Lage läuft aus dem Ruder

Bayernkaserne: "Es wird Mord und Totschlag geben"

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Die Polizei stürmt zum Brennpunkt an der Bayernkaserne: Die Lage geriet in der Nacht zum Freitag außer Kontrolle.
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Die Polizei stürmt zum Brennpunkt an der Bayernkaserne: Die Lage geriet in der Nacht zum Freitag außer Kontrolle.
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Die Polizei stürmt zum Brennpunkt an der Bayernkaserne: Die Lage geriet in der Nacht zum Freitag außer Kontrolle.
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Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen in der Klinik, mussen schon nach wenigen Tagen zurück in die Massenlager hunderten Leuten.
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Geschockter Helfer: Hicham Sarraj.
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Raud und Marwa aus Syrien: „Unser zwei Monate altes Baby hat einen offenen Bauchnabel. Wir sind in einem Raum mit 100 Leuten untergebracht. Wir wollen nur essen und trinken und ein paar Decken, um nicht zu frieren!“
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„Ich schlafe seit zwei Tagen so auf dem Boden. Es gibt kein Bett für mich“, sagt lmohammed Taher. „Warum hält man uns hier fest? Warum lasst ihr uns nicht ausreisen? Wenn ich gewusst hätte, wie es hier in Deutschland ist, wäre ich in Syrien geblieben.“
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Sie trägt ihren Arm in einem frischen, weißen, recht professionellen Verband: Die 17-jährige Riham Idris gibt an, dass ein Wachmann sie mit dem Schlagstock geschlagen habe. Sie hatte ihren Cousin aus einer Rangelei mit der Security retten wollen. Danach habe sie ins Rotkreuzklinikum gemusst. Ihre Mutter will Anzeige erstatten.

München - In der Bayernkaserne sind in den letzten Tagen Hunderte Flüchtlinge aus dem Nahen Osten angekommen. Am Donnerstag haben 150 von ihnen die Heidemannstraße blockiert.

Ausnahmezustand in der Bayernkaserne

Sie sind geflohen vor Mord und Vertreibung, viele haben die Todesschiffe auf dem Mittelmeer überlebt – und manche mussten mitansehen, wie die Frau mit dem Nachbarboot kentert. Sie stammen aus Syrien – manche aus Aleppo, wie ihre Dokumente beweisen, diese große, sterbende Stadt. Jetzt schlafen sie in unserer großen, wachsenden Stadt unter freiem Himmel auf dem Boden.

In der Bayernkaserne sind in den letzten Tagen Hunderte Flüchtlinge aus dem Nahen Osten angekommen. Am Donnerstag haben 150 von ihnen die Heidemannstraße blockiert: Holt uns hier raus!

Sie berichten von untragbaren, von unverantwortlichen Zuständen in der Unterkunft. Von Schlägereien mit den Wachleute. Von Auseinandersetzungen unter den Bewohnern. Und sie erzählen diese Horror-Geschichten alle Hicham Sarraj (64). Der Syrer lebt seit 48 Jahren in München und übersetzt für die Flüchtlinge – ehrenamtlich, ohne Bezahlung. Wo immer er an der Bayernkaserne auftaucht, versammeln sich sofort 40, 50 aufgebrachte Menschen um ihn. Hicham Sarraj sagt: „Es wird hier Mord und Totschlag geben.“

Die Flüchtlinge halten es einfach nicht mehr aus. Sie reden sich schnell in Rage, ein Wort ergibt das andere, es wird laut. Der Übersetzer Sarraj will helfen, aber wenn die Not der Alten, Kranken und Eltern kleiner Babys auf ihn einprasselt, verliert auch er den Überblick.

Dutzende Flüchtlinge hätten vor den alten Wagenhallen der Kaserne übernachten müssen, darunter auch eine im vierten Monat schwangere Frau, die jetzt krank geworden sei. In den Hallen mit ihren Hunderten Betten beschreiben es die Flüchtlinge kaum besser: Die Familien haben keine Rückzugmöglichkeit, keine Ruhe, die Kinder werden schnell krank. Die Mütter halten Sarraj ihre wenige Tage alten Neugeborenen mit erkennbaren Augenentzündungen hin. Damit darf ein Kind sonst nicht einmal in die Kita. Andere Kinder husten unentwegt. Die Eltern beschweren sich bei Sarraj, dass die Kleinen kaum untersucht würden.

Flüchtlinge: Blockade vor Bayern-Kaserne

Immer wieder gibt es unter den Bewohnern Ärger – die Gewohnheiten der Flüchtlinge aus Afrika prallen mit denen der Muslime aus Syrien aufeinander. Männer seien einfach in die Duschen der Frauen spaziert, die sich sonst nur mit Kopftuch zeigen. In den Bettenlagern hätten Paare Sex vor den Augen der anderen Flüchtlinge, auch der Kinder. Trennwände würden nicht zugelassen.

Die Lage droht zu eskalieren, am Donnerstag gab es den Funken. Etliche Syrer beklagen sich über Auseinandersetzungen mit den Wachleuten: Die 17-jährige Riham Idris sagt, sie sei mit dem Schlagstock geschlagen worden (siehe Fotostrecke oben). Die 63-jährige Siham Dahlan klagt an, dass ein Wachmann sie und ihre Tochter Nema (39) umgestoßen habe und sie darauf ohnmächtig geworden sei. Sie hatten ihren Schwiegersohn Mamdu (44) aus einer Rangelei befreien wollen.

Wenn der Übersetzer Sarraj vor Mord und Totschlag warnt, dann meint er das wortwörtlich. Er hat Angst davor. „Die Menschen müssen besser untergebracht werden“, sagt er – am besten nach ihrer Herkunft. Und nach allem, was die Flüchtlinge erlebt haben, brauchten sie vor allem eines: „Die Leute müssen ruhig schlafen können.“

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