Englischen Garten

Viele fragen, wo die Nackten liegen: Auf Streife mit der Polizei

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Einsatz im Grünen (v. li.): Florian Polo, Peter Posch, Stephan Funk und Verena Behrlinger

München - Peter Posch ist Kontaktbeamter der PI 12, die unter anderem zuständig ist für den Englischen Garten, und hat auf seinen täglichen Rundgängen schon so einiges erlebt. Für uns plaudert er aus dem Nähkästchen.

Polizeihauptmeister Peter Posch mit tz-Reporterin Dorita Plange

Es ist eines der schönsten Münchner Viertel, in dem das junge Leben pulsiert. 155 000 Münchner – 100 000 davon Studenten – wohnen in der Maxvorstadt und damit im Zuständigkeitsbereich der 110 Beamten der Polizeiinspektion 12 in der Türkenstraße. 16 500 Notrufe und 4000 Anzeigen wegen Straftaten gehen hier jedes Jahr ein. Zuständig ist die PI 12 für Institutionen wie Staatskanzlei, für Siegestor, Odeonsplatz, Feldherrnhalle, Königsplatz – „und natürlich für unseren Garten“, wie Inspektionsleiter Stephan Funk gern ein bisschen untertreibt. Gemeint ist der Englische Garten – genauer gesagt der südliche Teil vom Isarring stadteinwärts bis zur Prinzregentenstraße. 5,5 Millionen Münchner und Touristen aus der ganzen Welt steuern ihn jedes Jahr an. Die tz hat den Kontaktbeamten der PI 12, Polizeihauptmeister Peter Posch (45), auf einem seiner Rundgänge durch den schönsten Park der Welt begleitet. 

Die Schandis aus dem Englischen Garten

Irgendwann konnte er den Witz nicht mehr hören. Da lieh sich Peter Posch von seinen drei Kindern ein Gummi-Pferdchen, das er fortan zeigte, wenn die Schlaumeier mal wieder fragten: „Suchen Sie Ihr Pferd?“ Weil sich viele Parkbesucher nicht vorstellen können, dass hier nahezu täglich ein Polizist zu Fuß patrouilliert. „Die meisten nehmen nur unsere Polizei-Reiter wahr. Und das ist mir auch ganz recht,“ sagt der Wiener mit dem entwaffnenden Humor.

Anziehungspunkt für Touristen – die Surfer am Eisbach Fotos: Jantz

Die Liebe zu einer Münchnerin hat ihn vor Jahren an die Isar gelockt. Seit fünf Jahren ist der Englische Garten sein Revier. Wo immer Posch auftaucht, ergeben sich Gespräche: Mit den Wirten, den Parkwächtern, den Kutschern, den Mitarbeitern im Bauhof der Schlösser- und Seen-Verwaltung, dem Liegestuhlvermieter Pit, dem Eisbach-Surfer Tao Schirrmacher und natürlich auch mit Thomas Köster – dem Chef im Englischen Garten und Herr über 376 Hektar Parklandschaft mitten in der Stadt. Viele Augen sehen und hören viel. Sie alle zusammen bilden diese unentbehrliche Informationskette, an deren Ende Peter Posch sitzt, um einzugreifen, wenn es nötig ist.

Jede Veränderung der Gesellschaft spiegelt sich immer auch im Publikum des Englischen Gartens wider. Früher waren es die Hippies, die Nackten, die Dealer und die frei laufenden Hunde, die zu Konflikten führten. Hunde, Exhibitionisten, Spanner und Diebe sind auch heute Thema. „Seit etwa drei Jahren hat sich das Partyverhalten der jungen Leute sehr verändert. Alles findet draußen unter freiem Himmel und oft in großen Gruppen statt“ – mit all den Auswüchsen, die Zündstoff liefern können: Müllberge, fliegende Bier-Händler ohne Lizenz, Drogenkonsum, Alkoholabstürze und zuweilen dadurch bedingte Schlägereien.

Auch laute Musik und rücksichtslose Radlrüpel führen zu Beschwerden. Besonders ärgerlich für die Betreiber von Kiosken und Biergärten sind Einbrüche und Vandalismus an den historischen Fassaden.

Diebstahl ist ein großes Problem im E-Garten

Ungute Tendenzen frühzeitig zu erkennen, das ist Peter Poschs Aufgabe: „Die Diebstähle sind natürlich ein Problem. Speziell auf den Liegewiesen, aber auch bei den Surfern.“ Wer meint, er könne seine Sachen einfach am Ufer lassen und eine halbe Stunde im Eisbach abtauchen, kann eine böse Überraschung erleben. „Wir warnen dringend davor, Geld, Wertsachen, Handy und Rucksack aus den Augen zu lassen. Es genügt auch nicht, das Badetuch über das Smartphone zu legen.“ Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr hoch, denn längst nicht jeder geht zur Polizei: „Dabei sind unsere Streifen oft ganz in der Nähe und sehr schnell da, wenn jemand den Notruf 110 wählt.“ Wie schnell das geht, musste kürzlich ein Spanner erfahren, den Polizeidirektor Stephan Funk zusammen mit einer Motorrad-Streife der Verkehrsüberwachung festnahm. Drei junge Männer hatten beobachtet, wie der Familienvater mit verborgener Kamera heimlich Nahaufnahmen von Frauen machte. Sein Auto erreichte der Mann dann nicht mehr. Schon am Parkausgang Oettingenstraße endete seine Flucht.

Zuweilen erlebt Posch kuriose Geschichten. „Im letzten Jahr hat jemand einen zehn Meter langen Ast in großer Höhe aus einer Ulme gesägt. Der Ast war plötzlich einfach weg.“ Und dann war da noch der Mann, dem ein Pferd versehentlich die Fingerkuppe abbiss. Und die überaus gastfreundliche arabische Familie, die Peter Posch zum Picknick bat und ihn am Ende mit einer Lammhaxe entließ: „Ablehnen wäre eine Beleidigung gewesen. So bin ich dann mit der Haxn auf einem Riesenberg Reis durch den Garten gelaufen.“ Gelächter begleitete ihn bis zum Auto.

Wenn allerdings Kinder in Gefahr geraten, endet bei Posch auf der Stelle die entspannte Wiener Leben-und-leben-lassen-Mentalität. Auf seinen Rundgängen schaut er immer an der kleinen Eisbach-Welle am Dianabad (Höhe Himmelreichstraße) vorbei: „An der großen Welle passen die Profis auf. Aber hier unten probieren die Anfänger ihr Surfbrett aus. Kinder holen wir da sofort heraus. Das ist zu gefährlich.“

Und noch ein Wort zu den Nackten: Die gehören offenbar – sehr zur Enttäuschung vieler Asiaten – einer aussterbenden Spezies an: „Hüllenlos liegen da nur noch ein paar Ältere. Die jungen Leute möchten das nicht mehr. Selbst ,oben ohne‘ ist wohl nicht mehr angesagt.“

Wenn Regen oder später im Herbst der erste Schnee einsetzt, ist der Park schlagartig verwaist. Selbst Jogger und Gassigeher sind dann verschwunden. „Da sieht man stundenlang keinen Menschen mehr. Da wird es ganz still. Ich liebe diese Momente. So kennen nur die wenigsten Münchner diesen herrlichen Park.“

Diese Fragen stellen Touristen am Häufigsten

Die Fragen der Touristen kennt Peter Posch meist schon, bevor sie sie gestellt haben. Und es gibt Tage, da sagt er 50 Mal „200 Meter links“ – in allen möglichen Sprachen und nicht selten mit Händen und Füßen.

Die vier häufigsten Fragen:

Platz 1: „Wo ist die Toilette?“

Platz 2: „Wo sind die Surfer?“

Platz 3: „Wo ist der Chinesische Turm?“

Platz 4: „Wo liegen die Nackten?“ (Das fragen sehr oft Asiaten, in deren Reiseführern die Nackten als Kuriosität explizit erwähnt sind.)

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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