Schubser endet tödlich

Münchner Sänger stirbt nach Attacke

Opfer einer sinnlosen Attacke: Manuel Rother stirbt wenige Wochen nach einer Schubserei mit einem jungen Mann.
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Opfer einer sinnlosen Attacke: Manuel Rother stirbt wenige Wochen nach einer Schubserei mit einem jungen Mann.

München - Manuel Rother wollte mit seinen Freunden einen Junggesellenabschied feiern. Doch bei einer Schubserei wird der Münchner Sänger schwer verletzt. Trotz Operation stirbt er.

Er war einer, der sinnlosen Streitereien grundsätzlich aus dem Wege ging. Der jede Form von Gewalt verachtete und Konflikte lieber mit Argumenten löste. Dass ausgerechn et ihn eine sinnlose Schubserei das Leben kosten würde, lässt seine Angehörigen und Freunde fassungslos zurück. Warum er? Warum geriet ausgerechnet Manuel an diesen dumpfen Schläger? Fragen, auf die die Polizei gerade Antworten sucht.

Der Musiker Manuel Rother (36)- Sänger und Gitarrist der Münchner Indie-Band "Boy Android" - ist tot. Am Morgen des 19. Dezember wurde er tief bewusstlos vor der Temple Bar in der Kultfabrik gefunden. Sanitäter und Ärzte hielten ihn zunächst für einen der üblichen Betrunkenen. Erst abends merkten sie, dass Manuel in Wahrheit schwerst verletzt war.

Mittlerweile konnte die Polizei mit Hilfe von Augenzeugen weitgehend rekonstruieren, was dort am frühen Morgen des 19. Dezember wirklich geschehen war. Manuel hatte mit seinen Freunden und Bandmitgliedern in jener Nacht einen feuchtfröhlichen Junggesellenabschied gefeiert. Irgendwann verlor er den Anschluss.

Schubserei mit zunächst unbekanntem Mann

Um 4 Uhr früh landete er sichtlich betrunken vor der Temple Bar. Der Türsteher ließ ihn nicht hinein. Vor dem Club kam es zu einem verbalen Disput mit einem zunächst unbekannten jungen Mann, der sich offenbar ungefragt eingemischt hatte. Für die Schubserei selbst gibt es keine Zeugen. Der Mann - wie sich später herausstellte ein 25-Jähriger Mechaniker aus Neukeferloh - war zunächst verschwunden. 

Um 4 Uhr wurde Manuel gefunden. Mit einer Beule am Hinterkopf lag er vor der Bar und war nicht mehr ansprechbar. Die Rettungsassistenten hielten ihn für eines der üblichen Opfer, die zu tief ins Glas geschaut hatten - und fuhren ihn in eine städtische Klinik. Dort wurde Manuel zur Ausnüchterung aufgenommen.

Erst nach 14 Stunden reagieren Ärzte

Erst 14 (!) Stunden später merkten die Ärzte, dass dieser Patient nicht aufwachte. Manuel wurde um 18 Uhr ins Klinikum Bogenhausen verlegt. Dort sahen die Ärzte sofort, dass er unter einer lebensgefährlichen Hirnschwellung litt. Eine sofortige Operation konnte Manuel nicht mehr retten. Er starb am 2. Januar.

Die Band "Boy Android".

Die Trauer ist unendlich. "Ich kannte Manuel, seit ich 15 Jahre alt war. Natürlich haben wir manchmal gefeiert. Niemals hat Manuel sich je provozieren lassen. Er war Sportler, absolut friedlich und fair", sagte sein Freund und Band-Kollege Hagen Fiedler zur tz. Die Indie-Band "Boy Android" hat in München einen Namen, trat beim MusikSommer im Theatron im Olympiapark, oft in diversen Clubs und auch bei Festivals in ganz Deutschland auf.

Alle liebevolle Fürsorge gilt nun Manuel Rothers Lebensgefährtin. Mit ihr war er erst kürzlich in eine neue Wohnung gezogen.

So hat die Polizei den Täter gefasst

Erst am Tag nach Manuel Rothers Einlieferung in die Klinik und der schweren Operation verständigten die Ärzte die Polizei. Die Beamten des Kommissariates 26 nahmen sofort wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung die Ermittlungen auf.

Nach aufwändigen Recherchen in den umliegenden Clubs stießen die Beamten schließlich auf Zeugen, die sich daran erinnern konnten, dass der betrunkene Manuel Rother kurz vor 4 Uhr vor der Temple Bar von einem namentlich bekannten Mann verbal angepöbelt wurde. Jemand ging sogar noch dazwischen. Damit schien der Streit beigelegt. Die Schubserei selbst hat offenbar niemand gesehen.

Der Tatverdächtige ist ein Mechaniker (25) aus Neukeferloh (Landkreis München). Nach Manuel Rothers Tod am 2. Januar wurde der Fall an die Mordkommission abgegeben, die nun wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.

Tatverdächtiger sagt unter Tränen aus

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München I erließ der Ermittlungsrichter einen Haftbefehl gegen den Mechaniker. Er wurde am 5. Januar von Beamten der Mordkommission daheim in Neukeferloh verhaftet. Seine Wohnung wurde durchsucht.

Bei der Vernehmung räumte er sofort ein, dass er den betrunkenen Manuel geschubst hatte. "Ich wollte ihn nicht verletzen. Er ist einfach rückwärts umgefallen und liegengeblieben", sagte der 25-Jährige unter Tränen aus. Jetzt sitzt er in U-Haft.

Die Schilderung deckt sich offenbar mit dem Verletzungsbild. Manuel Rother schlug mit dem Hinterkopf völlig ungebremst auf den Boden auf. Außer der Beule am Kopf hatte er keine sichtbaren Verletzungen erlitten.

Dorita Plange

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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