Schwärmereien und Entsetzen

"Braucht kein Mensch" - Heftige Reaktionen auf Primarks München-Plan

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Eine Primark-Filiale wird auch in München eröffnet, allerdings nicht in der Innenstadt.

München - Im Herbst hatte München über das Gerücht diskutiert, Primark könnte ins riesige Joseph-Pschorr-Haus in der City ziehen. Jetzt ist klar: Die Billigmodekette kommt nach Neuperlach. Die Reaktionen.

Auf Facebook existieren seit ein paar Jahren zwei Gruppen, die sich einen Primark für München wünschen. Dieser Wunsch geht in Erfüllung. Die Billigmodekette aus Irland eröffnet eine Filiale im Einkaufszentrum Pep in Neuperlach.  

Darüber berichteten wir am Dienstag. Inzwischen haben die Betreiber des Pep die Nachricht auch in einer offiziellen Pressemitteilung bestätigt.

Im Herbst hatte München über das Gerücht diskutiert, Primark könnte in das riesige leer stehende Joseph-Pschorr-Haus an der Neuhauser Straße ziehen. Das Unternehmen sucht solche 1A-Citylagen in deutschen Großstädten. Am Ende hat TK Maxx den Mietvertrag unterschrieben. Zuvor hatte Forever 21 dort seine günstigen Klamotten verkauft.  

Die Meldung, dass Primark nach München kommt, hat die Münchner aufgewühlt - positiv und negativ. Unter dem Post auf unserer Facebookseite tz München stehen mehr als 600 Kommentare (Stand: 13. April, 13.30 Uhr). Es sind jubelnde junge Menschen, die wissen, wo sie demnächst ihr Taschengeld lassen: Sie werden dort Jeanshosen für neun Euro kaufen, T-Shirts für drei Euro, billiger geht es kaum. "Der Shoppingwahn beginnt in 3...2...1", schreibt tz-Facebook-Userin Vroni. Die weite Fahrt zum Primark in Innsbruck oder Stuttgart sparen sich Jugendliche demnächst - und das feiern sie auf Facebook. Nicht nur Teenager zeigen ihre Freude über diese Nachricht, auch Erwachsene, die günstig Kleidung kaufen wollen.

Primark-Gegner regen sich über Produktion der Billigmode auf

Die Zahl der User, die sich über die geplante Filialeröffnung in Münchens Südosten aufregen, ist groß. Sie diskutieren darüber, ob München - und überhaupt die ganze Welt - eine Modekette wie Primark brauche. Timothys Kommentar fällt knapp, aber deutlich aus: "Braucht kein Mensch." Laura Nicole kommentiert: "Unnötiger Billigmüll - Plastik und Gift für die Haut aus Ausbeuterbetrieben - habe ich selbst dort mitangesehen. Wer das kauft, hat keinen Respekt vor anderen und auch nicht vor sich selbst." Es häufen sich Vorwürfe der User gegen Primarks Produktionskette. Sie erinnern sich an vergangene Skandale in der Modebranche, in denen auch der Name Primark fiel.

Userin Moe hat den Primark-Gegnern etwas Wichtiges entgegenzusetzen: "Ich bin voll berufstätig und trotzdem am Limit. Ich bin dankbar, was Preiswertes zu bekommen, was meinem Kind auch noch gefällt. Bei den Wachstumsschüben würde ich sonst vielleicht 24 Stunden am Tag arbeiten müssen, um die teuren Klamotten bezahlen zu können." Userin Trixi lässt diesen Einwand nicht gelten: "Mit Sicherheit verdiene ich weniger als Sie, aber ich mag halt nicht so Chemieverseuchtes und auf dem Rücken armer Menschen produziertes Zeug auf der Haut haben, das nach ein paar Mal Waschen entweder aus dem Leim geht oder out ist. Und: Ich habe vor Ort gesehen, unter welchen Bedingungen es teilweise produziert wird." 

Allgäuer Firma verlässt Bündnis für nachhaltige Mode

Es erstaunt, dass die oft kritisierte Billigmodekette dem Bündnis für nachhaltige Textilien beigetreten ist. Mindestens eine Firma hat daraufhin entsetzt ihre Mitgliedschaft gekündigt: eine Allgäuer Firma für Sportbekleidung.

Einkaufszentrum Pep in Neuperlach wird vergrößert

Das Pep-Einkaufszentrum in Neuperlach wird vergrößert, wie TH Real Estate und ECE mitteilen. Die 50.000 Quadratmeter riesige Verkaufsfläche wird um 7900 erweitert. Primark gehöre zu den Unternehmen, das schon einen Mietvertrag für den Erweiterungsbau unterschrieben habe. TH Real Estate investiert nach eigenen Angaben in das Projekt im Namen eines privaten Investors etwa 73 Millionen Euro.

Um Platz zu schaffen, würden das Parkhaus Nord und angrenzende Verbindungsbauten zum Einkaufszentrum abgerissen werden. Besucher müssten ihr Auto auf dem Hanns-Seidel-Platz oder im Parkhaus Süd abstellen.

Video: Primark kommt nun doch nach München - ins Pep in Neuperlach

sah

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