiegel Online, um den Sachverhalt im Detail darzustellen.

  • Dailymail (Britische Nachrichtenseite)

„Deutschlands neue Mauer“ - die britische Nachrichtenseite DailyMail stellt mit der Schlagzeile einen direkten Bezug zur Berliner Mauer her und wird noch konkreter: „12ft-high barrier - taller than the infamous fortification that once divided Berlin - is constructed in Munich to protect locals from a migrant camp“. Zu deutsch: 12 Fuß hohe Barriere wurde in München erbaut um Anwohner vor einem Flüchtlingscamp zu schützen. Kritiker hätten zudem gesagt, dass die Mauer ein weiterer Beweis dafür ist, das sich die Wähler von Kanzlerin Angela Merkel entfremdet hätten. Laut Dailymail hätten sich Anwohner beschwert, durch das Flüchtlingsheim in Sichtweite würden die Grundstückspreise sinken, und sich daher für den Bau der Mauer eingesetzt. Die solle die Anwohner vor den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen schützen, die immer wieder an Auseinandersetzungen beteiligt seien. Die britische Nachrichtenseite verweist in diesem Zusammenhang auf die Vorfälle in Bautzen.

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