"Mit dem Kopf Fußball gespielt"

Die schockierende Anklage gegen den brutalen Taxi-Schläger

+
Hier schlug Salih Ü. auf den Taxifahrer ein.

München - Er soll einen Taxi-Fahrer so brutal verprügelt haben, dass dieser ins Koma fiel. Nun wurde Anklage gegen Salih Ü. erhoben - und die ist schockierend. Die tz sprach außerdem mit dem Opfer.

„Zehn Sekunden können ein Leben zerstören“, sagt Emra Ü, die Mutter des Taxi-Schlägers von der Leopoldstraße. Es waren zehn Sekunden, die zwei Leben zerstörten: das ihres Sohnes und mutmaßlichen Täters Salih Ü. (26) – und das des Opfers Jozsef N. (62). Gegen den jungen Türken hat die Staatsanwaltschaft München I jetzt Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.

Taxifahrer Jozsef N. lag lange Zeit im Koma, schwebte in Lebensgefahr und leidet auch mehr als ein halbes Jahr danach massiv unter den Folgen (siehe Text unten).

Am 14. Dezember 2015, zwei Tage nach der brutalen Attacke, stellte sich Salih Ü. freiwillig der Polizei. Die Staatsanwaltschaft schildert die Tat jener Samstagnacht so, eine schockierende Anklage: Ü. streckte den ungarischen Taxifahrer nach einem Streit per Faustschlag und Bauchtritt nieder.

Anstatt von dem wehrlosen Mann abzulassen, soll sich Salih Ü. auf seinen Brustkorb gesetzt und Jozsef N. mit mehreren Faustschlägen bewusstlos geschlagen haben. Doch dem war offenbar nicht genug: Danach sei er aufgestanden und habe Jozsef N. zusätzlich brachiale Fußtritte gegen den Kopf verpasst. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch zur tz: „Er hat regelrecht Fußball gespielt mit dem Kopf des Mannes.“

Zunächst saß Salih Ü. wegen versuchten Totschlags in U-Haft. Die Faustschläge räumte er bei seiner Vernehmung bereits ein, Fußtritte gegen den Kopf streitet er aber ab. In der JVA Stadelheim wartet der Karosseriebauer auf seinen Prozess. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt die Schwere der Tat hochgestuft. Es geht um versuchten Mord aus niederen Beweggründen. Salih Ü. droht lange Haft.

Das Opfer: „Ich weiß nicht mehr weiter“

An den 12. Dezember, einen Samstag, kann sich Taxler Jozsef N. nicht erinnern. Es war der Tag, als Faustschläge und Fußtritte sein Leben zertrümmerten. Tagelang kämpfte der 62-Jährige mit dem Tod, weil Salih Ü. ihn auf der Leopoldstraße niedergestreckt hatte. Als N. wieder zu sich kam, lag er auf der Intensivstation im Schwabinger Klinikum. Der tz sagt er: „Ich wusste nicht, was passiert war.“

Joszef N. sitzt auf seinem Krankenbett. Seine Haare sind nach dem Eingriff gewachsen, die Narben am Kopf verdecken sie aber noch nicht. „Die Ärzte mussten mir die Schädel­decke öffnen, um den Druck zu verringern“, erklärt der 62-Jährige. „Ich hatte eine massive Gehirnblutung.“

Taxifahrer Joszef N. kämpfte mit dem Tod.

Was genau an jenem Samstagmorgen geschehen sein soll, weiß Jozsef N. nur von der Polizei. Gegen 3 Uhr stiegen am Odeonsplatz zwei Männer zu Jozsef N. ins Taxi. Es waren der spätere mutmaßliche Schläger Salih Ü. und sein betrunkener Kumpel Cengiz Ö. (27). Sie hatten in Clubs und Bars gefeiert. Vermutlich wollten sie in den Münchner Norden. Nach 2,8 Kilometern auf der Leopoldstraße wurde es Cengiz Ö. übel. Kurz vor der Kreuzung Potsdamer Straße hielt N. an. Zu spät: Der Mann übergab sich im Taxi. Offenbar weigerte sich Jozsef N., die Männer weiter zu fahren. Zudem verlangte er die übliche Reinigungspauschale von 30 Euro.

Als alle drei schließlich neben dem Taxi standen, entzündete sich der Streit. Was dann passierte, enthüllt die schockierende Anklage.

Jozsef N. kam 1982 aus Budapest nach München. „Seitdem fahre ich Taxi.“ Die Stadt ist zu seiner Heimat geworden, er hat inzwischen auch einen deutschen Pass.

„Doch jetzt weiß ich nicht mehr weiter“, sagt der 62-Jährige traurig. Ans Fahren ist überhaupt nicht zu denken. „Ich sehe doppelt, muss eine Augenklappe tragen. Ob ich jemals wieder Taxi fahren kann, weiß ich nicht.“

J. Heininger, J. Mell, D. Plange

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion