Vor Bayernkaserne

Aufstand der Armen: Obdachlose fordern Unterbringung

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Wenn es jetzt wärmer wird, zieht Gabriel vom Obdachlosenheim wieder in seine selbst gezimmerte Hütte aus Holzlatten und Plastikplanen am Giesinger Berg.

München - Sie fordern das Notwendigste: „Wir wollen wohnen“ hallen die Protestrufe vor der Bayernkaserne. Dort haben am Donnerstag Obdachlose ihrem Unmut Luft gemacht.

Denn nachdem die Kälteschutzeinrichtung zum 1. April schließen wird, verlieren über 400 Menschen ihre Schlafmöglichkeiten! Die Stadt hatte das Kälteschutzprogramm eingerichtet. Vom 1. November bis zum 31. März werden 1000 Plätze bereitgestellt für Menschen, die keinen Anspruch auf Sozialleistungen und ein Quartier haben. Seit Wochen kämpft die Initiative „Wir wollen wohnen“ darum, dass auch Obdachlose in Notunterkünften der Stadt untergebracht werden. Denn die Not wird größer: Seit 2008 hat sich die Zahl auf 5400 Wohnungslose verdoppelt. Bis zu 650 von ihnen verbringen die Nacht im Freien!

Das Kälteschutzprogramm bietet 1000 Plätze für den Winter. Es ist das größte in Deutschland. Aber es endet heute! „Für Familien kümmern wir uns um eine geeignete Unterkunft“, sagt ein Sprecher des Sozialreferates. 80 Prozent der Obdachlosen sind aber alleinstehende Männer. Und die werden ihrem Schicksal überlassen. Die tz hat mit drei von ihnen gesprochen.

Er schläft im Gestrüpp

Wenn es jetzt wärmer wird, zieht Gabriel vom Obdachlosenheim wieder in seine selbst gezimmerte Hütte aus Holzlatten und Plastikplanen am Giesinger Berg. Darin sind zwei Betten, der Boden ist ausgelegt mit Teppich. Neben dem Verschlag hat der Rumäne eine Küche aufgebaut mit Grill und Gaskocher. Schon das vierte Jahr lebt Gabriel den Sommer über im Gestrüpp. Für seinen Lebensunterhalt muss er Flaschen sammeln. Mal gibt es 20 Euro am Tag, mal aber nur zehn.

Es geht schlecht

Aranas Stefanov (58) ist auf medizinische Hilfe angewiesen, er ist Diabetiker. Er hat einen Antrag beim Jobcenter gestellt, will arbeiten. Er wartet auf eine Antwort, schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. „Ich schlafe auf der Straße, unter der Brücke oder auf der Wiese. Mir geht es gesundheitlich sehr schlecht."

Weiß nicht weiter

Einen Tag darf Iban Jordanov (50) noch in der Unterkunft bleiben. Der Bulgare ist im Dezember nach München gekommen. Seine Arbeit als Handwerker bei einer Möbelfirma in seiner Heimat hat er verloren. Er will nun einen Antrag stellen, um Hilfe bitten. Klappt das nicht, dann „weiß ich auch nicht mehr weiter“.

Giuliana Barrios

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