In der Maxvorstadt und im Glockenbach

Renovierung und Abriss - Jugendeinrichtungen vor dem Aus

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Aus für das Stammesheim der Pfadfinder "Pegasus" in der Pestalozzistraße. Im August müssen sie raus. Stammesführerin Jasmin Simper.

München - Für zwei Jugendeinrichtungen in München naht das Ende. Einmal wegen Renovierungsarbeiten, ein anderes Mal wegen Abriss. Wie es weiter geht, ist noch unklar.

Café Netzwerk, Maxvorstadt

Sait Köse (45) weiß, wie man einen Film schneidet, kennt Kniffe beim PC-Strategiespiel StarCraft 2 und hilft dabei, Bewerbungen zu schreiben. Der Pädagoge leitet das Café Netzwerk in der Luisenstraße. 50 bis 100 Jugendliche sind hier jeden Nachmittag, surfen im Internet, spielen an Konsolen oder nutzen Zeichenprogramme. Am Vormittag werden Münchner Pädagogen in Medienkompetenz geschult und am Wochenende finden Youtuber-Treffen und Workshops statt, etwa für Jugendliche, die im Netz straffällig geworden sind.

Doch jetzt fürchten die Maxvorstädter um den Fortbestand des Jugendtreffs: Denn 2018 soll die Thomas-Wimmer-Schule, in der das Café 330 Quadratmeter im Erdgeschoss hat, saniert werden. Die Schule und voraussichtlich auch das Café sollen ins Junge Quartier Ober­sendling ziehen. „Die Schüler vom nahen Luisengymnasium haben außer dem Café Netzwerk keine Jugendeinrichtung in der Nähe“, sagt Valentin Auer, der Jugendbeauftragte vom Bezirksausschuss Maxvorstadt. Deshalb will er unbedingt verhindern, dass der beliebte Jugendtreff auf unbestimmte Zeit in ein anderes Viertel ziehen muss. Bis zum Sommer 2018 will er eine passende Bleibe für das Café Netzwerk in der Maxvorstadt suchen.

Seit 1999 wird das Jugendcafé mit dem Schwerpunkt digitale Medien in der Thomas-Wimmer-Schule vom Kreisjugendring betrieben. Seit 1970 war hier schon ein Jugendtreff. „Das Wichtigste ist, dass wir da sind und die Türen aufmachen. Sonst gibt’s hier rund um den Bahnhof keine Räume, wo die Jugendlichen nach der Schule hingehen können“, sagt Köse. Denn wie lange die Schulrenovierung dauert, ist nicht absehbar. Und die Jugendlichen in der Maxvorstadt brauchen einen Treffpunkt. 

Pfadfinder Pegasus, Glockenbach

Montagnachmittags werden die Kinder zu Werwölfen, morden und verdächtigen sich gegenseitig. Das Werwölfe-Rollenspiel spielt die Pfadfinder-Sippe von Jasmin Simper (19) am liebsten. Die Karten haben sie selbst gezeichnet, sie spielen immer verzwicktere Versionen. Es gilt, die Mörder durch Reden zu finden. Jede Woche treffen sich die zehn- bis zwölfjährigen Pfadis von Jasmin Simper in dem kleinen Haus in der Pestalozzistraße 62 – ihrem Stammesheim. Zum August wurde ihnen gekündigt.

Seit 15 Jahren sind sie hier. Vor fünf Jahren haben sie die 100 Quadratmeter renoviert und dekoriert. Knapp hundert Kinder gehören zum Pegasus-Stamm. Sie treffen sich in sieben Gruppen zum Spielen, Basteln oder Ratschen. „Die Kleinen starten von hier zu Isarabenteuern, die Älteren verratschen sich oft“, sagt Simper. In den Ferien geht’s ins Pfadilager und manchmal übernachten Pfadfinder aus anderen Städten hier. Damit wird im Sommer Schluss sein: Denn das Stammesheim steht im Betriebshofes der Straßenreinigung. Das Pfadihäusl ist alt und eine Sanierung lohnt sich nicht. Zumal die Stadt das Gelände als Waschplatz für Fahrzeuge braucht. Außerdem soll auf dem Gelände eine Infostelle für Besucher vom Alten Südlichen Friedhof entstehen.

„Leider konnte dem Verein keine städtische Ersatzfläche angeboten werden, da keine passenden Grundstücke zur Verfügung stehen“, heißt’s beim Kommunalreferat. Ein halbes Jahr haben sie noch, um ein Stammesheim zu finden. 

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