Parfüm-Gauner in der Leopoldstraße

Marcel (24) sperrte einen Dieb in die Tonne

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So saß Marcel Weiß auf der Papiertonne (l.).

München - Mit sechs geklauten Packungen Parfüm will sich ein 42-Jähriger erstmal unsichtbar machen - und klettert in eine Mülltonne. Doch jemand macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Dieser Diebstahl war im wahrsten Sinne des Wortes für die Tonne! Vergangenen Freitag machte sich ein 42-Jähriger in einer Parfümerie in der Leopoldstraße den Rucksack voll. Als er unbemerkt verschwinden wollte, hatte Gastronom Marcel Weiß (24) bereits die Verfolgung aufgenommen. Im Hinterhof eines Wirtshauses war Endstation. Der Gauner saß in einer Papiertonne – und damit in der Falle.

„Ich wusste nicht, was ich sonst hätte machen sollen“, sagt Marcel Weiß zwei Tage danach zur tz. Ganze zehn Minuten hockte sich der Betreiber eines veganen Imbiss auf die blaue Tonne und hielt den Parfüm-Dieb darin gefangen, bis die Polizei anrückte. Und das war passiert:

Der 24-Jährige telefoniert gerade in seinem Laden an der Leopoldstraße, als ihm ein offensichtlich verwirrter Mann über den Weg läuft und schließlich in der benachbarten City Parfümerie verschwindet. Weiß schaltet sofort. „Ich fragte mich, was der in so einem Laden will und bin ihm hinterher.“ Sein Bauchgefühl täuscht ihn nicht. Gleich am ersten Regal findet er den Mann, als der sich gerade den Rucksack mit Parfüms vollstopft. „Ich habe die Damen noch auf den Typen aufmerksam gemacht. Da wollte er sich schon aus dem Staub machen“, erzählt Weiß. Der Dieb stottert nur: „Das ist alles abgesprochen.“ Er müsse nur etwas abholen. Doch Weiß lässt sich nicht täuschen.

Vorher hatte er einen Mann in der City Parfümerie beobachtet, wie er mehrere Flakons in seinen Rucksack stopfte. Der 24-Jährige hat einen veganen Imbiss nebenan.

Der 24-Jährige zögert keine Sekunde, rennt los und jagt den dreisten Dieb über die Leopoldstraße in Richtung Münchner Freiheit. Am Wirtshaus zur Brez’n will dieser sich in einen Hinterhof retten und dort nach einem passenden Versteck suchen. Das hat er auch gefunden. Allerdings weiß er nicht, dass er von einer Küchenkraft beobachtet wird. „Der Spüler hat mir ein Zeichen gegeben und auf die Papiertonne gedeutet.“ Und tatsächlich: Der Dieb sitzt in der Tonne!
Marcel Weiß sieht keine andere Möglichkeit. Während andere die Polizei rufen, hockt er sich mit seinen 84 Kilo Körpergewicht auf den Deckel und hält den Mann gefangen. „Er hat sich kaum gewehrt.“ Als ihn die Beamten aus der Tonne holen wollen, klagt der Dieb über Herzprobleme. Er kommt mit dem Rettungswagen in eine Klinik. Marcel Weiß vermutet, dass der Täter aus der Drogenszene stammt. „Ich habe gehört, es gibt Dealer, die statt Geld auch Parfüms als Zahlungsmittel für Drogen akzeptieren.“ Egal was der 42-Jährige mit den Düften vorhatte, seinen Plan konnte er in die Tonne treten…

Johannes Heininger

Johannes Heininger

E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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