Ärger an der Leopoldstraße

Ehepaar kämpft um Wohnung: "Hilfe, wir werden raussaniert!"

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Melanie Baumgartner und ihr Mann Florian Fackler kämpfen weiter um ihre Wohnung in der Leopoldstraße 103.

München - Luxussanierung wirft der Mieterverein einem Hausbesitzer an der Leopoldstraße vor. Nach Renovierung und Umbau sollen Mieter bis zu 1000 Euro mehr zahlen. Manche Mieter spielen da nicht mit.

„Hier befand sich das Loch in der Wand“, sagt Mieterin Baumgartner.

Melanie Baumgartner ist eine derer, die nicht aufgeben wollen. Die 47-Jährige wohnt seit 22 Jahren in der Leopoldstraße 103. Die Wohnung im vierten Stock teilt sie sich mit ihrem Mann Florian Fackler (43) und dem elfjährigen Sohn. Seit der neue Eigentümer das Gebäude 2012 gekauft hat, spricht Baumgartner vom „Albtraum-Haus“. Die Stadt hat dem Besitzer nach tz-Informationen noch im selben Jahr eine Baugenehmigung erteilt – für die „Errichtung von Balkonen und Galerieausbauten sowie einer Aufzugsanlage“.

Baubeginn war für den 16. Juli 2014 angemeldet. Im Oktober 2014 flatterten den Mietern des Eck-Komplexes Leopoldstraße 103 und 105 sowie Sulzbacher Straße 1 dann auch zum ersten Mal Schreiben ins Haus. Darin kündigt der Eigentümer umfangreiche Modernisierungen an. Geplant waren laut Mieterverein „Grundrissänderungen, kompletter Austausch der Heizungs- und Warmwasserversorgung, Austausch der Fenster und Böden, Erneuerung der sanitären Anlagen, Vergrößerung der Balkone bzw. Anbau von Wintergärten zur Leopoldstraße etc.“ Noch schwerer wog für die Mieter: „Damit verbunden war die Ankündigung einer Mieterhöhung von bis zu 1000 Euro pro Wohnung“, teilt der Verein mit.

Miete nach Sanierung doppelt so hoch

Die Sanierungen ziehen sich. Die Fenster sollten schon längst eingebaut worden sein.

„Meine Miete würde sich nach den Modernisierungen verdoppeln“, sagt Baumgartner. Derzeit zahlt sie 850 Euro kalt. Aus ihrer 2,5-Zimmer-Wohnung sollte eine mit drei Räumen und einer Loggia werden. Die Mieter wandten sich an den Mieterschutzbund. „Gegen eine Grundrenovierung des Hauses haben wir nichts, aber diese Zwangssanierungen sind nicht nötig“, sagt Melanie Baumgartner.

Der Mieterverein sieht das ähnlich. Er nahm Kontakt mit dem Vermieter auf, denn die Juristen des Vereins halten die angekündigte Erhöhung für unwirksam. Dennoch begann die Sanierung bereits leerer Wohnungen – teils zu jeder Tageszeit. Und teils mit Folgen: „Die Wände sind mittlerweile so verzogen, dass die Türen teilweise nicht mehr schließen. An der Außenwand des Kinderzimmers befand sich sogar zeitweise ein tiefes Loch!“

"Vermieter setzen offenbar auf Zermürbung"

Der Mieterverein kennt solche Fälle aus leidvoller Erfahrung. „Der Vermieter setzt offenbar auf Zermürbung“, sagt Pressesprecherin Anja Franz. „Er versucht den Mietern das Verbleiben in ihren Wohnungen derartig unangenehm zu machen, dass sie freiwillig gehen.“

Insgesamt 17 Mieter haben das bereits getan. Acht Alt-Mieter sind noch da und kämpfen um ihre Wohnung. Baumgartner und ihr Mann mussten sogar ihren Keller räumen, der von Schimmel befallen ist. Dort befinden sich nun zwei Schlafzimmer und ein Bad. „Die Wände wurden überstrichen, eine Beseitigung der Schimmelursache hat wohl nicht stattgefunden“, sagt Anja Franz.

Laut Mieterverein hat der Eigentümer die Verhandlungen abgebrochen, droht den Mietern nun mit Klage – immer wieder gibt es entsprechende Schreiben. „Wir sehen dem gelassen entgegen“, sagt Franz. Melanie Baumgartner jedenfalls will nicht klein beigeben und will „dafür kämpfen, dass wir bleiben dürfen!“ Eine Anfrage der tz beim Eigentümer blieb unbeantwortet.

Die Rechtslage
Wenn etwas gerichtet werden muss, – alte Fenster, alte Böden, all das, was durch das Wohnen abgenutzt wird –, dann muss der Mieter das dulden. „Aber das kann nie mit einer Mieterhöhung einhergehen“, sagt Anja Franz vom Mieterverein. Anders bei Maßnahmen wie etwa eine neue Wärmedämmung oder bessere Fenster, daran können Mieter mit bis zu elf Prozent der Kosten beteiligt werden. Es sei aber immer zu prüfen, ob so etwas notwendig ist. Nicht dulden müsse man überflüssige Maßnahmen, etwa die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne.

Sabrina Höbel und Sascha Karowski

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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