Martin Niefnecker

Der Draufgänger: "Scheiß da nix, dann fehlt da nix"

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Für Ex-Weltmeister Martin „Keule“ Niefnecker ist Red Bull Crashed Ice am Olympiaberg ein Heimspiel

München – Wenn große Wettkämpfe anstehen, dann gilt es für Martin Niefnecker nicht zuletzt die richtigen Worte zu finden: „Ich muss immer erst meinen Chef davon überzeugen, dass alles gut geht.“ Der aus Garmisch-Partenkirchen stammende Niefnecker arbeitet als Kunststofftechniker in Glarus/Schweiz, und man kann sich gut vorstellen, dass sein dortiger Vorgesetzter es sich mitunter zweimal überlegt, ob er dem Hobbysportler ein paar Tage frei gibt. Denn der 25-Jährige geht einer überaus rasanten und auch nicht ganz ungefährlichen Leidenschaft nach: Er hat sich dem Ice Cross Downhill verschrieben, rast also auf Schlittschuhen mit über 50 km/h steile Eisrinnen hinunter, um sich dabei im Kampf Mann gegen Mann zu behaupten. „Das ist schon eine verrückte Sportart“, sagt er. In gut zweieinhalb Wochen präsentiert Niefnecker seinen Wagemut in München beim Red Bull Crashed Ice auf dem Olympiagelände (8./9. Januar). Seine Vorfreude beschreibt er so: „Des is wie dahoam.“

Das Münchner Fluidum hat der Oberbayer schon vor fünf Jahren bestens kennengelernt. „Wenn du am Start stehst und schaust auf den randvollen Olympiapark, das ist ein super Gefühl.“ 50 000 Zuschauer strömten damals herbei, um die Gladiatoren im Eiskanal zu erleben. Niefneckers Freude war 2010 umso größer, als er den Grundstein legte für den Gewinn des Weltmeistertitels. „Das war eine ganz große Nummer, einer der größten Momente in meiner Karriere.“ Die robuste Art des Schlittschuhfahrens hat Niefnecker als Eishockeyspieler erlernt. Er war für den Nachwuchs des SC Riessersee und dann in der Oberliga für den EC Peiting aktiv. Ice Cross Downhill entdeckte er 2007 für sich. „So einen Track hinunterzufahren ist ein unglaubliches Gefühl – als würde man über das Eis fliegen“, erzählt er. Die Faszination hat ihn nicht mehr losgelassen. Dass in Städten wie Quebec 100 000 Fans die Rennen verfolgen, steigere noch den Reiz dieser Sportart. Auch wenn Niefnecker einräumt: „Während des Wettbewerbs blendest du alles aus, was um dich herum passiert. Sobald du dich über die vielen Zuschauer freust, liegst du auch schon auf der Nase.“

Stürze, so Niefnecker (Spitzname: „Keule“), „sind an der Tagesordnung“. Doch schrecken lässt er sich davon nicht: „In mir steckt schon auch ein Draufgänger. Und wer Angst vor Höhe oder hohen Geschwindigkeiten hat, ist beim Red Bull Crashed Ice fehl am Platze.“ Sein steter Vorsatz laute: „Scheiß da nix, dann fehlt da nix.“ Ihm selbst komme überdies zugute, dass er als Skifahrer des SC Partenkirchen Erfahrung gesammelt hat mit hohem Tempo berab. Ohne blaue Flecke komme er dabei selten davon. Eine schwere Verletzung hat sich Niefnecker aber nur einmal zugezogen. Bei einem Rennen in Kanada rammte ihn ein Rivale unabsichtlich von hinten. Ein Sprunggelenk brach. „Irgendwann geben die Knochen halt nach.“

Etwas verwundert zeigt sich der Wahl-Schweizer darüber, dass er immer noch gefragt werde, ob das Ice Crash Downhill eine ernstzunehmende Sportart oder eine reine Action-Unterhaltung sei. „Ich rate jedem, der mir diese Frage stellt, es selbst auszuprobieren“, sagt er: „Spätestens hinter dem Start Gate merkt man nämlich, dass das Ganze nicht nur Gaudi ist.“ Ohnehin habe sich die Sportart in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt, werde immer athletischer, spektakulärer. „Inzwischen ist das Niveau so hoch, dass du dir keinen Fehler mehr erlauben kannst.“

Auch der Ex-Weltmeister muss sich inzwischen strecken, um der Konkurrenz die Stirn bieten zu können. Auf dem 370 Meter langen Kurs am Münchner Olympiaberg hat er sich zum Ziel gesetzt, „an die vordersten acht, zehn Leute Anschluss zu finden“. Immerhin ist die gesamte Weltelite am Start. Als besonderes Hindernis ist ein Sprung eingebaut, der die Sportler auf über 20 Meter hinauskatapultieren wird. Weiter ging’s beim Red Bull Crashed Ice noch nie. Niefnecker sagt zu dieser Herausforderung: „Ich freue mich darauf.“ Draufgänger, wie er ist. 

Red Bull Crashed Ice in München: Themenseite und die wichtigsten Fakten

Alle Infos zum Event in München finden Sie auf unserer Themenseite zu Red Bull Crashed Ice. Wir haben bereits die wichtigsten Fakten zu Red Bull Crashed Ice in München zusammengestellt.

Armin Gibis

Armin Gibis

E-Mail:armin.gibis@merkur.de

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