S-Bahn-Randale: 40 Täter ermittelt

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München - Nach der folgenschwerer Alkohol-Abschiedsparty sind die ersten Täter gefasst. Viele verrieten sich im Internet. Warum bei den Vernehmungen Tränen flossen und was die Bahn jetzt fordert:

Das „Abschiedstrinken“ in der S-Bahn, das in der Nacht zum 11. Dezember 2011 in eine Zerstörungsorgie ausgeartet ist, beschäftigt die Staatsanwälte. Die Bundespolizei hat 40 ausnahmslos männliche Randalierer im Alter zwischen 16 und 28 Jahren ermittelt und die Akten weitergegeben.

Wie berichtet, hatten sich rund 2000 junge Leute aus dem Großraum München zu einer Party in der S-Bahn getroffen, bevor das Alkoholverbot in Kraft trat. Die zunächst gute Stimmung war gegen 23 Uhr gekippt, ganze Züge wurden demoliert.

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„Hunderte Stunden“, so Berti Habelt von der Bundespolizei, sichteten Fahnder die Aufnahmen der Videoüberwachung in den Zügen. Und etliche der Personen, die hier vor laufender Kamera Fenster einschlugen und Lampen herunterrissen, waren ihnen oder den Jugendbeamten der Landespolizei schon bekannt. Andere verrieten sich im Internet: „In Sozialen Netzwerken haben sich einige selbst gebrüstet, wie toll sie in dieser Nacht waren“, so Habelt. „Andere haben sich gegenseitig gelobt.“ Zur Vernehmung kamen viele Jugendliche mit ihren Eltern, und die machten ihren Sprösslingen mitunter mehr Druck als die Polizisten: „Manche Eltern haben wir richtig einbremsen müssen“, berichtet Habelt. „Es floss auch die eine oder andere Träne.“

Mehr Bilder von der S-Bahn-Party

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Die Staatsanwaltschaft München I hat einen Teil der Fälle, die Jugendliche betreffen, bereits an deren Heimat-Staatsanwalten abgegeben. Ein geringer Teil der Fälle sei abgeschlossen, bei anderen seien noch weitere Untersuchungen nötig, berichtet Sprecher Thomas Steinkraus-Koch. Es gehe mehrheitlich um Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, teils auch Widerstand, jedoch „eher im unteren Bereich“. Vor allem bei Ersttätern kann dies auf milde Strafen wie eine richterliche Ermahnung oder Arbeitsauflagen hinauslaufen.

Die Bahn hat unterdessen Strafantrag gestellt und will zivilrechtlich gegen die Vandalen vorgehen, um zumindest einen Teil des Schadens ersetzt zu bekommen. Neben dem Sachschaden, den die Bahn auf 230 000 Euro beziffert, ist jedoch ein weiterer, nicht unerheblicher Vermögensschaden entstanden, der nach Meinung vieler Juristen wohl kaum von den Übeltätern einzutreiben ist: Weil viele Fahrzeuge in der Werkstatt standen, fielen in der Woche nach der Randale etliche Züge aus. Der Freistaat kürzte seine Zahlungen an die S-Bahn entsprechend.

Peter T. Schmidt

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