Raubzug durchs Luxus-Viertel

Hat sie mit ihrer Bande Müller-Wohlfahrts Wohnung ausgeräumt?

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Veselinka R. stand am Montag vor Gericht. 

München - Eine internationale Diebesbande soll bei einer Einbruchserie einen Schaden von 352.000 Euro verursacht haben - zu den Opfern gehört Promi-Arzt Müller-Wohlfahrt. Die Banden-Chefin schweigt vor Gericht.

Mitten im Prozess kommen Veselinka R. (50) die Tränen. Die Aussicht auf drei Jahre Haft: Das scheint zu viel für die zerbrechliche Frau. Doch äußern will sie sich nicht – sondern schweigt zu einer unglaublichen Einbruchsserie, die ihr zur Last gelegt wird.

Laut Anklage gilt Veselinka R. als Kopf einer internationalen Diebesbande, die aus einer mobilen Großfamilie besteht und ihren Lebensunterhalt mit Wohnungseinbrüchen bestreitet. Insgesamt zehn Mal sollen sie auch in München zugeschlagen und fette Beute gemacht haben: Einen Schaden von 352.080 Euro listet die Anklage, entstanden in den feinsten Adressen im Lehel. 

Auch Ex-Bayern-Arzt Müller-Wohlfahrt gehört zu Opfern der Bande

Drei Monate lang sollen R. und ihre Komplizen dort in noble Wohnungen eingebrochen sein. Zu den Opfern gehörte auch Ex-FC-Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (73). Ihre Serie soll die Familien-Bande am 3. März 2013 gestartet haben. In der Widenmayerstraße hebelten sie laut Anklage mit Schraubendrehern die Wohnungstüre auf und nahmen Bargeld und Schmuck im Wert von 4500 Euro mit. Sechs Wochen waren es 46 000 Euro, kurz darauf sogar 60.000 Euro Beute – und später 168.000 Euro bei den Müller-Wohlfahrts. 

Raubzug durchs Luxusviertel: Auch Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt soll zu den Opfern gehören. 

Laut Anklage stiegen die Diebe noch in fünf weitere Wohnungen ein, dann erst schnappte die Polizei sie. Ein Neffe und eine Nichte von Veselinka R. wurden bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ihr selbst droht der Knast. Denn laut Anklage schickte sie junge Verwandte vor und zog im Hintergrund die Fäden. Die Komplizen soll sie angelernt und ihre Ziele ausgewählt haben. Laut Anklage erteilte R. per Telefon auch Befehle – und half nach den Taten mit, die Beute zu sichern. Der perfide Plan: Wenn die Täter geschnappt werden, sollten sie sich als straf-unmündige Kinder ausgeben – und Veselinka R. als Kontaktperson für das Jugendamt nennen. 

Unbehelligt wollten sie so von Stadt zu Stadt ziehen. Im Falle einer Verhaftung wollte Veselinka R. einen Anwalt besorgen. Mit Wolfgang Bendler und Florian Wurtinger braucht sie nun selbst zwei. Auch sie werden eine Haftstrafe aber kaum abwenden können.

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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