Umstrittene Mauer in Neuperlach

Rassismus-Vorwurf: Nach Schmierereien ermittelt der Staatsschutz

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Schmierereien an der Mauer in Neuperlach.

München - Seit Tagen sorgt eine Mauer in Neuperlach für Diskussionen. Eigentlich als Lärmschutzwand geplant, empfinden sie viele als Abschottung gegen junge Flüchtlinge, die dahinter leben sollen. Jetzt wurde das Streitobjekt beschmiert. 

Die Mauer, die München in diesen Tagen spaltet, hat ungebetene Gäste angelockt. Die Lärmschutzwand von Neuperlach wurde vermutlich von Linken beschmiert. Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Heftiger Gegenwind kommt auch aus der Politik. Die Grünen fordern: „Die Mauer muss weg!“

Die Schriftzüge, die bislang Unbekannte im Schutz der Dunkelheit an die Steine sprühten, sprechen vielen Bürgern aus der Seele. „Rassismus pur“ und „Gegen Grenzen“ steht in dicken Lettern an der 46 Meter langen Mauer, in der so mancher ein Symbol der Ausgrenzung von Flüchtlingen sieht. Die Schriftzüge sind inzwischen mit Holzpaletten abgedeckt. Auch ein hölzerner Sichtschutz in der Nähe wurde beschmiert. „Rassisten!“ ist dort zu lesen.

Ein Polizeisprecher sagte am Dienstag, dass jetzt der Staatsschutz ermittelt: „Wir hatten schon vorher ein Auge auf das Objekt. Jetzt haben wir es noch mehr.“

„Schallschutzmaßnahme in gütlichem Einvernehmen getroffen“

Schmierereien an der Mauer in Neuperlach.

Für den Vorsitzenden des Bezirksausschusses, Thomas Kauer, sind die Schmierereien ein Zeichen für die gesellschaftliche Polarisierung. Er bittet: „Lassen Sie uns das Thema wieder auf ein Normalmaß zurückführen. Es ist keine Mauer gegen Flüchtlinge, sondern eine Schallschutzmaßnahme, die in gütlichem Einvernehmen getroffen wurde.“ Die Stadtrats-Grünen wird er so wohl nicht überzeugen können. Sie fordern den Abriss. „Die Mauer wirkt in ihrer Dimension wie eine hässliche Verhöhnung all jener Anstrengungen in dieser Stadt, ein weltoffenes Klima zu bewahren.“

Was die Wand genau kostet, kann bei der Stadt übrigens niemand sagen. Auf tz-Nachfrage teilt das Baureferat mit: „Die Kosten können generell erst nach der Schlussabrechnung beziffert werden. Aus diesem und auch aus rechtlichen Gründen macht das Baureferat keine Angaben zu Objektkosten und Maßnahmen.“

Zeugenaufruf der Polizei:

Wer hat im angegebenen Zeitraum in der Nailastraße Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit dieser politisch motivierten Sachbeschädigung stehen könnten? Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 43, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

S. Karowski, J. Heininger

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