2012 wurde sie in Schwabing gesprengt

Vier Jahre nach der Fliegerbombe: Versicherung verklagt Stadt

München - Vor vier Jahren musste die Schwabinger Fliegerbombe gesprengt werden. Bis heute beschäftigt sie die Münchner Gerichte. Aktuell klagt eine Versicherung.

Ein Feuerball über der Stadt - und danach brennende Geschäfte. Auch vier Jahre nach der spektakulären Sprengung der Fliegerbombe in Schwabing sind die katastrophalen Auswirkungen noch nicht aufgearbeitet.

Ganze Straßenzüge wurden im August 2012 verwüstet, die Anwohner aber längst entschädigt. Dennoch beschäftigt dieser Fall bis heute die Münchner Gerichte. Aktuell klagt die Axa Versicherung gegen die Landeshauptstadt. Im Zivil-Prozess vor dem Landgericht geht es um rund 400.000 Euro. Es ist die Summe aus den Sachschäden und dem brandbedingten Betriebsausfall, die drei Geschäftsleute beklagt hatten – unter anderem die Boutique Bliss in der Feilitzschstraße (siehe Text unten).

Die Zerstörung von oben.

Im Prozess geht es um die Frage: Wer trägt eigentlich die Schuld an den Feuer-Schäden? Laut der Versicherung gab es fachliche Fehler bei der Sprengung, die angeblich sogar „stümperhaft“ durchgeführt wurde. Der Kampfmittelräumdienst hatte Stroh zur Ableitung der Druckwelle eingesetzt, das Feuer gefangen hatte. Dadurch seien auch die Geschäfte in Brand geraten. Die Stadt dagegen sagt, das könne auch durch Funken bei der Detonation passiert sein. Und weist die Vorwürfe von sich. Die Firma, die die Sprengung durchgeführt hat, will sich dazu nicht äußern, solange der Prozess am Landgericht noch läuft.

Nun könnte die Stadt zur Verantwortung gezogen werden, weil sie der Auftraggeber für die Sprengung war – seit Jahren besteht ein Dienstleistungsvertrag mit der Fachfirma. Deren Einsatz sei „alternativlos“ gewesen, argumentieren die Anwälte: Der Zünder konnte nicht entfernt werden und auch Wassersäcke hätten nichts geholfen, sondern Grundwasser und U-Bahn-Schächte gefährdet. Weiter geht’s am 8. Februar. Dann fällt Richter Frank Tholl ein Urteil – oder bestellt einen Gutachter.

Andreas Thieme

Bomben-Opfer: Kleiners Geschäft ist Geschichte

Ronny Kleiners Geschäft ist damals komplett ausgebrannt.

Das große Flammen-Inferno in der Feilitzschstraße – es zerstörte das komplette Schuh- und Bekleidungsgeschäft von Ronny Kleiner (43). Auch seine Boutique Bliss ist Gegenstand des Gerichtsprozesses, ihn hat die Bombenkatastrophe 2012 besonders hart getroffen. „Ich konnte meinen Laden danach fünf Monate nicht mehr öffnen, alles musste kernsaniert werden“, erzählt Kleiner jetzt der tz. Kein Wunder: Seine Boutique war in dem Haus, das direkt an die Explosionsstelle angrenzte. Immerhin: Die Versicherung habe ihm den Schaden gezahlt, sagt Ronny Kleiner. Wieviel er bekommen hat, will er nicht sagen. In einem früheren Interview mit der tz war Kleiner von einem Schaden von mindestens 150 000 Euro ausgegangen.

Mit dem Geld konnte der Geschäftsmann die Boutique zwar wieder eröffnen, geholfen hat ihm das letztlich aber nicht. Er hat nach zwölf Monaten wieder dicht gemacht. „Ich habe in der Pause viele Stammkunden und Verträge mit Hauptfirmen verloren, die Verluste waren zu groß.“ Seither betreibt Kleiner einen Onlinehandel, erholt hat er sich aber nicht. „Ich leide noch immer.“

Troz allem hegt Ronny Kleiner keinen Groll gegen die Stadt oder gar gegen die Sprengmeister. „Keiner kann etwas dafür, dass es gebrannt hat. Hier hat niemand einen Fehler begangen“, sagt er mit Blick auf den Prozess. „Das Stroh, das gebrannt hat, war wichtig, um die Druckwelle abzufedern. Sonst wären die Häuser komplett zerstört gewesen.“

Nina Bautz

Rubriklistenbild: © dpa

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