Schwager schlug Alarm

Aus Sorge: Polizei öffnet Gurlitts Wohnung

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Die Polizei rückte bei Cornelius Gurlitts Wohnung im fünften Stock des Schwabinger Hauses an (links). Die Tür zu Cornelius Gurlitts Wohnung (rechts).

München - Mehrere Polizeibeamte haben am Donnerstag die Wohnung des Kunsthorters Cornelius Gurlitt geöffnet. Der Grund: Sein Schwager war in großer Sorge um den 81-Jährigen.

Nein, diesmal öffnet nicht der Zoll die Schwabinger Wohnung des Kunsthorters Cornelius Gurlitt (81). Dieses Mal waren es zwei Streifenwagen der Polizei, die Feuerwehr und ein Krankenwagen, die am Donnerstagmittag aufkreuzten. Sie wollten in die Wohnung zu dem Mann, der jahrzehntelang auf einem unfassbar kostbaren und umfangreichen Kunstschatz von über 1400 Werken saß (tz berichtete). Warum? Ein neuer Kunstschatz? Der Verbleib des Bernsteinzimmers? Ein Notfall?

Nein. Sein Schwager aus Kornwestheim (Schwaben) – der Einzige aus der Familie, zu dem Cornelius Gurlitt Kontakt pflegt – war einfach in Sorge. Denn der schwer herzkranke Gurlitt hatte wohl unentschuldigt einen Arzttermin in Stuttgart sausen lassen. War der Verwandte vor oder nach dem Termin mit Gurlitt verabredet? Gut möglich, schließlich trennen Kornwestheim und Stuttgart nur ein paar Kilometer.

Der Besorgte rief also die Polizei, als das Lebenszeichen seines berühmten Schwagers ausblieb – der am liebsten so unauffällig und still wie möglich leben will. Gegenüber der tz  bestätigt er den Anruf, gibt sich ansonsten allerdings ähnlich schweigsam wie Gurlitt gegenüber der Staatsanwaltschaft und den Medien: „Ja, ich war besorgt, aber das ist ja nicht so wichtig. Und Sie wissen ja auch, dass es ihm gut geht.“

So ist es: Denn der seit einigen Wochen wohl berühmteste Münchner Kunstsammler der Welt war fit, wenn auch müde. Doch der Reihe nach: Um 13.21 Uhr begann die Polizei gestern ihren Einsatz im „Fall Gurlitt“, um 14.50 Uhr öffnete die Feuerwehr die Wohnungstür im fünften Stock des Wohnkomplexes, nachdem niemand auf Klingeln und Klopfen reagierte. Gurlitt lag in seinem Bett – neben ihm Schlaftabletten, doch zum Glück ohne Überdosis. Und er hatte Stöpsel in seinen Ohren. Man kann sich vorstellen, wie diese „Nachtwache“ am lichten Tag den so kultivierten Menschen erschreckt haben muss. Die Polizei meldet: „Der Wohnungsinhaber wurde wohlauf vorgefunden.“ Und so sind die Einsatzkräfte um 15.13 Uhr wieder abgezogen.

JAM, WE, M.B.

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