Wüste Nacht beim Edel-Griechen

Sex-Skandal in feinsten Kreisen: Kanzlei-Mitarbeiter vor Gericht

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Nach der Schlägerei im Cavos-Innenhof im September 2014 trafen sie sich am Donnerstag vor Gericht wieder.

München - Ein Personal-Partner (45) der Kanzlei Linklaters soll eine studentische Hilfskraft im Garten des Edel-Griechen Cavos vergewaltigt haben. Ein Anwalt schlug ihn nieder. Jetzt kommt es zum Prozess.

Das Unheil nimmt an einem Freitagnachmittag im Jahr 2014 seinen Lauf. Linklaters, eine der größten und einflussreichsten Kanzleien der Welt, lädt seine Mitarbeiter auf die Wiesn ein – zu Bier, Hendl und Gemütlichkeit. Tatsächlich aber wird es eine Nacht voller Sex, Gewalt und menschlicher Abgründe. Eine Nacht, in deren Folge zwei Top-Partner der Kanzlei ihren Job verlieren und jetzt auf die Trümmer ihrer beruflichen Existenz blicken. Eine Nacht, an deren vorläufigem Ende ein Verfahren wegen Körperverletzung steht. Und eine Anklage wegen Vergewaltigung.

Konkret geht es um den späten Abend des 26. September 2014. Die Belegschaft von Linklaters trifft sich zuerst im Wiesn-Bierzelt. Danach ziehen einige Feierwütige weiter. Martin F. (45, alle Namen geändert), Personal-Partner und seit mehr als 14 Jahren bei der Kanzlei tätig, ist darunter. Auch Top-Anwalt Magnus T. (55) hat nach der Wiesn offenbar nicht genug. Beide geben an, getrunken zu haben. Ihre Wege kreuzen sich schließlich beim damaligen Schwabinger Edel-Griechen Cavos (schloss inzwischen seine Pforten).

Im Mittelpunkt der weiteren Ereignisse steht nun eine junge Frau, Franzi K., die zu diesem Zeitpunkt als studentische Hilfskraft bei Linklaters arbeitet. Sie wird später gegenüber der Kripo aussagen, Martin F., der Personal-Partner, habe sie im Garten der Taverne vergewaltigt. Magnus T., in dessen Team Franzi K. arbeitet, geht am gleichen Abend – etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht – auf den mutmaßlichen Vergewaltiger los und zerschmettert ihm mit Faustschlägen mehrere Knochen im Gesicht.

Die Vergewaltigungs-Anklage gegen F. liegt noch beim Landgericht, bereits gestern sagte er aber als Zeuge im Prozess gegen Magnus T. wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht aus. Lesen Sie hier hier die Geschichte eines Sex-Skandals in feinsten Kreisen.

Abgründe im Gerichtssaal

Auch wenn beide Protagonisten Teil der Elite sind und wohl in Millionenhöhe verdienen: Im Gerichtssaal prallen Welten aufeinander. Die Geschichte, die der mutmaßliche Schläger Magnus T. erzählt, hat nichts mit der von Martin F. zu tun. In diesem Fall ist es einfacher, zuerst Übereinstimmungen zu suchen.

Die Ex-Linklaters-Kollegen Martin F. (links) und Magnus T. (alle Namen geändert).

Beide Männer geben zu, dass an besagtem Abend Alkohol im Spiel war, beide nennen das Cavos als Lokalität, beide erzählen von Schlägen. „Aus den Schlägen ins Gesicht habe ich nie einen Hehl gemacht“, räumt T. ein. „Aber es war eine Notwehrsituation zugunsten der Zeugin Franzi K.“ Notwehr? Ja, schließlich habe Martin F. die junge Frau zwei Stunden vorher vergewaltigt. Nachdem F. die Feier danach nicht verlassen habe und sich auch noch „scheinheilig“ der zitternden und weinenden Frau genähert habe, musste T. seinen „Retter- und Helferinstinkt ausleben“.

Notwehr oder Selbstjustiz – auch wenn es um Körperverletzung geht, wird schnell klar: Die mutmaßliche Vergewaltigung schwebt zu jeder Zeit über der Verhandlung. Und so gibt Magnus T., der schlanke, schon leicht ergraute Mann im dunklen Karo-Anzug, den weißen Ritter. Seine Verteidigung übernimmt T., der ehemalige Linklaters-Anwalt, selbst. Sein nomineller Verteidiger sitzt meist still hinter ihm.

Weit zurückgelehnt beginnt Magnus T. zu erzählen, den linken Ellbogen auf der Anklagebank, die Finger trommeln auf die Tischplatte. Bei Linklaters sei F. als Lustmolch bekannt gewesen, so T. Und damals sei F. zu weit gegangen. Das Opfer, Franzi K., habe sich T. damals auf Anfrage anvertraut. Als er das Gespräch gestern im Gerichtssaal schildert, füllen sich seine Augen mit Tränen.

Wenn Franzi K.s Schicksal ihm am Herz liege, fragt der Richter irgendwann, warum er dann nicht seinen Strafbefehl akzeptiert habe? Jetzt müsse K. öffentlich aussagen – obwohl sie von Anfang an klargemacht habe, dass sie den Prozess nicht will. Der Vorfall lasse ihn eben nicht los, sagt Magnus T.

Das sagt auch F. aus, verheiratet, drei Kinder, mittlerweile Steuerberater. Er räumt ein: „Es gab eine Zeit, da habe ich im angetrunkenen Zustand die nötige Distanz zu Kolleginnen vermissen lassen.“ Es sei aber eine „bodenlose Frechheit“, ihm vorzuwerfen, er habe eine Frau gegen ihren Willen mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen. Es sei zwar zum Oralverkehr gekommen, aber einvernehmlich. Der Vergewaltigungs-Vorwurf sei eine „mit wahnsinniger Akribie vorangetriebene Rufmordkampagne“ von T. Dann geht F. zum Angriff über. Er habe gewusst, was für eine „hinterhältige, rücksichtslose und gefährliche Person“ T. sei. „Ich weiß nicht, warum T. mich geschlagen hat. Vielleicht war er eifersüchtig“, sagt F. Warum er als Unschuldiger nicht sofort Strafanzeige gestellt habe? „Linklaters hat mich überzeugt, das nicht zu tun.“

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