Ende eines Familienstreits

Zwangsräumung! Wie Alfred Stopp um seine Heimat kämpft

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Alfred Stopp vor seinem Elternhaus.

München - Ist Alfred Stopp ein Hausbesetzer oder ein Opfer von Immobilienhaien? Stopp weigert sich, aus seinem Elternhaus auszuziehen, das versteigert wurde.

Den größten Teil seines Hab und Guts haben vor zwei Wochen Arbeiter mitgenommen. „Ein Rollkommando“, klagt der Steuerberater. Mittwoch landet das Wohn-Drama vor Gericht.

1958 war Stopp als Schüler mit seinen Eltern in das 1898 errichtete malerische Haus in der Sailerstraße (Schwabing West) mit seinen Dachtürmchen und dem Lebensmittelladen im Erdgeschoss gezogen. „Ich half immer aus in dem Laden, bis meine Mutter 1995 starb.“ Als seine Schwester auszog, blieb Stopp alleine im Haus. Seit 1973 betreibt er dort die Steuerkanzlei des Lohnsteuervereins Oberland. Für das Dachgeschoss hatte er 1986 noch einen Mietvertrag mit seiner Mutter abgeschlossen – damit alles seine Ordnung hat. Doch wie es mit dem alten Häuschen weitergehen sollte, darüber waren sich Stopp und seine Schwester nicht einig.

Sie stellte einen Antrag auf eine sogenannte Teilungsversteigerung – somit wechselte das Haus voriges Jahr für rund 1,26 Millionen Euro den Besitzer. Jetzt gehört es der Immobiliengesellschaft BLB, die den idyllischen Altbau abreißen und durch einen zwei Stockwerke höheren Neubau ersetzen will.

"Einfach das Telefon mitsamt der Leitung aus der Wand gerissen"

Stopp weigert sich aber auszuziehen: „Das Haus ist meine Heimat, fast mein ganzes Leben habe ich dort verbracht. Ich bereue es sehr, dass ich nicht dafür gesorgt habe, dass es unter Denkmalschutz gestellt wird.“ Und er pocht auf seine Rechte als Mieter: „Ich habe einen gültigen Mietvertrag.“ Doch der verhinderte nicht, dass am 20. April ein Trupp von Arbeitern anrückte und zwei Tage lang den Laden im Erdgeschoss sowie die Büros im Obergeschoss leer räumte. „Das war ein Rollkommando, die haben nicht nur meine persönlichen Dinge, sondern auch meine Unterlagen für die Steuer mitgenommen – da sind die ganze Vorgänge meiner Kunden drin“, schimpft Stopp. „Die haben einfach das Telefon mitsamt der Leitung aus der Wand gerissen.“

Der Anwalt der BLB, Fardad Shirvani, sieht die Sache naturgemäß anders: „Herr Stopp hielt das gesamte Haus rechtswidrig besetzt. Sein Mietvertrag gilt nur für das Dachgeschoss.“ Darum habe man die Räume, für die er keinen Mietvertrag hat, geräumt. „Seine Sachen sind alle in einem Depot eingelagert.“ Doch auch die Räume im Dachgeschoss habe man gekündigt. Denn Stopp zahle schon lange keine Miete mehr. Shirvani: „Der Zustand des völlig herunter gekommenen Hauses ist ein Kündigungsgrund. Es ist abbruchreif. Und außerdem hatte Herr Stopp Zeit genug, sich nach einer neuen Wohnung umzuschauen.“

Stopp widerspricht: „Ich habe einfach keine Wohnung gefunden.“ Und er findet: „Im Erdgeschoss sowie im ersten Stock bin ich seit Jahrzehnten drin, das gilt somit als Mietsache.“ Das Geld aus dem Verkauf liege auf einem Hinterlegungskonto. „Die können die Miete, die ich angeblich schulde, vom Verkaufserlös abziehen. Da werde ich aber auch die 23.000 Euro Schaden in Rechnung stellen, der durch die Räumung entstanden ist.“

Wie die Sache ausgeht? Mittwoch wird am Amtsgericht über die Kündigung des Mietvertrages verhandelt.

Johannes Welte

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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