Sommerfest im Olympiapark

Nach Pinkel-Eklat: Standlbesitzer brutal verprügelt

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Blutüberströmt Roland H. (49) nach dem Angriff.

München - Ein lauer Sommerabend auf dem Sommerfest im Olympiapark endete mit einer brutalen Prügel-Attacke. Der Besitzer eines Standes wurde angegriffen.

An die Minuten danach hat Roland H. nur noch eine vage Erinnerung. „Ich saß in meinem Stand, habe mir Tücher auf Kopf und Gesicht gedrückt. Überall war Blut, das mir auf die Hose und in den Kragen floss. Ich war total geschockt.“ Die vier Schläger, die ihm das angetan haben, wurden von der Polizei gefasst. Bemerkenswert ist aber der Ort, an dem der Schmuckhändler derartig verdroschen und getreten wurde. Nicht nachts in irgendeiner dunklen Ecke. Sondern am frühen Samstagabend inmitten tausender Menschen auf dem Sommerfest im Olympiapark.

Händler Roland H. (49) stammt aus Baden-Württemberg und betreibt mit seiner Frau Liidia einen mobilen Stand für Schmuck und Piercings, Mützen und Sonnenbrillen: „Wir sind schon seit 23 Jahren auf den Tollwood-Festivals und seit 16 Jahren beim Olympia-Sommerfest.“ Immer ging alles gut. Und dann kam der Samstag: „Um 19.50 Uhr habe ich einen jungen Mann erwischt, der zwischen meinen und den Nachbarstand trat und dort ganz ungeniert pinkelte! Ich fand das unmöglich. Ringsherum sind genug Toiletten und zur Not auch Büsche.“

Männer prügeln auf Standbesitzer ein

Es kam zu einem kurzen Wortwechsel. Und dann lag Roland H. auch schon auf dem Boden. Zu viert schlugen und traten der Mann und seine drei Freunde auf den am Boden liegenden, bald blutüberströmten und fast besinnungslosen Roland H. ein. „Meine Frau war völlig hilflos. Wenn nicht die anderen Händler ringsherum uns zu Hilfe gekommen wären und die Polizei gerufen hätten, weiß ich gar nicht, wie das ausgegangen wäre.“

Die Schläger flohen zur U-Bahn, wurden aber rasch festgenommen. Es handelt sich um zwei Deutsche (25 und 26 Jahre), einen Türken (25) und einen Kosovaren (25). Zwei haben Jobs als Azubi bzw. Einzelhandelskaufmann. Sie müssen sich demnächst wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Im Schwabinger Krankenhaus wurde Roland H. wieder zusammengeflickt.

Im Schwabinger Krankenhaus flickten die Ärzte Roland H. wieder zusammen. Seine Nase ist gebrochen, auf dem Hinterkopf wurde eine tiefe Platzwunde genäht. Zudem ist der Knorpel an seinem rechten Ohr zersplittert. Die Wunden werden wieder heilen, doch die seelische Verletzung bleibt: „30 Händler haben sich bei mir erkundigt, wie es mir geht. Sogar die Polizisten kamen am Sonntag noch mal vorbei. Von der Olympiapark GmbH kam keiner. Da war ich enttäuscht.“

Standbesitzer verärgert über Sicherheitskonzept

Roland H. wird wohl beim nächsten Sommerfest nicht mehr dabei sein. „Ich bin mit dem Sicherheitskonzept hier nicht einverstanden. Tagsüber ist viel Polizei da. Aber nachts patrouilliert hier nur ein Wachmann. In diesem Jahr gab es fünf Einbrüche in Stände, drei davon allein bei einem Schmuck-Kollegen. Man sagte uns, dass wir unsere Stände schon selbst bewachen müssen.“ Dass bestätigt auch Arwed Raab, Vizechef der Veranstaltungsleitung bei der Olympiapark GmbH: „Es tut mir leid. Jeder Händler hat unterschrieben, dass er selbst verantwortlich ist für Ware und Stand. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss seine Ware nachts ausräumen.“

Für Roland H. ist die Sache damit erledigt – bis auf einen Wunsch: „Unter den Besuchern war eine nette Krankenschwester, die Erste Hilfe geleistet hat. Ich konnte mich gar nicht mehr bedanken und hoffe, dass sie sich noch einmal meldet.“

Dorita Plange

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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