Immer mehr falsche Polizisten & Handwerker

Abgezockt! Johanna W. (79) verlor 11.000 Euro

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Johanna W. (79) schildert, wie leicht man auf Betrüger hereinfallen kann.

München - Immer mehr falsche Handwerker und Polizisten treiben in München ihr Unwesen. Mehr als 200 Fälle sollen es allein dieses Jahr schon gegeben haben. Johanna W. ist eines der Opfer. Und möchte andere warnen.

Die Dunkelziffer der bislang nicht bekannt gewordenen Betrügereien muss ziemlich hoch sein, weil viele Opfer aus Scham schweigen. Und die, die sich schämen sollten, sind größtenteils noch auf freiem Fuß: Mit einer groß angelegten Kampagne, 20 000 Postkarten und Plakaten, Informationsveranstaltungen und einem neuen Präventionsfilm warnt die Münchner Polizei in den kommenden Wochen vor Trickbetrügern, die sich als falsche Polizisten oder falsche Handwerker in Privathaushalte einschleichen. 

Allein in diesem Jahr wurden bereits über 200 meist älteren Menschen die Ersparnisse gestohlen – und einige gerieten deshalb in große Existenznöte. Zu den Opfern zählt auch die mutige ­Schwabinger Rentnerin Johanna W. (79), die beschlossen hat, nicht länger zu schweigen. Sie und ihr Ehemann Jürgen W. (80) wurden im Januar dieses Jahres ebenfalls Opfer dieser unverschämten ­Diebe. Hier ist ihre Geschichte:

Wenn Johanna W. an jenem Montag im Januar kurz nach dem Frühstück nicht so im Stress gewesen wäre, hätte sie den Trick vielleicht rechtzeitig durchschaut. Doch es kam anders: Während eines anstrengenden Telefonates mit der Krankenkasse klingelte es am 11. Januar an der Tür. Ehemann Jürgen (80) öffnete: „Da war mal wieder ein Handwerker. 

Wie so oft in letzter Zeit. Angeblich ein Rohrbruch zwei Stockwerke über uns. In unseren Haus gab es öfter Probleme mit dem Wasser. Ich habe das erst gar nicht beachtet und weiter telefoniert.“ Bis das Geplätscher im Bad gar nicht mehr aufhörte: „Da stand mein Mann und drehte auf Anweisung des angeblichen Handwerkers das Wasser auf und zu.“ 

Als sie in den Flur trat, kam ihr plötzlich ein zweiter, wildfremder Mann entgegen – aus dem Schlafzimmer! Empört schrie Johanna W. ihn an: „Was tun Sie denn da?“ Da verließ er fluchtartig die Wohnung – dicht gefolgt von seinem Komplizen. 

Einer bösen Ahnung folgend ging Johanna W. sofort ins Schlafzimmer. Da stand ihre ausgeräumte Schmuckschatulle. Der Brillant-Ring zur Geburt ihrer Tochter – weg. Die Ringe mit den Saphiren und Rubinen, die sie ihren Enkeln schenken wollte – weg. 

Sogar die beiden Goldringe mit den Perlen wurden gestohlen. Letztere bleiben öfter liegen: „Die Kommissarin hat mir später erklärt, dass viele ausländische Täter Perlenringe nicht anrühren, weil Perlen in ihrer Religion als die Tränen der Muttergottes gelten.“ Auch die beiden Fünfhundert-Euro-Scheine in der Brieftasche ihres Mannes hatte der unverschämte Dieb gefunden. Insgesamt betrug der Schaden rund 11 000 Euro. 

Den Schock, den Kummer um die verlorenen Erinnerungen hat die Rentnerin bis heute nicht ganz überwunden: „Es ging alles so schnell. Ich war völlig fertig. Ich habe die Schatulle wochenlang nicht angeschaut. Es tat mir so weh.“ Allen Nachbarn und Freunden hat sie die Geschichte erzählt: „Zur Warnung.“ 

Die falschen Handwerker

Falsche Handwerker erschrecken ihre Opfer mit schlechten Nachrichten und erzeugen absichtlich Stress durch die Ankündigung drohender Rohrbrüche, Stromschläge, totaler Telefon- bzw. Fernsehausfall, etc. Auf diese Weise gelangen sie leicht in fremde Wohnungen, in der die Bewohner mit sinnlosen Aufgaben solange beschäftigt werden, bis ein Komplize die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt hat. Seit Juli vergangenen Jahres zählte die Polizei in München schon 120 Fälle mit einem Schaden von über einer Million Euro. Die Kripo rät: Lassen Sie nie (!) Fremde ein. Fragen Sie erst beim Hausmeister, der Verwaltung oder Firma nach. Rufen Sie den Polizeinotruf 110, wenn Sie Zweifel haben.

Die falschen Polizisten

Sie melden sich meist telefonisch als Polizisten, Staatsanwälte, Gerichtsvollzieher, Banker oder Amtspersonen, die vor kurz bevorstehenden Einbrüchen warnen, angebliche Gewinne vorgaukeln oder alten Menschen anbieten, ihre angeblich gefährdeten Ersparnisse „zu retten“. Glauben Sie das nicht. Das alles sind nur Tricks, um an Ihr Geld heranzukommen. Seit Mai dieses Jahres wurden der Münchner Polizei bereits 114 Fälle bekannt. In fünf Fällen fielen die Opfer auf die Täter herein. Schaden: 100 000 Euro! Tipp der Polizei: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Die echte Polizei fordert niemals Bargeld, Überweisungen oder Schmuck. Rufen Sie niemals auf der am Telefon angezeigten Nummer zurück. Die einzig richtige Nummer in diesen Fällen ist der Polizeinotruf 110.

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