Initiative setzt sich Unesco-Titel ein

Olympiapark: Weltkultur auf Kriegsschutt?

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München - Eine Münchner Initiative will dem Olympiapark zum Titel Weltkulturerbe verhelfen. Am Sonntag ging der neue Verein um Alt-OB Vogel erstmals an die breite Öffentlichkeit.

Was haben die Olympischen Spiele München nicht alles gebracht: U-Bahn und S-Bahn-Ausbau, die Fußgängerzone. Doch heute spielt der Olympiapark für die meisten Münchner eine untergeordnete Rolle. „München hat vergessen, wie extrem die Olympischen Spiele die Stadt verwandelt haben“, sagt Gert Pfafferodt. Der heute 70 Jahre alte Regisseur war Assistent von August Everding, als der 1972 verantwortlich für das kulturelle Rahmenprogramm im Stadion war. „Das war für mich eine prägende Zeit“, sagt Pfafferodt, Gründer und Vorsitzender des Vereins „Aktion Welterbe Olympiapark“.

Prominente Unterstützer gibt es schon

Dass es diesen Verein gibt, ist zu großen Teilen dem Mann zu verdanken, der schon wesentlich dazu beigetragen hatte, dass München die Spiele überhaupt bekam: Hans-Jochen Vogel, Münchens Oberbürgermeister von 1960 bis 1972. Er war es, der Pfafferodt animierte, den Verein zu gründen. Dies geschah am 26. April dieses Jahres – exakt 50 Jahre nach dem Tag, an dem München den Zuschlag für die Spiele bekommen hatte. Inzwischen hat der Verein die Gemeinnützigkeit anerkannt bekommen und lud am Sonntag ins Volkstheater ein zu der Veranstaltung „Ein Dach der Welt – Warum der Olympiapark den Ehrentitel Weltkulturerbe braucht“. Als prominente Unterstützer mit dabei waren unter anderem Schauspieler Michael Lerchenberg und die Wellküren.

Park wird deshalb kein Freiluftmuseum

Gert Pfafferodt, Initiator der „Aktion Welterbe Olympiapark“.

Eine entscheidende Frage: Wird der Olympiapark, der ohnehin schon als Ensemble unter Denkmalschutz steht, als Weltkulturerbe womöglich zu einem nicht mehr nutzbaren Freiluft-Museum für die Stadt? „Nein“, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk, „diese Angst ist weitgehend unbegründet.“ Die Leiterin des Planungsreferats hat sich am Sonntag sehr deutlich hinter das Ziel des Vereins gestellt. Denn nicht nur architektonisch, sondern auch geschichtlich sei das Areal von „herausragender Bedeutung“. Nur 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Spiele nach Deutschland zu vergeben, war eine bemerkenswerte Chance, die München und Deutschland nutzen wollten. So wurden die Spiele bewusst ein Gegenentwurf zu Hitlers Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Keine monumentalen Inszenierungen, sondern weltoffene, freundliche Spiele sollten ein völlig anderes Bild von Deutschland transportieren – was auch gelang, sogar trotz des Attentats auf die israelische Olympia-Mannschaft durch die palästinensischen Terroristen. Die Tatsache, dass die Münchner Olympia-Anlagen quasi auf Kriegsschutt errichtet wurden, hat laut Merk eine zusätzliche, unglaublich starke Friedens-Symbolik. „Die Jugend der Welt wieder hier vermehrt zusammenzubringen“, könnte laut der Stadtbaurätin auch eine neue Nutzungsmöglichkeit für den Park sein.

Der Weg ist extrem lang

Der Weg zu einem Weltkultur-Titel wäre freilich mit Sicherheit extrem lang. Einer, der das sehr gut beurteilen kann, ist Michael Petzet, Präsident des internationalen Rats der Denkmalpflege und Gutachter des Welterbe-Komitees. Petzet selbst versucht seit Jahren, die Bayerischen Königsschlösser in die Liste der Weltkulturerbe zu bekommen – vergeblich. Es gibt weltweit gewaltige Bemühungen vieler Länder, Weltkultur-Titel zugesprochen zu bekommen. „Das ist natürlich auch für den Tourismus interessant – für viele Antragsteller ist das sogar das Hauptanliegen“, sagt Petzet. „Es wird immer schwieriger, aber der Olympiapark hätte wegen seiner architektonischen und geschichtlichen Bedeutung gute Chancen, ernannt zu werden“, glaubt er.

Stadtrat muss sich dafür aussprechen

Wann das sein könnte, ist kaum zu sagen. Erst einmal müsste der Münchner Stadtrat sich dafür aussprechen, einen Antrag zu stellen. Dann könnte Stadtbaurätin Merk aktiv werden. Ab dann, sagt sie, sei wohl mit mindestens zehn Jahren bis zu einer Entscheidung zu rechnen – 15 bis 20 Jahre dürften realistischer sein. Unter anderem wegen der Besonderheit der unterschiedlichen Eigentümer: Während der Park samt Stadion und Hallen der Stadt gehört, sind die Wohnungen des Olympischen Dorfes in Privatbesitz.

Hans-Jochen Vogel, 90 Jahre alt, rechnet nicht unbedingt damit, dass er es noch erleben wird, wie dem Olympiapark eine Weltkultur-Ehre zuteilwird. „Der besondere Charakter“, so betonte er am Sonntag, „ist dem ganzen Areal aber bis heute erhalten geblieben.“ Er selbst lebte von 1973 bis 1984 in „seinem“ Olympischen Dorf.

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