Und plötzlich: Fühling

Schaukel-Winter in München: So geht es weiter

Wetter, München
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Dann Frühlingsgefühle am gestrigen Dienstag mitten in München.

München - Der Winter in München gleicht in diesem Jahr einer Achterbahn. Die Talsohle ist aber offenbar nun durchschritten. Wir haben drei Experten gefragt.

Ein warmer Dezember, dann plötzlich zweistellige Minusgrade – am Samstag Blitzeis. Und gestern Nachmittag auf einmal wieder 15 Grad in der Münchner Innenstadt. Langweilig wird einem bei unserem Schaukel-Winter so schnell nicht. Ist das schon die Auswirkung des Klimawandels, mit deutlich wärmerem Wetter?

Fakt ist: Die weltweite Durchschnittstemperatur hat im vergangenen Jahr erstmals etwa ein Grad über dem vorindustriellen Wert gelegen. Das berichtete die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf. „Es ist ein ernüchternder Moment in der Geschichte des Planeten“, sagte dabei WMO-Generalsekretär Petteri Taalas.

Tiefster Winter am 21. Januar auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald.

Beim Klimagipfel in Paris hatten sich die Staaten im Dezember geeinigt, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Nur mit einem deutlich verminderten Ausstoß an Treibhausgasen sei dieses Ziel überhaupt noch zu erreichen, warnte Taalas. Zwischen 2011 und 2015 sei es so warm wie in keiner Fünfjahresphase zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, hieß es weiter.

Vergangene Woche hatte die US-Klima­behörde NOAA berichtet, das Jahr 2015 sei das weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gewesen. Die Durchschnittstemperatur über Land- und Ozeanflächen lag um 0,9 Grad Celsius über dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts. Damit sei das Jahr 2014, der Rekordhalter, um 0,16 Grad Celsius übertroffen worden. Zehn Monate knackten ihre Temperaturrekorde. In Deutschland war 2015 das zweitwärmste Jahr nach 2014.

So wie das Jahr beginnt, dürfte heuer der Rekord aber wohl wieder wackeln …

So geht es weiter: Das sagen die Wetter-Experten

Dominik Jung, Meteorologe von wetter.net: Der Blitzwinter hat erst mal fertig. Damit kann man festhalten: Nach dem wärmsten Dezember aller Zeiten fällt auch der Januar wärmer aus als im langjährigen Mittel. Auch für den Februar sind die Trends alles andere als winterfreundlich: Er könnte deutschlandweit bis zu drei Grad wärmer als im Durchschnitt ausfallen. Warten wir’s ab.

Sepp Haslinger, Wetterkerzen-Orakel: Der Winter ist noch nicht vorbei. Da kimmt schon noch was! Die Blüter der Königskerze hat das eindeutig angezeigt. Zum Schluss naus wird es schon noch was mit dem Schnee, das kann durchaus auch noch nach Ostern sein. Der ganze Schnee ist ja jetzt nicht zu uns gekommen, sondern nach Amerika. Das hat die Kerze schon richtig vorhergesagt.

Volker Wünsche, Deutscher Wetterdienst: Erst einmal bleibt es jetzt sehr mild mit sieben bis zwölf Grad. Es gab schon viele Winter wie diesen, zum Beispiel in den 70er- und in den 90er-Jahren. Das ist nichts Ungewöhnliches, und es wird sicher immer mal richtige Winter geben. Uns stehen ja noch der Februar und März bevor. Generell muss man aber sagen, dass die globale Erwärmung im Gange ist.

Mediterranes Klima in der Zukunft?

Frühling im Winter in München

Leben wir bald in einem mediterranen Klima, mit Olivenbäumen und Palmen im Garten? So weit ist es noch nicht. Doch Sonne und Temperaturen haben nach Beobachtungen von Professor Dr. Bernd Hertle von den Weihenstephaner Gärten bereits einige Pflanzen aus dem Boden gelockt oder blühen lassen. „Zaubernüsse, Schneeglöckchen, Krokusse, Duftschneeball.“ Einige seien deutlich zu früh dran, „bis zu drei Wochen“, denkt Professor Hertle. Ist das nun der Klimawandel? Hertle sieht die Entwicklung „sehr gelassen, wir werden auch wieder kalte Winter bekommen“.

Laut des Klimareports 2015, der vom Bayerischen Umweltministerium vorgestellt worden ist, könnte die Temperatur bis 2050 um zwei Grad im Schnitt steigen. Das hat weitreichende Folgen für die Pflanzen.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat Daten von 1961 bis 2010 ausgewertet und herausgefunden, dass sich in diesem Zeitraum Verschiebungen in der jahreszeitlichen Entwicklung der Pflanzen ergeben haben. Die Vegetationsperiode von Frühling bis Herbst verlängerte sich dabei um 26 Tage. Doch für eine gute Blütenbildung brauchen etwa Frühjahrsblüher eine angemessene Kühlperiode im Winter. Diese könnte laut Report oft nicht mehr ausreichen.

In den letzten 5000 Jahren erwärmte sich die Erde um fünf Grad, nun gibt es Modelle, nach denen die Temperatur um bis 2100 um vier Grad steigen könnte. So könnte es sein, dass bei uns Bäume überleben könnten, die man eher im Mittelmeerraum lokalisiert. Wie Olivenbäume, die längere Perioden mit starkem Frost kaum überstehen.

mc

Markus Christandl

Markus Christandl

E-Mail:markus.christandl@tz.de

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