Vorschlag der Freien Wähler

S-Bahn über den Nordring? So würde die Strecke verlaufen

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Verkehren bald S-Bahnen über den Eisenbahn-Nordring?

München - Könnte eine über den Nordring verkehrende S-Bahn Straßen und die Stammstrecke entlasten? Die Freien Wähler stellten dazu eine interessante Studie vor.

Diskutiert wird schon lange darüber: Eine S-Bahn auf den Gleisen des Nordrings, auf dem bislang nur Güterzüge fahren. Könnte man damit Straßen und die Stammstrecke entlasten? Die Freien Wähler haben am Montag eine interessante Studie dazu vorgestellt.

Münchens Norden boomt: Nicht nur BMW schafft entlang des Frankfurter Rings mit der Erweiterung des FIZ über 10.000 neue Jobs. Auch andere Betriebe erweitern und auch der Wohnungsbau schreitet voran. Der öffentliche Nahverkehr hinkt indes hinterher. Darum hatten BMW und Bezirkssausschüsse schon für den Ausbau des Nordrings für die S-Bahn plädiert. Der Ausbau des Nordrings würde eine S-Bahnstrecke von Pasing via Freimann nach Trudering ermöglichen. Für den Landtagsabgeordneten Michael Piazolo liegen die Vorteile des Nordrings auf der Hand: „Man kann sie unabhängig von der 2. Stammstrecke planen und bauen. Die Gleise sind schon vorhanden.“ Es müssten zwar einige Brücken und Überführungen entstehen, an einigen Stellen müssten die Gleise auch umgelegt werden. Aber: „Der Großteil der Grundstücke befindet sich noch in den Händen der Bahn.“

Die Vorteile: „Von Pasing zur Knorr-Bremse braucht man künftig mit der S-Bahn nur zehn Minuten, eine halbe Stunde weniger, als bisher. Gutachter Martin Vieregg denkt an einen Zehn-Minuten-Takt einer Linie zwischen Pasing und Trudering. Die Baukosten schätzt er vorsichtig auf 500 Millionen Euro. Außerdem geht er von einem Aufkommen von täglich 70.000 Fahrgästen aus. Damit läge das Projekt ei einem Nutzen-Kosten-Faktor von fünf, so Vieregg. Zum Vergleich: Bei der zweiten 2. Stammstrecke war 2012 von einem viel niedrigeren Faktor von 1,23 die Rede.

Vieregg denkt daran, Verstärkerzüge aus Eichenau und Maisach über den Nordring nach Osten nach Trudering, Haar oder Giesing zu schicken. Außerdem könnte ein Anschlusszug nach Ismaning führen, auch eine direkte Verbindung zur S2 nach Dachau wäre denkbar. Damit würde die Stammstrecke um drei von 30 Zügen pro Stunde entlastet. Piazolo: „Wir wollen den Nordring aber nicht als Alternative zur Stammstrecke. Wir wollen einen Anstoß liefern, um dieses Projekt politisch nach vorne zu bringen.“

Per S-Bahn in den Norden

So stellen sich die Freien Wähler den Ausbau des Eisenbahn-Nordrings vor: Die Strecke biegt in Pasing auf die bestehende S1 ab, um ab Moosach der bestehenden Güterverkehrstrecke bis Unterföhring zu folgen. Dort trifft sie auf die S8. Parallel zum Frankfurter Ring entstehen neue S-Bahnstationen. In der Lassallestraße, an der Knorrstraße sowie in Freimann-Süd ­würde es neue Umsteigebahnhöfe zur U-Bahn geben. Außerdem sieht die Studie neue Haltepunkte an der Berduxstraße, in der Lerchenau, an der Ingolstädter Straße sowie an der Isarbrücke bei Unterföhring vor. Für die Oststrecke zwischen Berg am Laim und Unterföhring setzt die Studie den ohnehin geplanten ­viergleisigen Ausbau voraus.

Das Warten auf die 2. Stammstrecke

Kommt sie – oder kommt sie nicht? Im April soll sich entscheiden, ob die ­2. S-Bahn-Stammstrecke ­gebaut wird. Dann soll nämlich eine ­verlässliche Kostenschätzung für den sieben ­Kilometer langen zweiten ­Tunnel unter der Altstadt vorliegen, der parallel zur alten Röhre verlaufen soll. Bundesverkehrsminister Alexander ­Dobrindt (45, CSU) hatte im Dezember versichert, dass sich der Bund an etwaigen Mehrkosten beteiligen würde. Derzeit liegt die Kostenschätzung bei drei Milliarden Euro. Noch heuer könnten die Vorarbeiten für den Bau beginnen, die Fertigstellung wäre dann 2025.

Johannes Welte

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