Im großen Interview

Gene Simmons: "Wahrscheinlich habe ich ein paar Kinder in der Stadt"

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Gene Simmons liebt München. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur erklärt er, warum.

München - Am Samstag spielen die Hardrock-Legenden Kiss beim Rockavaria in München. Der Münchner Merkur telefonierte mit Bassist Simmons in Toronto – kurz bevor er sich ins Flugzeug nach Deutschland setzte. Sie sprachen über sein Leben für und mit Kiss, Münchner Biergärten und warum es einfacher wäre, bei den Stones zu spielen.

Es hat gedauert, bis die Hardrock-Legenden Kiss zurück in Europa sind. Zuletzt erklang 2008 hierzulande die legendäre Eröffnungszeile eines jeden Kiss-Konzerts: „You wanted the best, you got the best! The hottest band in the world: Kiss!“ Ein neues Album haben Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer und Eric Singer zwar nicht dabei, aber das macht nichts. Am Freitag spielen sie bei Rockavaria in München.

Erlauben Sie die Unhöflichkeit: Sie sind 65...

Das ist nicht unhöflich! Ich werde 66, im August. Wir kümmern uns nicht um das Alter, richtig? Wir sind Männer!

Dennoch ist es eine Leistung, in Ihrem Alter geschminkt und verkleidet Konzerte zu spielen.

Das ist ein Grund, stolz zu sein! Wir sind die „hardest working band in showbusiness“, die Band im Showgeschäft, die am härtesten arbeitet. Ein Tag auf Tour sieht für mich so aus: Ich stehe gegen 10 auf, mache mich fertig und gebe von 12 bis 15 Uhr Interviews. Um 15 Uhr mach’ ich mich auf den Weg zum Stadion, esse was. Um 16.30 Uhr steht ein einstündiger Auftritt vor ein paar hundert Fans im Backstage-Bereich an. Dann brauche ich zwei Stunden in der Maske, es folgt ein zweistündiges Konzert. Währenddessen trage ich eine 20-Kilo-Rüstung auf 20-Zentimeter-Plateau-Absätzen, spucke Feuer, fliege durch die Luft. Wenn wir fertig sind, waren das zwischen zehn und zwölf Stunden Arbeit. Es wäre so viel einfacher, bei den Rolling Stones zu spielen. Da könnte ich bequem Turnschuhe und T-Shirt tragen. Wir werden, anders als die Stones, im Alter von 72 oder 73 Jahren nicht mehr auftreten können.

Gene Simmons im Interview: "Am liebsten beschäftigen wir uns mit süßem Nichtstun"

Verfluchen oder ehren Sie den Tag, an dem Ihnen die Verkleidungen eingefallen sind? 

So sehen die Herren von Kiss übrigens ungeschminkt aus. Von links: Gene Simmons, Eric Singer, Paul Stanley, Tommy Thayer. 

Beides. Ein bisschen ist es, als wenn man ins Fitnessstudio geht. Man hasst es anfangs. Aber je mehr man trainiert, desto stärker, dynamischer fühlt man sich – unterm Strich gibt es mehr Energie.

Wie bereiten Sie sich körperlich auf die Tour vor? 

Zwei Monate, bevor es losgeht, fangen wir an. Ich gehe zum Beispiel wandern, dann zum Trainieren ins Studio und lerne dort, meinen Personal-Trainer zu hassen...

Das ist deren Aufgabe! 

Aber egal, was man in dieser Richtung unternimmt – man hasst es! Egal, ob es darum geht, Gewicht zu reduzieren oder sich auf eine Tour vorzubereiten. Denn am liebsten beschäftigen wir uns doch mit dem süßen Nichtstun, wir mögen „Kuchen“ und „Palatschinken“ (Simmons benutzt die deutschen Wörter).

Wie sehen Tage ohne Musik bei Ihnen aus? 

Ich bin Gründungsmitglied und Miteigentümer der „LA Kiss“, des einzigen Football-Teams in Los Angeles. Außerdem gehört mir eine Restaurant-Kette, wir haben eine Filmfirma, ich schreibe Bücher, habe Immobilien. Langweilig wird mir nicht!

Gene Simmons von Kiss: "Ich habe München immer sehr gemocht"

Würden Sie sagen, Sie sind eher Musiker oder Unternehmer?

Wir sind alle Unternehmer und machen mehr als eine Sache. Sie bestimmt auch! Wir nutzen unsere Zeit, Dinge anzupacken, die uns interessieren. Der Unterschied ist vielleicht, dass ich versuche, mit allem Geld zu verdienen. Das ermöglicht es mir, wohltätige Engagements zu unterstützen, Arbeitsplätze zu schaffen und meinen Kindern alles zu geben, was sie möchten. Aber natürlich auch, das zu machen, was ich will: Geld ist Freiheit, so einfach ist das.

Weil wir von Geld sprechen: Sie sollen gesagt haben, dass Sie an einem Abend mehr verdienen als der US-Präsident im Jahr... 

Der US-Präsident bekommt etwa 400.000 Dollar im Jahr. Wir können mit einer Show Millionen verdienen – in einem großen Stadion.

Proben Sie noch vor einer Kiss-Tournee? 

Ich selbst probe stundenlang, jeden Tag. Mit Kiss üben wir eine Woche, manchmal mehrere. Das Publikum soll nicht den Eindruck haben, dass wir auf der Bühne proben müssen.

Warum startet Ihre Europatour in München? 

Ich habe München immer sehr gemocht. Die Geschichte, die Kultur, das Essen, die Frauen! Es gibt so viele gute Gründe, dorthin zu reisen. Ich habe wahrscheinlich sogar ein paar Kinder, die in der Stadt herumlaufen.

Ich habe gehört, Sie wollen vor dem Auftritt am Samstag in den Biergarten. Ihre liebste Delikatesse ist... 

...eine Frau namens Olga.

Kiss spielen am Samstag, 21 Uhr, im Olympiastadion.

Wer ist eigentlich Gene Simmons?

Gene Simmons, geboren als Chaim Witz am 25. August 1949 in Haifa, Israel, ist Gründungsmitglied und seit über 40 Jahren Bassist von Kiss.

Der Nachfahre zweier Shoah-Überlebender wanderte mit seiner Mutter 1955 nach New York aus. Weil sein Vorname, englisch ausgesprochen, zu sehr nach „shame“ (Schande) klingt, änderte er ihn in Eugene und nahm zugleich den Mädchennamen seiner Mutter an. Aus Gene Klein wurde mit der Kiss-Gründung Gene Simmons, eine Verneigung vor der Schauspielerin Jean Simmons (1929–2010).

Der ausgebildete Grundschullehrer und seine Bandkollegen begannen, inspiriert von Comics, sich für die Bühne zu schminken – ein Erfolgsrezept. Kiss, obwohl wegen ihrer Kostüme und der Schminke dem Glam Rock zugeordnet, gelten als Wegbereiter des Hardrock.

Das Gespräch führte Christoph Ulrich

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