„Es ist ein Irrsinn, den Markt platt zu machen“ 

Elisabethmarkt: Kabarettist Schleich kämpft gegen Umbau-Pläne

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Kabarettist Helmut Schleich ist gegen den Abriss der Standl.

München - Die Stadt hat eine Machbarkeitsstudie für den Umbau des Elisabethmarkts vorgestellt. Die Pläne sorgen weiterhin für Kritik. Auch Kabarettist Helmut Schleich hat sich nun in die Diskussion eingeschaltet. Die Standlbetreiber sind sich indes uneins.

Der Elisabethmarkt in Schwabing soll saniert und komplett neu gebaut werden. Am Donnerstag hat das Kommunalreferat eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Dabei hat die Stadt aber mit Kritikern zu kämpfen: Mit einer Petition protestieren Bürger gegen den Abriss der Standl. Doch dieser sei notwendig, betonte Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). Standards in Sachen Hygiene oder Brandschutz würden aktuell bei den Ständen, die größtenteils in der Nachkriegszeit entstanden sind, nicht eingehalten. Der Charme des Markts solle bei dem Neubau erhalten bleiben.

Sind unterschiedlicher Meinung in Bezug auf die Pläne: Die Standlbetreiber Karl Huczala, Helmut Breu und Thomas Willinger.

Realisiert werden soll der Bau zur gleichen Zeit, wenn die Stadtsparkasse auf dem benachbarten Stadtwerke-Areal rund 200 Wohnungen baut. Frühester Baubeginn: Anfang 2019. Die Standlbetreiber sollen die Lagerplätze für ihre Waren zukünftig über die Tiefgarage des Wohnkomplexes erreichen. Sie wird mit einer neuen Markt-Tiefgarage verbunden, berichtete Architekt Rainer Hofmann von Bogevischs Büro. Bislang gibt es eine solche unterirdische Lagerung und Kühlung nicht. Die Stände sollen künftig ähnlich wie jetzt aussehen – nur anders angeordnet sein, sodass mehr Platz zum Flanieren ist. Bäume müssten nicht weichen, versprach der Architekt.

Von Seiten der 23 Standlbetreiber gibt es unterschiedliche Meinungen. „Ich sehe die Pläne als Investition in die Zukunft“, sagt Obst- und Gemüsehändler Karl Huczala (36). Eine zurückhaltendere Sanierung hätte sich Helmut Breu (50), ebenfalls Obst- und Gemüsespezialist, gewünscht. Einige Standlbetreiber machten sich große Sorgen um ihre Zukunft, so Fischhändler Thomas Willinger. Eine Handvoll überlege sogar, aufzuhören.

Der Kabarettist Helmut Schleich hat sich der Petition angeschlossen. „Warum muss man in München andauernd Gewachsenes abreißen und neu bauen?“, kritisiert er. „Es ist ein Irrsinn, einen lebendigen Markt platt zu machen, zu schließen und in fünf Jahren im Einheits-Glas-Beton-Gewand wiederzueröffnen.“

"Die Stadt soll die Wahrheit sagen"

Dass die Stadt nichts anderes tun will, als die neuen EU-Hygienebestimmungen umzusetzen, ist für den Künstler ein Vorwand: „Es geht um eine Feuerwehr-Zufahrt für die 200 neuen Wohnungen, die die Stadtsparkasse auf dem Gelände des ehemaligen E-Werks nebenan errichtet. Doch dass hier Wohnungen für ganz normale Münchner entstehen, stimmt nicht – rund ein Viertel der Wohnungen werden öffentlich gefördert, der Rest wird zu Luxus-Etablissements. Mein Appell: Die Stadt soll die Wahrheit sagen und die Tatsachen nicht verzerren.“

Wird der Markt wirklich schöner?

SPD-Stadträtin Ulrike Boesser verteidigt die Sanierung. „Ich bin überzeugt, dass der Elisabethmarkt durch den Umbau gewinnen wird: Die Verkaufsfläche wird größer und besser genutzt, die gesamte Situation freundlicher und gemeinschaftlicher“, sagt sie. Das Kommunalreferat habe nicht nur die Machbarkeit sorgfältig prüfen lassen, sondern auch viel Engagement in die Information der Händler sowie der Bürgerschaft vor Ort investiert. „Wir können uns alle gemeinsam auf den umgebauten Elisabethmarkt freuen, der mit einem bewährtem Angebot und seinem ganz besonderen Flair den Händlern mehr Möglichkeiten und den Besuchern mehr Raum zum Flanieren bietet. Dass außerdem neue Wohnungen auf dem alten Trafo-Grundstück nebenan entstehen, können wir in einer Stadt, die bezahlbaren Wohnraum dringend braucht, nur begrüßen.“

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