"Unsere Nacktheit hat eine Botschaft"

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Ein Foto aus Brasilien. Dort marschierten einige Frauen oben ohne

München - Münchens erster "Schlampenmarsch" steht bevor. Eine der Organisatorinnen erklärt, wieso am Samstag Hunderte leicht bekleidet auf die Straße gehen - und was sie mit Voyeuren machen werden.

Einen solchen Marsch hat München noch nie gesehen. Hunderte Frauen und Männer werden sich am Samstag zum sogenannten "Schlampenmarsch" treffen. Die Bewegung kommt aus Kanada. Der erste "Slutwalk" in Toronto war eine Reaktion auf die Äußerung eines Polizisten: "Frauen sollten sich nicht wie 'Schlampen' anziehen, wenn sie nicht Opfer sexueller Gewalt werden wollen", sagte der kanadische Ordnungshüter bei einem Uni-Vortrag. Damit trat er neben einem Sturm der Entrüstung auch die Slutwalk-Bewegung los, die rund um den Erdball schwappte und jetzt in Deutschland angekommen ist. Für Samstag sind in 13 Städten Schlampenmärsche geplant.

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Mit etwa 350 Teilnehmern in München rechnet Judith Völkel. Die 22-Jährige ist Mitglied des Organisationsteams, das sich im Juni zusammenfand. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Goetheplatz, dann wird sich der Zug über die Goethestraße, Landwehrstraße und Sonnenstraße zum Sendlinger Tor und weiter zum Marienplatz bewegen. Dort soll zwischen 17 Uhr und 18 Uhr die Abschlusskundgebung stattfinden. Um 20 Uhr gibt es ein Konzert von Queen Baba im KUBU, Glockenbach 14.

"Vermutlich mehr Frauen als Männer" erwartet Völkel. Es seien beide Geschlechter ausdrücklich willkommen. "Vergewaltigung ist kein reines Frauenthema. Wir wollen das Vorurteil aufbrechen." Die Teilnehmer setzen auf Provokation: Bei den weltweiten Schlampenmärschen kleiden sich viele Frauen absichtlich dem Schlampenklischee gemäß. In knappen Röcken oder engen Tops wollen sie Aufmerksamkeit schaffen. Bei manchem Schlampenmarsch im Ausland waren sogar Aktivistinnen oben ohne zu sehen (siehe Fotostrecke oben).

Die spektakulärsten Nackt-Demos

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Die Nacktheit hat den Schlampenmärschen breitere Aufmerksamkeit beschert - und das Anliegen der Aktivisten ins öffentliche Bewusstsein gerufen. Deshalb sieht Völkel Freizügigkeit und Nacktheit als ein Mittel zum Zweck. "Es funktoniert nicht allein über Nacktheit. Nacktheit könnte es auch ohne Nachricht geben. Wir nutzen Nacktheit oder freizügiges Auftreten, um unsere Botschaft zu transportieren." Frauen sollen sich sexy kleiden dürfen, ohne im Falle eines sexuellen Übergriffs eine Mitschuld zugeteilt zu bekommen.

Völkel selbst will einen kurzen Rock und Highheels anziehen. Die 22-Jährige weiß um das Spiel mit den Reizen bei den Schlampenmärschen. "Man darf das durchaus sexy finden", so die Mitorganisatorin. "Es geht auch darum, den Teilnehmern das Recht über ihre eigene Sexualität zu geben. Jeder darf seine eigenen Grenzen ziehen, darf sein eigenes Nein setzen, und das muss akzeptiert werden."

Hunderte leicht bekleidete Frauen und Männer mitten in München - das könnte auch Voyeure anlocken. "Die Angst ist natürlich da", räumt Völkel ein. Es habe auch Vorteile, wen solche Menschen kämen. "Dann können wir ihnen an der Strecke Informationsmaterial geben, und sie sind für uns greifbar."

al.

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