Weniger Platz für Gehweg und Parkplätze

Umbau in Rosenheimer Straße: Nun folgt der nächste Radlzoff

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Der Radlweg ­endete bislang an der Ecke Balanstraße.

München - Der geplante Radweg in der Rosenheimer Straße bleibt ein Politikum. Auch gegen den neuesten Entwurf regt sich Widerstand.

Der neue Radweg in der Rosen­heimer Straße wird eine schwere Geburt: Seit 2013 zofften sich SPD und CSU über zwei neue Spuren für Drahtesel. Am Donnerstag Abend stellte das Baureferat eine Lösung vor, die den Segen von CSU und SPD im Rathaus hat, aber von den Haidhausern und Radler- und Umweltverbänden sowie den Grünen äußerst kritisch gesehen wird. Denn der neue Radweg geht auf Kosten der Fußgänger, außerdem müssen 20 Bäume weichen.

Dass die Situation für Fahrradfahrer auf der Einfallstraße zwischen Orleanstraße und Rosenheimer Platz untragbar ist, darüber sind sich alle einig. 29.000 Autos, 3800 Fußgänger, 2100 Radler am Tag.2011 starb die Studentin Nina H. (23), als sie am Ende der Radlerspur auf die Straße wechselte und von einem Lkw überfahren wurde.

Das Planungsreferat schlug Anfang 2013 eine Variante vor, nach der je ein Fahrstreifen in jeder Richtung zugunsten eines Radweges wegfallen sollte. Die CSU lehnte das ab, sie wollte die Radler über den Weißenburger Platz schicken. Schließlich einigte man sich mit der SPD auf einen Kompromiss: Alle vier Fahrspuren sollten bleiben, aber die Parkplätze sollten Anliefer-Halteplätzen auf dem auf 3,89 Meter verbreiterten Gehweg weichen, die abends von Anwohnern zum Parken genutzt werden dürfen.

Radweg soll zwei Meter breit werden

Das Baureferat wurde mit einer Detailplanung beauftragt. Und die sieht jetzt wieder ganz anders aus: Der Radweg ist jetzt zwei Meter breit geplant, von den jetzigen 80 Parkplätzen fällt nur die Hälfte weg, der Gehsteig ist künftig entweder 1,60 oder drei Meter breit - je nachdem, ob er auf Höhe eines Parkplatzes ist oder nicht. 20 Ahornbäume werden gefällt, dafür werden 18 Pappeln neu gepflanzt. Kostenpunkt des Umbaus: fünf Millionen Euro.

SPD und CSU im Rathaus begrüßen den Plan: "Er nimmt alles auf, was wir dem Referat mitgegeben haben und bringt mehr Sicherheit für alle", so CSU-Stadtrat Richard Quaas. Auch bei der Rathaus-SPD heißt es: "Wir sind zufrieden."

Ganz anders sieht es im Bezirk aus, wo es bei der Vorstellung des Konzepts am Donnerstag zwei Stunden lang kritische Fragen gab. "1,60 Meter Gehsteig sind indiskutabel", so Lydia Dietrich (Grüne), gleichzeitig Mitglied im Bezirksausschuss und im Stadtrat.

SPD sieht Probleme wegen Verkehr

Die Haidhauser SPD-Fraktionsvorsitzende Nina Reitz kritisiert: "Es ist sehr problematisch auf einer Straße, wo Grenzwerte für Stickoxide und Lärm nicht eingehalten werden, den Verkehr zu beschleunigen und den Radweg allein auf Kosten der Fußgänger umzusetzen." Auch Gewerbetreibende seien betroffen, da es kaum noch Platz für Freischankflächen gebe. Zwei Fahrspuren für Autos würden reichen und der Umbau wäre viel billiger.

Die CSU im Bezirk ist mehrheitlich für den Plan. Aber die Fachverbände sehen den Umbau auch kritisch. "Wir fallen in das Zeit­alter der autogerechten Stadt zurück", so Andreas Schuster von Green City. Auch der Radlverband ADFC und der Verkehrsclub Deutschland lehnen das Konzept ab. Martin Hänsel vom Bund Naturschutz schlägt Tempo 30 vor, um die Belastung für die Anwohner zu mindern und den Radlern gefahrloses Fahren auf der Straße zu ermöglichen.

Johannes Welte

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