Empörung über MVG

Passagiere vom U-Bahn-Chaos: "Das grenzt an Körperverletzung"

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Gedränge in der U6 am Mittwochabend.

München - Das U-Bahn-Chaos von Freimann sorgt noch immer für Ärger - vor allem bei den betroffenen Passagieren. Die Mutter eines Kindes sagt: "Das grenzt an Körperverletzung."

Es ist der Albtraum aller Zugpassagiere: brütende Hitze, und nix geht mehr auf freier Strecke. Am Mittwoch Abend um kurz vor 20 Uhr ist genau das Hunderten auf dem Weg zur Allianz-Arena widerfahren. Passagiere einer U6 wurden an der Station Kieferngarten aufgefordert, die Bahn zu verlassen. Weil niemand das Fußballspiel zwischen Bayern und Manchester verpassen wollte, liefen etliche über die Gleise in Richtung Stadion. Das war lebensgefährlich, sagt die MVG. Folge: Der Strom musste abgestellt werden. Nachfolgende U-Bahnen stauten sich und nun stiegen Passagiere auch auf offener Strecke aus. Warum – und was Passagiere und Anwohner der tz berichten:

Video: U6-Horrorfahrt - Fahrgäste bei Mega-Hitze eingepfercht

Das sagen die Passagiere

Markus Kuntkes Reise (46, Foto) zur Allianz Arena endete gegen 20 Uhr: Zwischen Studentenstadt und Freimann war für seine U6 Schluss. Schnell sei mit der Hitze die Stimmung gekippt.„Vor mir stand ein Vater mit seiner kleinen Tochter, die schon nach Luft japste.“ Durchsagen habe es nicht mehr gegeben. Das bestätigt Eva Murray (30), die extra aus Bamberg für das FCB-Spiel angereist ist. 250 Euro haben sie und ihr Mann für Zugtickets und Eintrittskarten in den Sand gesetzt. „Geärgert haben wir uns besonders, dass uns nicht gesagt wurde, was los ist.“ Auch Barbara H., deren 15-jähriger Sohn in einer der Bahnen feststeckte, ist sauer. Als die ersten Passagiere zu kollabieren drohten, habe Panik und Chaos geherrscht. „Jede Mutter weiß, dass man bei solchen Temperaturen weder Kinder noch Tiere im Auto lassen darf“, so die Münchnerin. „Einen überfüllten Zug geschlossen stehen zu lassen, grenzt für mich schon an Körperverletzung.“

Hitze-Chaos in U6: MVG gibt Fußballfans Schuld an Panne

Das sagen Augenzeugen

Er bekam alles aus nächster Nähe mit: Edwin M. (71, Foto) wohnt direkt gegenüber der U-Bahn-Station Freimann. Als das U6-Chaos begann, war er gerade mit seinem Mops Ibo (11) spazieren. Edwin M. berichtet von chaotischen Szenen bis um kurz vor 22 Uhr. „Das war wie eine Völkerwanderung“, erzählt der Rentner. Viele Hundert Menschen hätten sich vollkommen verschwitzt aus den Bahnen zu Fuß in Richtung Allianz Arena aufgemacht. „Die Leute waren extrem sauer, weil sie sich auf das Spiel gefreut haben.“ Auch Olivia G. (50, Foto) beobachtete diese Szenen. Die Altenpflegerin musste eigentlich zu einem Termin – doch mit der U-Bahn war für sie von Freimann kein Fortkommen in Richtung Scheidplatz mehr. „Das war eine Katastrophe mit der U-Bahn an diesem Abend“, sagt die gebürtige Kubanerin. Letztendlich sei ihr nur eines geblieben: Ein Taxi zu nehmen.

Chaosfahrt mit U6: So kam es zur Mega-Panne

Ramona Weise

Ramona Weise

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