Jutta Speidels Hilfsprojekt

Verein "Horizont": Eine neue Heimat für Familien in Not

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Überglücklich: Jutta Speidel legte am Freitag den Grundstock für ihr neues Herzens-Projekt in Freimann.

München - Mehr Platz und neues Konzept: Schauspielerin Jutta Speidel legt Grundstein für zweites Haus ihres Vereins Horizont.

„Ich kann’s noch gar nicht fassen, dass wir jetzt wirklich hier stehen!“ Jutta Speidel blickt gerührt über die riesige Baugrube. Hier im Neubaugebiet am künftigen DomagkPark in Freimann, dem Gelände der ehemaligen Funkkaserne, hat die Schauspielerin (62) am Freitag feierlich den symbolischen Grundstein für ihr neues, gewaltiges Herzensprojekt vergraben: das zweite Haus ihrer Stiftung Horizont, das zig sozial schwachen Kindern, Müttern, ja ganzen Familien eine Heimat bieten wird. Mit einem völlig neuen Konzept.

19 Jahre ist es her, dass Jutta Speidel ihren Verein Horizont gründete. Ziel: obdachlosen Kindern und ihren Müttern zu helfen. In dem eigenen Horizont-Haus wurden seit 2004 schon über 1700 Menschen betreut. Lange schon war der Schauspielerin klar: Wir möchten mehr, auch längerfristig helfen. Nun endlich ist Baubeginn für das zweite Haus, ein Fünf-Millionenprojekt, für das noch Geld gesammelt wird.

Auf 5000 Quadratmetern entstehen 48 Wohnungen für Familien in Not, die geflüchtet sind, häusliche Gewalt erlebt haben oder von Armut bedroht sind. Neu ist eine besondere Form der Vernetzung, wie Stiftungsvorsitzende Dorothea Heirler-Mariacher erläutert. So können die Bewohner auch Einrichtungen in der Nachbarschaft nutzen. Geplant ist ein Kindergarten, eine Krippe, ein Schulgarten, Kinder- und Jugend-Werkstätten, ein Nachbarschaftscafé und eine Kulturbühne, mit Platz für Theater und Musik.

Sozialreferntin Dorothee Schiwy, die das Projekt unterstützt, lobte diese neue Idee: „Wir stehen vor der Herausforderung, eine immer größere Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden. Wie soll man benachteiligte Menschen in der Mitte der Gesellschaft halten? Das wäre ohne private Initiativen wie diese nicht zu schaffen.“ Gerade in der Umgebung des neuen Horizont-Hauses entstünden sowohl neue hochpreisige, als auch Sozialwohnungen. Mit Jutta Speidels Konzept könne eine „Brücke in der Nachbarschaft“, eine „Verbindung verschiedenster gesellschaftlicher Schichten“ geschaffen werden, so Schiwy.

Im Sommer 2018 ist die Eröffnung des Hauses geplant – einige Familien warten schon sehnsüchtig. Wie die Auers (Name geändert), die Horizont-Sozialpädagogin Carina Twardon (36) als Beispiel nennt: „Sie hat mehrere schlimme Schicksalsschläge hinter sich.“ Vater Stefan Auer (38) wurde vor zwei Jahren schwer krank, konnte nicht mehr arbeiten. Mutter Barbara (37) gab ihren Job in der Gastronomie auf, um ihn zu pflegen. Die Schuldenspirale schlug zu, die Familie drohte obdachlos zu werden. Zumindest Barbara und Tochter Elisa (8) kamen im ersten Horizont-Haus unter. Aber dort dürfen Männer nicht wohnen, zu viele der Bewohnerinnen sind hochtraumatisiert. Pädagogin Twardon: „Besonders für die achtjährige Tochter ist es schwer, von ihrem Papa getrennt zu leben.“ Im neuen Haus kann die ganze Familie gemeinsam leben. Ein Beispiel von vielen, für das Jutta Speidel weiterkämpfen wird.

Andrea Stinglwagner

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