Ab Dienstag vor Gericht

Westend-Entführer wollte Opfer als Sexsklavin verkaufen

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Mario S. wurde 16 Tage nach der Entführung in Thailand gefasst. Seit Anfang Juli wartet er in der JVA Stadelheim auf seinen Prozess.

München - Mario S. muss sich nach der fehlgeschlagenen Entführung einer Bankiers-Gattin ab Dienstag vor Gericht verantworten. Ein Erpresserbrief offenbart seinen irren Plan.

Die Entführung der 46-jährigen Bankiers-Gattin aus Ottobrunn: Ab Dienstag muss sich Mario S. (53) wegen erpresserischen Menschenraubs und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht verantworten. Die Anklage der Staatsanwaltschaft München I offenbart auch den verstörenden Erpresserbrief (siehe unten), den der Täter in der Wohnung hinterließ und in dem er 2,5 Millionen Euro Lösegeld forderte. Darin drohte er sogar, die Frau des Sparkassen-Mitarbeiters als Sexsklavin zu verkaufen!

Nachdem die Entführung schiefgegangen war, floh Mario S. nach Thailand. Dorthin war er 2012 mit seiner Frau ausgewandert. 16 Tage später klickten die Handschellen. Die Tat hatte er Ermittlern gegenüber bereits gestanden – jetzt drohen dem Westend-Entführer bis zu 15 Jahre Haft. Der Plan, die Tat, die Flucht – die tz fasst das Drama zusammen:

  • Der Plan: Laut Staatsanwaltschaft plagten den Arbeitslosen extreme Geldsorgen. Mit seiner Frau hatte er sich im Norden Thailands ein schickes Haus gebaut, bereiste die Welt und pflegte einen Lebensstil, der sogar für Fernost zu ausschweifend gewesen sein soll. Sein Vermögen, bestehend aus einer Abfindung und einem Hausverkauf bei Garmisch, war offenbar zusammengeschrumpft. Ab Anfang März 2015 soll er die Entführung vorbereitet haben. Alles, was er brauchte, fand Mario S. im Internet. Laut Anklage machte er von Thailand aus den Banker aus Ottobrunn ausfindig. München wählte er, weil er hier mehr als zehn Jahre lang gearbeitet hatte. Unter dem Decknamen „Axel Herweg“ und mit einer E-Mail-Adresse soll er vom 11. Mai bis 20. Juni 2015 eine Wohnung in der Bergmannstraße im Westend angemietet haben. Der Preis: 1100 Euro zuzüglich 750 Euro Kaution. In dieses Apartment wollte S. den Ermittlern zufolge die Bankiers-Gattin bis zur Übergabe des Lösegelds einsperren. Für den Überfall besorgte er sich eine Softair-Pistole, die einer scharfen Waffe täuschend ähnlich sah. Anfang Juni flog S. dann nach München. Er soll das Anwesen der Familie zuvor tagelang ausgespäht haben. Am 10. Juni setzte er seinen perfiden Plan in die Tat um.
  • Die Tat: Um 7.30 Uhr klingelte Mario S. an der Haustür. Laut Staatsanwaltschaft versteckte er die geladene Waffe unter seiner Jacke, in der Hand hielt er ein Päckchen. Er wollte sich als Postbote ausgeben. Die ahnungslose Ehefrau des Bankers öffnete die Tür. Sie hatte eigentlich die Putzfrau ihrer Eltern erwartet, die im selben Haus leben. In Wirklichkeit stand die 46-Jährige ihrem schlimmsten Albtraum gegenüber. S. soll die Waffe gezückt, sie der Frau an den Kopf gehalten und sie zurück in ihre Wohnung gezwungen haben. Dort traf S. auf den 12-jährigen Sohn. Laut Anklage befahl ihm S., sich selbst mit Kabelbindern an einen Heizkörper zu fesseln. Den Buben ließ der Täter ebenso zurück wie den wirren Erpresserbrief mit der Lösegeldforderung. Mit vorgehaltener Pistole soll S. die Mutter in ihren VW Polo dirigiert haben, mit dem der Entführer dann Richtung Westend fuhr. Auf dem Lidl-Parkplatz in der Westendstraße machte der Entführer schließlich Halt und forderte sein Opfer auf, auszusteigen. Die Frau erkannte durch die abgeklebte Sonnenbrille, die ihr der Mann zuvor aufgesetzt hatte, dass sich auf dem Parkplatz Menschen tummelten. Sie nutzte einen unachtsamen Moment, riss sich los und vertraute sich Passanten an.
  • Die Flucht: Mario S. flüchtete zunächst zu Fuß in seine angemietete Wohnung in der nahen Bergmannstraße. Mehrere Überwachungskameras filmten ihn dabei. Um unerkannt zu bleiben, rasierte er sich seinen Bart ab und wechselte die Klamotten. Noch am selben Abend flog er zurück nach Thailand. Am 26. Juni wurde Mario S. aufgrund eines internationalen Haftbefehls im 9000 Kilometer entfernten Thailand festgenommen. Die Ermittler waren ihm auf Grund seiner Handy-Daten auf die Schliche gekommen. Zunächst saß S. in Abschiebehaft in einem thailändischen Gefängnis. Am 9. Juli landeten Zielfahnder der Münchner Polizei mit S. im Erdinger Moos.

Mario S.: Seine wirren Worte im Erpresserbrief

Islamistische Front Deutschl. IFD

Wir haben Ihre Frau entführt!

Wenn Sie jemanden davon erzählen (Polizei, Freunde, Familie,…) ist ihre frau nicht mehr zu

retten. Sie wird dann als Sexsklavin in den Osten verkauft.

Sie werden von nun an rund um die Uhr überwacht. Bei jedem Ihrer Schritte sind wir dabei.

Also folgen Sie unseren Anweisungen und Ihre Frau kommt gesund zurück. Wir fordern von

Ihnen 2,5 Millionen Euro in (wichtig) 500 Euro Scheinen. Sie haben 48 Stunden Zeit. Danach wird Ihre Frau verkauft. Wir werden uns nicht mehr melden, sollten die 48 Stunden abgelaufen sein. Bei der Übergabe befindet sich Ihre Frau in einem 10 000 Liter Wassertank. Sollte die

Übergabe scheitern ertrinkt Ihre Frau.

Die Übergabe findet am Stachus Springbrunnen statt. Sollte die Übergabe scheitern, aus welchem Grund auch immer, wird ihre Frau ertrinken.

(Hier gab der Täter eine Telefonnummer an)

Diese Nummer wird in 12 und in 24, 48 Stunden kurz aktiviert. Haben wir von Ihnen keine SMS mit dem Inhalt „OK“, wird ihre Frau verkauft und wir tauchen unter.

Das OK heisst, sie haben 2500 500 Euro Scheine bereit. Trifft das nicht zu wird Ihre Frau verkauft. Ein Bote, beauftragt aus dem Internet, mit uns nicht bekannt, wird bei der Übergabe ein

Päckchen (DHL, gelb) übernehmen und zu uns bringen. Dies wird von zwei von uns auch

überwacht werden. Ist das Geld OK ist Ihre Frau innerhalb 12 Stunden bei Ihnen. Stimmt etwas nicht, verkaufen wir Ihre Frau, schlimmsten Falls sie ertrinkt, was wir nicht wollen. Folgen Sie

unseren Anweisungen und alles wird gut.

Datum un Uhrzeit der Übergabe senden wir per SMS, also Ihre Nr mitsenden !!

(Der Brief ist im Original-Wortlaut widergegeben.)

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