Neue Aktion

Reptilien-Auffangstation: Adoptieren statt kaufen

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Bartagame Jack mit Susanne Gottschlich und Patrick Boncourt: Jack wurde im Mai auf einem Spielplatz in München gefunden. „In solchen Fällen versuchen wir zuerst, den Besitzer zu finden“ erklärt Patrick Boncourt, Sprecher der Reptilienauffangstation. „Rund die Hälfte der Tiere wird dann auch von ihren Besitzern abgeholt.“ Bei Jack war das anders. Außerdem stellten Tierärzte Anzeichen schlechter Haltung bei der Agame fest. Nun kümmert sich Susanne Gottschlich Lebendtiermanagerin bei Fressnapf um Jack, bis er ein neues Zuhause findet. Damit er dort auch glücklich wird, braucht Jack ein großes Terrarium, mit Kletterbäumen und Höhlen, und: Beheizt muss es sein. Denn die eigentlich aus Australien stammenden Tiere brauchen Wärme, um sich wohlzufühlen.

München - Eine zweite Chance auf ein Zuhause will das Tierfutterunternehmen Fressnapf Reptilien in München geben. In Kooperation mit der Reptilienauffangstation ziehen ausgewählte Tiere in eine Filiale der Kette.

Gerade im Sommer wird es oft eng in der Reptilienauffangstation. Mit den großen Ferien vor der Tür verlieren viele ehemals begeisterte Tierhalter das Interesse an ihren früheren Lieblingen. Doch auch zu anderen Zeiten müssen die Tierretter der Station regelmäßig eingreifen. So fischten sie Ende Juli dutzende Schmuckschildkröten aus dem Mollsee im Westpark, und erst vor wenigen Wochen nahmen sie eine Anakonda in Obhut, die Badegäste aus einem See bei Rosenheim gezogen hatten.

Auffangstation kommt oft an die Grenzen

Rund 1200 Tiere nimmt die Station jährlich auf und gerät so auch mal an ihre Grenzen. „Wir müssen immer mal wieder Anfragen ablehnen, weil wir die Kapazitäten nicht haben“, erklärt Patrick Boncourt, Sprecher der Station.

Eine Kooperation mit der Tierhandelskette Fressnapf soll die Reptilienretter künftig zumindest ein wenig entlasten. In einer sogenannten Adoptierstube in der Fressnapf-Filiale im Euroindustriepark, Lotte-Branz-Straße 14, präsentiert die Station einige Schützlinge der Reptilienauffangstation. Bei der Stube handelt es sich um eine kleine Grotte mit mehreren Terrarien, in denen Schildkröten, Agamen und Schlangen auf ein neues Zuhause warten.

Das Geschäft verkauft selbst keine Reptilien mehr

Seit Kurzem verzichtet das Geschäft auf den Verkauf von eigenen Reptilien und stellt die so frei gewordenen Anlagen der Reptilienauffangstation zur Verfügung. Zurück geht die Idee auf eine Mitarbeiterin des Marktes, die ehrenamtlich bei den Tierrettern tätig ist. „Es macht eigentlich keinen Sinn, Nachzuchten zu verkaufen, wo so viele Tiere in der Auffangstation warten“, findet auch Dr. Olaf Türck, tierärztlicher Leiter bei Fressnapf. Mit zwei Adoptierstuben für Kleintiere in Marburg und Recklinghausen habe es ausschließlich gute Erfahrungen gegeben. Nun hoffe man, das Konzept erfolgreich auf Reptilien zu übertragen.

Die Adoptierstube soll lediglich dem Erstkontakt mit den Tieren dienen, die letztendliche Vermittlung bleibt in den Händen der Auffangstation. Potentielle Halter müssen einige Auflagen erfüllen, um eines der Tiere mit nach Hause nehmen zu können. „Wir vermitteln nicht auf Teufel komm raus“, erklärt Boncourt.

Sie suchen ein Zuhause:

Kornnattern Billy, Joey und Averell

Kornnattern Billy, Joey und Averell: Rund 70 Kornnatern befinden sich momentan in der Reptilienauffangstation. Das Trio vertritt sie in der Adoptierstube. Kornnattern gelten als geeignete Tiere für Reptilieneinsteiger, sie sind nicht giftig und vergleichsweise leicht zu handhaben. Gerade deshalb werden die Schlangen oftmals zu leichtfertig angeschafft. Der Verantwortung, die mit bis zu 32 Lebensjahren der Schlangen einhergeht, sind viele Besitzer nicht gewachsen.

Moschusschildkröte Dobby 

Moschusschildkröte Dobby: Schildkröte Dobby holten die Mitarbeiter der Reptilienauffangstation aus einem missglückten Zoohandlungsprojekt. Ein Pärchen hatte sich mit dem Reptilienhandel selbstständig gemacht, war aber schnell mit den Tieren überfordert und vernachlässigte sie. Ausgewachsen wird Dobby rund 15 Zentimeter messen. Er braucht ein mindestens einen Quadratmeter großes Aquarium mit Versteck- und Klettermöglichkeiten.

Annika Schall

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