Neuer Tunnel

Englischer Garten: Die Grüne Röhre kommt

+
Die Zukunft des Parks: Eine „Wiedervereinigung“ haben die Initiatoren des Tunnels es genannt, sollte das Projekt gebaut werden.

München - Der Tunnel durch den Englischen Garten wird wohl gebaut. Am Donnerstag will die Staatsregierung bekanntgeben, das Projekt mitzufinanzieren – das hatte die Stadt zur Voraussetzung gemacht. Bürgermeister Josef Schmid jubelt über den „Durchbruch“. Schon in zwei Jahren könnte Baubeginn sein.

All die Fototermine, Broschüren, prominenten Unterstützer: Alles schien vergeblich gewesen zu sein. Das Schwabinger Architekten-Ehepaar Hermann Grub und Petra Grub-Lejeune hatte seinen großen Kampf offenbar verloren. Der Tunnel durch den Englischen Garten: mausetot, so sagten sie es selbst. Die Staatskanzlei meldete im November, eine ernsthafte finanzielle Beteiligung sei nicht geplant. Man könne den Tunnel gar nicht fördern, weil die Stadt ihn nicht für zwingend notwendig erachte. Im Rathaus wurde das als Ende der Idee gesehen: Ohne Freistaat sei nunmal nichts zu machen.

Der Kreislauf der Schuldzuweisungen – er schien nicht mehr durchbrechbar zu sein. Doch in der Zwischenzeit hat sich alles geändert. Wie unsere Zeitung am Dienstag berichtete, will die Staatsregierung am Donnerstag verkünden, den Tunnel (mit) zu finanzieren.

Stand heute: Eine Schneise durchschneidet den Englischen Garten. Der Mittlere Ring trennt den Süd- und den Nordteil des historischen Parks.

„Die Gespräche mit den Ministerien sind abgeschlossen“, bestätigte Bürgermeister Josef Schmid, CSU. Schmid war in der Stadtspitze für das Projekt verantwortlich. Der Freistaat habe die verkehrliche Wirkung des Tunnels anerkannt – das war entscheidende Voraussetzung für eine Förderung. Er habe der Staatsregierung noch einmal erklären müssen, was die Stadt genau plane, sagte Schmid. „Jetzt können wir den Erfolg vermelden.“ Schmid sprach ausdrücklich vom „Durchbruch“ für das Projekt. Er betonte, es gebe keine Konkurrenz zum geplanten Tunnel an der Landshuter Allee – beide würden unabhängig voneinander geplant und gebaut.

Seit sieben Jahren hatte das Ehepaar Grub-Lejeune für den Tunnel gekämpft. Nun steht der große Erfolg offenbar kurz bevor. „Eine sensationelle Nachricht“, jubelte Hermann Grub am Dienstag. „Das freut uns wahnsinnig.“ Bürgermeister Schmid geht weiterhin davon aus, dass ein erheblicher Teil der Kosten durch Spenden von privaten Unternehmen gedeckt werden kann. Das glaubt auch Grub. Er verweist auf eine Million Euro, die die Allianz Umweltstiftung bereits zugesagt hat. Grub ist überzeugt, dass weitere Spender folgen. „Viele haben nur gewartet, bis die Stadt sich endgültig zum Projekt bekennt.“

OB Dieter Reiter, SPD, geht von Gesamtkosten zwischen 100 und 120 Millionen Euro aus. Er hofft auf 30 bis 40 Millionen staatliche Zuschüsse. Reiter hat schon angekündigt, dass der Stadtrat bald nach der Sommerpause einen Grundsatzbeschluss fällen wird – ein Zeitplan, den auch Josef Schmid für realistisch hält.

Der aktuelle Ausbau für drei provisorische Spuren aber wird nun wohl erstmal weitergehen. Grub verweist darauf, dass die Planungen – „wenn die Stadt sich sehr beeilt“ – wohl zwei bis drei Jahre dauern würden. Die Bauarbeiten sind die Folge eines Stadtratsbeschlusses von Anfang 2014. Der damalige Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte sich fast damit durchgesetzt, den Ring auf drei reguläre Spuren auszubauen. Das wäre das Ende aller Tunnel-Träume gewesen, weil das Stau-Problem gelöst und eine Förderung für die Röhre dann nicht mehr möglich gewesen wäre. Ude hatte damals gehöhnt, gerade Grüne würden sich noch an Bäume ketten, wenn die Bauarbeiten für den Tunnel einen Kahlschlag fordern. Ob der Alt-OB recht behält mit seiner Prognose über plötzliche Proteste gegen den Tunnel, das werden die nächsten Jahre zeigen.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare