5000 Euro Belohnung ausgesetzt

S-Bahn: Farb-Attacken waren wohl koordinierte Aktion

S-Bahn, München, Farbe, Attacke
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Arbeiter entfernen die Schmierereien auf einem der S-Bahn-Züge.

München - Die Farb-Anschläge auf insgesamt 88 Züge der Münchner S-Bahn in der Nacht von Montag auf Dienstag waren wohl eine Art Flashmob der Zerstörung.

Jörg Rau ist richtig sauer. „Eine echte Sauerei ist das“, schimpft der Flotten-Manager, während drei Arbeiter mit Schutzmasken hinter ihm die Farbe von einer S-Bahn schrubben. Dann deutet Rau nach oben: „Sogar auf dem Dach wurden die Fahrzeuge beschmiert“, schimpft er. Ja, der Farbanschlag von der Nacht auf Dienstag– er sorgt hier in der S-Bahn-Werkstatt Steinhausen für Sonderbetrieb: Bis Ende nächster Woche wird es wohl dauern, bis alle Züge wieder gereinigt sind. „Wir haben nun eine Belohnung zur Ergreifung der Täter ausgesprochen“, erklärt Jörg Rau. Satte 5000 Euro zahlt die S-Bahn für Hinweise, die die Schmierfinken zur Strecke bringen!

Bei dieser S-Bahn setzten die Täter eine Farbpumpe ein, um den Triebwagen während der Fahrt regelrecht abzuschießen.

Eins stehtfest: Der Farbanschlag kommt richtig teuer. Rund 100.000 Euro wird die Reinigung der 88 verschandelten Fahrzeuge kosten. Alles deutet daraufhin, dass die Vandalen die Tat genau durchgeplant hatten. So wurde von Brücken mit Farbbeuteln auf S-Bahnen geworfen, teils wurden Züge mit Spraydosen vom Gleis aus beschmiert. An wieder anderen Stellen nutzten die Täter sogar Farbpumpen, um die Triebwagen regelrecht „abzuschießen“. Heißt auch: Es muss sich um eine größere Gruppe von Leuten gehandelt haben, eine Art Flashmob der Zerstörung. Was für diese These spricht: Die einen Vandalen benutzten Lackfarbe, andere Wandfarbe, wieder andere schlichte Tinte. Also das, was wohl gerade da war. „Es kam im ganzen S-Bahn-Netz zu Attacken“, so ein Bahnsprecher. Schon gegen 18 Uhr meldete der erste Triebwagenführer, dass sein Zug bespritzt wurde.

Wo genau, will die Bundespolizei nicht verraten. „Das hat ermittlungstaktische Gründe“, erklärt Pressesprecher Wolfgang Hauner. „Derzeit werten wir unter anderem die Videoaufzeichnungen aus.“ Vielleicht wurden die Täter ja von Kameras gefilmt. Wer in der Nacht auf Dienstag etwas Verdächtiges beobachtet hat, soll sich bitte bei der Bundespolizei unter der Telefonnummer 089/5155 500 melden.

Einen Farbanschlag von dieser Dimension gab es übrigens in München noch nie – erwischte es doch rund ein Drittel aller 253 Fahrzeuge. „Nur am Ende der Weltmeisterschaft 2006 hatten wir mal eine Welle von Schmierereien“, erinnert sich Jörg Rau. Diesmal müssen aber teils sogar die Klimakästen auf den Zügen entfernt werden, weil die Farbe von oben auch dort hineinspritzte. „Eine echte Sauerei!“

Armin Geier

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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