Josip Busic rettet Mann das Leben

U-Bahn-Drama: Die Heldentat eines 77-Jährigen

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Josip Busic (77) am U-Bahn-Steig an der Theresienwiese.

München - Josip Busic (77) ist ein Held! Er ist einem Betrunkenen auf die U-Bahn-Gleise nachgesprungen und hat ihm das Leben gerettet.

Sonntagmorgen, 5.45 Uhr. Josip Busic (77) wartet an der Haltestelle Theresienwiese auf die U 4. Der Bahnsteig liegt verlassen da, Busic ist allein mit zwei Frauen und einem offensichtlich betrunkenen Mann. Busic ist auf dem Weg zur Arbeit. Seit zehn Jahren putzt der gelernte Maler im Prinzregententheater, um die schmale Rente ein wenig aufzubessern. Jeden Morgen, auch am Wochenende. Ein paar Meter weiter, lehnt ein Mann in einer dunklen Nische. Busic raunt ihm noch zu: „Biesel ja nicht hierhin!“, und geht weiter. Kurz darauf wankt der Betrunkene ans Gleis – und fällt. Busic reagiert sofort, stürzt an den Abgrund. Dann springt er hinterher.

Der Mann liegt mitten auf dem Gleis, aus einer klaffenden Wunde am Kopf sickert Blut ins Gleisbett. Busic schreit wie verrückt, rüttelt den Verletzten: „Schnell, schnell! Aufstehen!“ Eine andere Frau (35), Krankenschwester, springt zu ihnen ins Gleis – doch auch zu zweit kriegen sie den Mann nicht auf die Beine. Busic: „Er war zu schwer und hat sich nicht gerührt!“

Dann wird es hell. Die U-Bahn rauscht heran. Wieder handelt Busic sofort. Er drapiert den Besinnungslosen so, dass keine Körperteile direkt auf den Schienen liegen. Drückt den Mann flach auf den Boden. Mit dem ausgestreckten Mann zwischen den Beinen, dreht sich Busic zum Zug, breitet die Arme aus und schreit: „Halt! Stopp!“ Die andere Frau kann sich noch aus dem Gleis retten – Busic hat diesen Augenblick verpasst. Jetzt schießt es ihm durch den Kopf: „Das wird eng!“ Seine Augen huschen nach rechts: Da! Eine dunkle Nische unter dem Bahnsteig.

„Wie eine Maus“ huscht der 77-Jährige in die Rettungsnische, wie er später erzählt, – schon schrammt die U-Bahn vorbei. „Da war keine Zeit, um Angst zu haben. Einziger Gedanke: Hoffentlich lebt der Mann noch!“ Und der 31-jährige Slowene lebt. An den Beinen verletzt zwar, aber außer Lebensgefahr. Sein Retter Busic kauert in der Nische, bis die U-Bahn drei Meter weiter stehen bleibt. Er robbt auf den Knien nach vorne und klettert auf den Bahnsteig.

Später, als die Rettungskräfte eintreffen, und Busic weiß, dass der Mann überleben wird, hat er nur eine Bitte. Er müsse jetzt dringend gehen. Arbeiten. In zehn Jahren sei er doch noch nie zu spät gekommen …

tos

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