"Wie soll das gehen?"

Schrumpfkur für Klinikum: Hausärzte schlagen Alarm!

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Die neue Schwabing-Klinik soll vor allem bei der Kinder- und Jugendmedizin, Geburtshilfe und Gynäkologie einen Schwerpunkt setzen.

München - Das neue Klinikum Schwabing sorgt schon jetzt bei vielen Münchner Hausärzten für mächtig Ärger! Ihr Vorwurf: Die Notversorgung im Norden der Stadt ist ihrer Meinung nach gefährdet.

Kleiner soll es werden, aber moderner: Stolz präsentierte die Geschäftsführung der Städtischen Kliniken die neuen Umbaupläne für das Schwabinger Krankenhaus. Schon im Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen. Gibt’s nur ein Problem: Das Neu-Klinikum sorgt schon jetzt bei vielen Münchner Hausärzten für mächtig Ärger! Ihr Vorwurf: Die Notversorgung im Norden der Stadt ist ihrer Meinung nach gefährdet. Und deshalb haben sie nun ein Protestschreiben an den Oberbürgermeister geschickt!

Dr. Christa Scholtissek mit den Kollegen Trumpp und Dipping.

„Die Neubauplanung für die Notaufnahme haben wir mit Bestürzung zur Kenntnis genommen“, schimpft unter anderem Allgemeinärztin Christa Scholtissek gegenüber der tz. „Die geplanten Räumlichkeiten sind so klein, dass nicht einmal die derzeitige Patientenzahl darin angemessen versorgt werden kann.“ Die Zahl der Betten solle von derzeit 283 auf künftig 95 reduziert werden. „Das ist nur noch ein Drittel – wie soll das gehen?“, fragt die Medizinerin, die eine Praxis in Schwabing betreibt. Um eine Antwort zu bekommen, hat Dr. Scholtissek zusammen mit weiteren 23 Ärzten einen Brandbrief an den OB Dieter Reiter (57, SPD) verschickt. „Schon jetzt klagen die Patienten über lange Wartezeiten in den Notaufnahmen“, heißt es in dem ­Schreiben. Die Lage würde sich so noch weiter verschlimmern. Zudem sei es alten und gebrechlichen Menschen nicht zuzumuten, bei der Notversorgung immer nach Bogenhausen oder Neuperlach gefahren zu werden.

Die neue Schwabing-Klinik soll vor allem bei der Kinder- und Jugendmedizin, Geburtshilfe und Gynäkologie einen Schwerpunkt setzen. Die Kinderklinik soll 200 Betten haben, die Zahl der Geburten von 2200 pro Jahr auf 3000 steigen. Die Dermatologie soll im Jahr 2022 aus Thalkirchen nach Schwabing verlegt werden.

Dass es Änderungen geben muss: Da sind sich alle einig. Schwabing schreibt seit Jahren rote Zahlen. „Wir sind auch nicht generell gegen die Baumaßnahmen, sondern dagegen, dass die Münchner im Norden der Stadt bald kaum mehr eine Notaufnahme haben“, sagt Dr. Scholtissek.

OB Reiter hat den Protestbrief gelesen und zur Kenntnis genommen. Der tz sagte er: „ „Die Notfallversorgung für die Münchnerinnen und Münchner ist sichergestellt – das ist mir wichtig! Den Offenen Brief speziell zum Schwabinger Krankenhaus werde ich selbstverständlich ausführlich beantworten.“ Wie? Das wollte er noch nicht preisgeben…

So will die Stadt die Kliniken sanieren

Ein neues Notfallzen­trum, ein neues Zentrallabor, neue Gebäude in Schwabing, der Verkauf des Blutspendedienstes – es bewegt sich was an den Städtischen Kliniken. Die finanziell angeschlagenen Häuser sollen saniert werden. Der Stadtrat hatte im Sommer einen Grundsatzbeschluss gefasst. Damit will die Stadt die Kliniken bis 2022 aus den roten Zahlen bekommen. Das Konzept sieht unter anderem eine Reduzierung der Bettenzahlen von 3252 auf etwa 2500 vor. Außerdem ist die Rede von Einsparungen beim Personal. Bis 2022 geht es um bis zu 1500 Jobs, die wegfallen sollen – ein Großteil davon durch Fluktuation, Verrentung oder Befristung. Das gelingt aber wohl nur bei einem Teil. 400 Kräfte sollen zwischen einer Abfindung und einer Qualifizierungseinheit wählen können. Dort würden sie weiter Gehalt bekommen – aber vermutlich nur für fünf Jahre und ebenso vermutlich mit jährlich steigenden Abstrichen.

Das neue Zentrallabor in Neuperlach ist erst vor wenigen Tagen vom Stadtrat genehmigt worden. Mit dem Neubau sollen alle Labore in einem einzigen zusammengefasst werden. Die geschätzten Gesamtkosten für den Neubau, der sich derzeit noch in der Vorplanung befindet, liegen bei 24,8 Millionen Euro. Das Projekt könnte aber vom Freistaat mitfinanziert werden.

Armin Geier / Sascha Karowski

Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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