S-Bahn-Ticket übers Handy

München - MVV-Tickets per Handy bezahlen? Bei der S-Bahn könnte es bald soweit sein. Für U-Bahn, Bus und Tram müssen sich die Pendler aber wohl leider noch gedulden.

Der öffentliche Nahverkehr in München hat Top-Noten, die Stadt ist Sitz zahlreicher Hightech-Firmen, so gut wie jeder Bürger besitzt ein Mobiltelefon: Warum gibt es trotzdem immer noch kein E-Ticket oder Handy-Ticket? Zumindest bei der S-Bahn könnte es aber bald soweit sein. Für U-Bahn, Bus und Tram müssen sich die Pendler aber wohl leider noch gedulden.

Ein Problem dieser Technologie ist die Tatsache, dass es nach Meinung der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zuviele verschiedene Betriebssysteme und Provider gibt. „Allen Anwendungen ist gemeinsam, dass es einen gemeinsamen, verbindlichen, und vom Kunden akzeptierten Standard noch nicht gibt.“ Das erfuhren die CSU-Stadträte Georg Kronawitter und Richard Quaas auf ihre Anfrage. Erst Ende 2011, so die Auskunft von MVG-Chef Herbert König, könne über die Einführung von Handy-Tickets entschieden werden.

Zuständig dafür seien aber die Verkehrsbetriebe, sprich MVG und DB Regio. Letztere, für den Betrieb der S-Bahnen zuständig, möchte sowohl Handy- als auch Online-Ticket „möglichst rasch an den Start bringen“: Zunächst soll es das gesamte Spektrum der Tageskarten sowie das erfolgreiche Airport-City-Day-Ticket per Handy geben, heißt es. Über das „Wie“ der Einführung und den genauen Zeitplan liefen Abstimmungsgespräche im Tarifverbund.

Die MVG habe den Fortschritt beim Ticketkauf in München nicht blockiert, stellt König in seiner Antwort an die beiden CSU-Stadträte klar. Am bundesweiten Pilotversuch 2007 habe sie sich wegen Sicherheitsbedenken nicht beteiligt. Man habe sich aber im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) um eine „Kernapplikation“ bemüht, die jetzt als möglicher Standard für E-Ticketing zur Verfügung steht. Der Code dient sowohl zur Kontrolle von online gekauften Tickets als auch für Fahrberechtigungen auf Mobiltelefonen.

Einige deutsche Verkehrsunternehmen geben inzwischen Chipkarten auf dieser Basis als Abo-Tickets aus. Die MVG beurteilt das aber „(noch) als unwirtschaftlich“. Ein Online-Self-Service für MVV-Abonnenten befinde sich aber in der Umsetzung.

Die MVG nennt ihre Ziel: eine Technologie, die über längere Zeit stabil betrieben werden kann, nicht von einem Anbieter abhängig, fälschungssicher sowie praktikabel in Anwendung und für die Kontrolle. Außerdem müsse sie wirtschaftlich betrieben werden. Für Mehrkosten müssten alle Fahrgäste durch höhere Preise oder durch ein geringeres Leistungsangebot zahlen.

Barbara Wimmer

Nach Kritik: MVV legt Karten-Kombinationsverbot auf Eis

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) setzt einen Teil der Anpassungen zum Fahrplanwechsel aus. Da betrifft leider nicht die Preiserhöhung als solche, sondern eine weitere Änderung, die auf Kritik bei Kunden und Fahrgastverbänden gestoßen ist: Tageskarten sollten nur mit Tageskarten kombiniert werden dürfen, nicht mehr mit Einzel- oder Streifenkarten. Aufsichtsratschef OB Christian Ude und MVG-Chef Herbert König hatten sich dafür eingesetzt, die Neuerung auf Eis zu legen, bis der Aufsichtsrat sich nochmal mit dem Thema befassen kann. Erlaubt sind jetzt also weiter diese Kombinationen: Einzelfahrkarte mit Einzel-, Streifen- und Tageskarte. Streifenkarte mit Einzel- , Streifen- und Tageskarte. Tageskarte mit Tages-, Einzel- und Streifenkarte, Zeitkarten mit Einzel-, Streifen- und Tageskarte sowie Kurzstrecke, Kurzstrecke mit Zeitkarten.

Rubriklistenbild: © Haag/dpa

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