Die Verkäufer sind sich nicht einig

Wirbel um Elisabethmarkt: Eine Standlfrau hat schon gekündigt

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Eva Lind schließt ihren Stand am Elisabethplatz zum 1. Dezember.

München - Die Pläne der Stadt zur Neugestaltung des Elisabethmarktes spalten die Marktleute: Die einen befürworten die Pläne, die anderen sind dagegen - und eine hat bereits gekündigt.

Die Fronten sind verhärtet: Die Stadt will den Elisabethmarkt (Schwabing) abreißen und mit mehr Platz in den Gängen und einer Tiefgarage für Lagerung und Kühlung wiederaufbauen. Doch: Bürger und Prominente wie Helmut Schleich leisten Widerstand. Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) sprach bei der Vorstellung einer Machbarkeitsstudie durch den beauftragen Architekten von einer „Win-Win-Situation“: Da die Sparkasse auf einem angrenzenden Areal Mietwohnungen und ein Wohnheim für Studenten und Azubis bauen möchte, könnten beide Tiefgaragen verbunden und die Projekte gleichzeitig gebaut werden. Die Pläne der Stadt spalten auch die Marktleute: 

Architekt: Die Angst ist unbegründet

Architekt Rainer Hofmann (51) sagt: Die Angst vor einem flairlosen Markt sei unbegründet. „Optisch können die Stände später aussehen wie jetzt.“ Durch den Neubau würde es keine Standl in zweiter Reihe mehr geben.

Mehr Freiraum zum Flanieren könne dadurch entstehen, dass Lagerflächen in eine Tiefgarage ausgelagert würden. So würde auch der derzeit unansehnliche Parkplatz verschwinden. Auch ohne einen Abriss müssten die Marktleute für eine Sanierung raus aus den Standln, so der Architekt. In diesem Fall könne es dann passieren, dass Stände für Sanitäranlagen und Lagerung weichen müssten.

Müssen an die Zukunft denken

„Es ist auf jeden sinnvoll, den Markt zu sanieren, während auch am neuen Sparkassen-Wohnhaus gebaut wird“, sagt Luigi de Prato (54). Der Obst- und Gemüsehändler ist für den Neubau der Markstandl. Klar seien die Pläne vor allem für einige Betreiber bedrohlich, die kurz vor der Rente stünden. „Doch wir haben hier momentan zum Beispiel bei den Kühlungen eine Flickware, und wir müssen an die Zukunft denken.“ Momentan müsse er seine Ware teilweise per Sackkarre über Treppen zu seinem Standl ziehen. Eine Veränderung sei zwar nie einfach, doch de Prato ist zuversichtlich: „Alle, die jetzt gegen einen Abriss bei der Petition unterschreiben, sollen lieber mal zum Einkaufen zu uns kommen.“

Endlich gscheide Toiletten

Die Aufregung um den Abriss und Neubau des Marktes kann Stefan Platter-Thilemann (48) nicht wirklich verstehen. Er betreibt ein Standl mit spanischer Feinkost nebst Imbiss. Klar, wichtig sei, dass der Charme des Marktes erhalten bleibe. „Aber wir bräuchten zum Beispiel mal dringen ordentliche Toiletten.“ Die gebe es fast auf jedem Markt weltweit für Besucher. Nur am Elisabethmarkt nicht. „Wir haben nur eine Toilette für Marktleute.“ Solange nichts endgültig entschieden ist, sieht Platter-Thilemann die Lage entspannt. Aber auch, falls es zu einer längeren Baustelle mit Komplett-Abriss kommt, möchte er auf jeden Fall wieder auf den Markt zurück. „Ich bleib da.“

Umbauphase macht Sorgen

Eines will Fischhändler Thomas Willinger (55) deutlich machen: Er ist nicht gegen eine Markt-Modernisierung. „Mir wäre eine sanfte Sanierung aber lieber als ein Abriss.“ Von seinem Vater hat Willinger den Stand übernommen, dieser wiederum von seinem Großvater. „Mein Herz ist mit dem Markt verbunden.“ Willinger hat vor einiger Zeit bereits kräftig in sein Standl investiert – und fürchtet die Umbauphase. Mehrere Jahre im Container: Seine lebenden Fische aus dem Aquarium könne er da etwa nicht anbieten. Trotzdem: Einige Vorschläge des Architekten findet Willinger nicht schlecht. Die Kühlung im Lager in der Tiefgarage würde ihm schon etwas bringen, auch ein Kunden-WC sei wichtig. „So oder so – ich will auf dem Markt bleiben.“

Wichtige Fragen noch offen

Die meisten ihrer Kunden seien gegen einen Neubau des Marktes, erzählt Brigitte Klüsener (50). „Manch einer ist schon an der Hand der Mutter hier herumspaziert.“ Seit 12 Jahren betreibt die Floristin ihr Blumen-Standl. Von ihren Bedürfnissen ausgehend, hätte ihr eine Sanierung im Bestand gereicht, so Klüsener.

Mit Hygieneproblemen habe sie bei ihrer Ware nicht zu kämpfen. Ein rein unterirdisches Lager wäre für die Floristin unpraktisch. „Die Pflanzen brauchen Tageslicht.“ Wichtig seien für sie zwei Punkte: „Wie lange der Umbau dauert – und wie hoch die Miete danach ist.“ Erst dann könne sie sagen, ob sich das Standl zukünftig rentiert.

Sie hat ihr Standl schon gekündigt

20 Jahre Familienbetrieb – doch ab 1. Dezember ist für Eva Linds (39) Geflügel- und Wild-Standl Schluss. Die alleinerziehende Mama hat Ende September gekündigt. Auch wenn die Stadt das Gespräch gesucht habe: Deren Pläne waren Lind zu riskant. „Wenn sie stückchenweise saniert hätten, wäre ich dabei gewesen.“ Doch die Bauzeit in einem Container zu verbringen, sei ihr zu gefährlich gewesen. Sie habe die unternehmerische Verantwortung für ihren Stand. „Ich habe kein Auffangnetz – und einen Sohn.“ Mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 50 Prozent habe sie für die Umbauzeit gerechnet. „Danach hätte ich in Einrichtung investieren müssen.“ Viele Stammkunden seien schockiert. „Mir fällt es sehr schwer. Ich habe aber einen neuen Job gefunden.“ 

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