Taktisches Kalkül?

Westend-Entführer: Prozess vertagt

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Mario S. auf einem privaten Foto.

München - Mit Spannung wurde der Prozessauftakt gegen den Westend-Entführer erwartet, nach wenigen Minuten war allerdings am ersten Prozesstag schon wieder Schluss.

Prozess-Auftakt gegen den Westend-Entführer: Mit Spannung wurde am Dienstag der Beginn der Verhandlung gegen Mario S. erwartet. Der 53-Jährige soll im Juni 2015 die 46-jährige Bankiersgattin aus Ottobrunn entführt haben. Doch schon nach wenigen Minuten war auf Grund eines Antrags von Anwalt Adam Ahmed wieder Schluss. Erst nächsten Montag soll es weitergehen.

Der Staatsanwalt hatte noch nicht einmal die Anklage verlesen, da war die Sitzung auch schon wieder geschlossen. Grund: Ahmed verlangte von der 20. Strafkammer des Landgerichts weitere Akteneinsicht. Auch die kurzfristige Änderung der Gerichtsbesetzung – ein Schöffe wurde ausgetauscht – führte er als Grund für seinen Antrag auf Unterbrechung an.

Taktisches Kalkül oder berechtigter Einwand? Man kann nur spekulieren, was sich Mario S. und sein Anwalt von der Verzögerung des Prozesses versprechen. Zumal der arbeitslose Informatiker schon bei seiner Vernehmung die Tat gestanden hatte. Er muss sich nun wegen erpresserischen Menschenraubs und schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft!

Im Juni 2015 reiste der 2012 nach Thailand ausgewanderte Mario S. nach Deutschland. Dort soll er die Ehefrau eines Sparkassenmitarbeiters entführt und in einem Erpresserschreiben 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Motiv: Schulden. Die Anklage der Staatsanwaltschaft München I enthüllte auch den wirren Brief, den Mario S. hinterließ. Darin drohte er, sollte die Lösegeldübergabe am Stachus scheitern, die Frau als Sexsklavin nach Osteuropa zu verkaufen.

Doch sein Plan ging nicht auf: Auf dem Parkplatz eines Supermarktes in der Westendstraße konnte die 46-Jährige entkommen. Mario S., der noch am selben Abend zurück nach Thailand flog, wurde am 26. Juni festgenommen und am 9. Juli nach Deutschland überführt.

Seitdem wartet der Entführer in der JVA Stadelheim auf seinen Prozess – und die Öffentlichkeit auf seine Erklärung. Am nächsten Montag soll dann auch das Opfer als Zeugin aussagen.

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