Händler haben noch keine Bleibe

Ruffinihaus wird saniert - Tod der Traditionsläden?

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Das Ruffinihaus besteht seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

München - Das Ruffinihaus muss schon bald saniert werden. Das könnte für die kleinen Traditionsläden schwerwiegende Folgen haben.

In 15 Monaten ist Schluss. Dann müssen die kleinen Münchner Traditionsläden vorübergehend aus dem Ruffinihaus in der Innenstadt ausziehen, weil das Gebäude saniert wird. Bislang konnten die Händler ihre ungewisse Zukunft verdrängen. Sie hofften auf ein Treffen mit der Stadt, das vergangene Woche stattfand. Die Sorgen wurden ihnen da aber nicht genommen. Im Gegenteil. "Ich glaube immer mehr", sagt etwa Wolfgang Fischer (57) vom Tabakladen, "dass der Tod der Händler vor der Tür steht."

Und das, obwohl knapp die Hälfte der 18 Händler eine schriftliche Zusicherung hat, dass sie nach 15 Monaten Umbauarbeiten wieder einziehen dürfen. Die Frage ist aber: Können sie das dann noch? Denn in der Zwischenzeit könnte es sein, dass die Händler auf der Straße stehen - und einen so langen Verdienstausfall würden sie nicht überleben. "Die Stadt hat auf viele Fragen keine Antwort", sagt Marion Schmöller (66) vom Spanischen Fruchthaus.

Tabakhändler Fischer hat schlaflose Nächte: "Seit Februar 2015 redet die Stadt von Zwischenlösungen für uns, aber bei dem Treffen hatte ich das Gefühl, dass die gar keine Lösung haben. Vielleicht wollen sie auch nur, dass wir freiwillig aufgeben, weil schon Filialisten anstehen, um die Flächen zu übernehmen."

Suche nach Interimslösung läuft

Das Kommunalreferat gibt zu, dass die Suche nach einer Interimslösung noch andauert. "Als Stadt sind wir rein rechtlich nicht dazu verpflichtet. Abgesehen davon versuchen wir unser Möglichstes", sagt Sprecher Bernd Plank. "Aber zum aktuellen Zeitpunkt können wir keine gute Alternative anbieten." Eine angedachte Unterbringung im Container sei schwierig zu realisieren. Geeignete Flächen im Stadtmuseum seien zwar eine gute Lösung, das Museum bräuchte diese aus seiner Sicht aber für eigene Zwecke. "Wir sind in Gesprächen." Plank fügt hinzu: "Für die Händler könnte dies bedeuten, dass sie sich besser auch anderweitig umsehen."

Wenn das nur die einzige Sorge der Händler wäre: Die Stadt habe anklingen lassen, so erzählen sie der tz, dass die Mieten nach der Sanierung bis zu drei Mal so hoch sein könnten. Das wäre vielleicht der endgültige Todesstoß …

Stichwort: Ruffinihaus

Der malerische Block am Rindermarkt besteht aus drei Häusern und wurde 1903 bis 1905 von Gabriel von Seidl errichtet. Der Haus ist nach dem 1808 abgetragenen Ruffiniturm benannt, einem Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Der Name wiederum stammt von Kaufmann Johann Baptista Ruffini, der 1708 das damalige Haus erworben hatte. Oben im Gebäude sind heute das Tourismusamt und Teile des Personal- und Organisationsreferats der Stadt untergebracht, unten unter anderem traditionsreiche Münchner Geschäfte, die bislang eine vergleichsweise günstige Miete zahlen mussten.

Das sagen die Ladeninhaber

Eugen Hillenbrand in seinem Buchladen.

Über 80 Jahre gibt's den Herrenausstatter Hillenbrand schon. DerChef Rudolf Kapfhammer (50) klammert all seine Hoffnungen, dass es weitergeht, an die Stadt. "Die sind schon bemüht, aber ich habe Bedenken, ob das mit der Zwischenlösung klappt. Ich verstehe nicht, warum das Stadtmuseum nicht zustimmt." Andere Möglichkeiten sieht er nicht: "Für 15 Monate nimmt uns doch keiner als Mieter."

Um ihre eigene Zukunft geht es Marion Schmöller (66) vom Spanischen Fruchthaus (seit 1947) nicht. "Aber meine Tochter würde gerne weitermachen. Wenn die Miete nach dem Umbau tatsächlich drei Mal so hoch sein sollte, ist das für uns aber nicht mehr machbar." Sie hofft, dass die Stadt doch noch einen niedrigeren Mietpreis anbietet. "Sonst geht bald wieder ein Traditionsgeschäft in München kaputt."

Als leidenschaftlicher Literaturliebhaber kämpft Eugen Hillenbrand (77) für seinen Laden. "Antiquariate fehlen in der Innenstadt. Die Münchner wollen solche Läden, das weiß ich." Deswegen sei es wichtig, dass ein junger Nachfolger das Geschäft weiter betreibe. Ohne die Hilfe der Stadt ginge das nicht. "Aber die sieht die Menschen vor lauter Vorschriften nicht."

Nina Bautz

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