Ramersdorf-Perlach

Zirkus hinterlässt „desaströsen Zustand“ - und soll nicht mehr gastieren

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Auf den Fotos, die im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach herumgereicht wurden, sieht man, wie die Kamele des Circus Kaiser die Rinde von den Bäumen fieseln.

München - Nach dem Ärger mit freigelassenen Tieren und einem überfahrenen Strauß hat der Wanderzirkus Kaiser nun auch noch Krach mit der Lokalpolitik. Die fahrende Attraktion hat in Ramersdorf offenbar eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Erst vor kurzem wurde einer der Straußen vermutlich freigelassen und dann von einem Auto totgefahren.

Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach beschloss auf seiner jüngsten Sitzung, den Circus Kaiser nicht mehr auf seine Festwiese an der Ecke Innsbrucker Ring/Kirchseeoner Straße zu lassen. Der hatte von Anfang bis Mitte April seine Vorstellungen direkt am Innsbrucker Ring abgehalten. Nach dem Gastspiel befinde sich das Grundstück in Ramersdorf in einem „desaströsen Zustand“, erklärte die SPD und legte eine Reihe von Beweisfotos vor.

Darauf sieht man, dass das Gelände regelrecht durchpflügt wurde. Vom Rasen ist an einigen Stellen so gut wie nichts mehr übrig. Die Wiese sei für Veranstaltungen extra befestigt worden und habe eine ausgewiesene Zufahrt, erklärte Andrea del Bondio (SPD). „Warum man dann über den angrenzenden Spielplatz fahren muss, ist wirklich unerklärlich.“ 

Es sei nicht absehbar, wann die Wiese für die Anwohner wieder nutzbar sei. Auch bei schlechtem Wetter müsse man entsprechende Vorkehrungen treffen, fand Werner Ruf (CSU). „Dieser Zirkus hat es in den letzten Jahren immer geschafft, die Wiese kaputt zu machen.“ Nicht umsonst gebe es deshalb jedes Mal bei der Genehmigung die Auflage, das Areal in dem Zustand zu hinterlassen wie vorgefunden.

Kamele nagten Bäume ab, Tiere büchsten aus

Den Stadtteilpolitikern reicht es. Denn die Reifenspuren sind nicht das einzige Ärgernis. „Es steht noch ein herrenloser Anhänger auf der Fläche, der auf Grund der Beladung eindeutig dem Zirkus zuzuordnen ist“, monierte Del Bondio. „Eine Müllhalde ohne Nummernschild.“

Der Anhänger mit Müll blieb an der Kirchseeoner Straße übrig. 

Wie sorglos die Zirkusleute mit den Standorten umgehen würden, zeigte die Stadtteilpolitikerin an einem Beispiel aus Berg am Laim. Am Michaelianger, wo der Zirkus vor Ramersdorf gastierte, gibt es mehrere Bäume ohne Rinde. Abgenagt von den Kamelen, deren Gehege bis an die Bäume reichte. Das Gartenbaureferat habe auch schon einen neuen Baum nachpflanzen müssen. Hinzu komme noch die fehlende Sorgfalt bei der Unterbringung der Tiere. Beim Gastspiel in Ramersdorf waren mehrere Ponys und Esel ausgebüxt und mussten von Polizei und Feuerwehr eingefangen werden. „All diese Gründe sprechen gegen ein weiteres Gastspiel dieses Zirkus an der Kirchseeoner Straße“, so die SPD.

Der Bezirksausschuss fordert die Stadt nun auf, keine Genehmigung für Ramersdorf mehr auszusprechen. Allein die Grünen fanden es ein wenig hart, einen kleinen Familienbetrieb derart zu sanktionieren. Solange nicht geklärt sei, ob für die freigelassenen Tiere nicht autonome Tierschützer verantwortlich seien, wolle man dies nicht dem Zirkusbetreiber anlasten. „Wären Sie damals meinem Antrag zum Wildtierverbot für den Zirkus gefolgt, hätten wir das Thema jetzt gar nicht“, klagte Grünen-Sprecher Christian Smolka. 

Kopfschütteln bei der SPD: „Das wäre das Aus für den Zirkus gewesen, die Wildtiere sind seine Attraktion.“ Vom Circus Kaiser gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Moment, mal?! Exotischer Gast am Mittleren Ring

Carmen Ick-Dietl

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