Kritik von "Aktion Münchner Fahrgäste"

Beschlossen: Schwarzfahren in München wird teurer

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Fahrscheinkontrolle in der Münchner S-Bahn: Schwarzfahrer zahlen in Zukunft 20 Euro mehr.

München - Schwarzfahren wird teurer. Wer erwischt wird, muss in Zukunft 60 statt 40 Euro zahlen. Die Aktion Münchner Fahrgäste spricht von einem "Ungleichgewicht".

Am vergangenen Freitag fasste der Bundesrat den entscheidenden Beschluss. Er stimmte einer Verordnung der Bundesregierung zu, die das "erhöhte Beförderungsentgelt" für Fahren ohne gültiges Ticket im öffentlichen Personennahverkehr anhebt. Das bedeutet: Schwarzfahren wird teurer.

Bisher mussten erwischte Schwarzfahrer 40 Euro bezahlen. In Zukunft wird der Betrag auf 60 Euro erhöht. Wann genau - das steht noch nicht fest. "Das kann noch ein bisschen dauern", sagt MVV-Sprecherin Beate Brennauer. Die Verordnung muss erst noch im Bundesgesetzblatt verkündet werden. Im zweiten Monat nach der Veröffentlichung tritt die neue Regelung in Kraft - auch in München.

"Wir werden zum nächstmöglichen Zeitpunkt umstellen", erklärt Brennauer. Die Fahrgäste sollen über alle Kanäle informiert werden, wenn es soweit ist.

"Aktion Münchner Fahrgäste": Auch Fahrgäste betroffen, die sich im "Tarifdschungel verirren"

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen forderte seit längerem eine Anhebung auf 60 Euro. Seit zwölf Jahren gilt der aktuelle Betrag von 40 Euro. Die Anhebung sei notwendig, weil die "intendierte Abschreckende Wirkung" dem derzeitigen Betrag "nicht mehr in dem erforderlichen Maße" zukomme, hieß es in einem ersten Antrag.

Nach Branchenangaben entgehen Nahverkehrsunternehmen jährlich bis zu 250 Millionen Euro Einnahmen durch Fahrgäste ohne gekauftes Ticket. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schätzt die Schwarzfahrerquote bundesweit auf etwa 3,5 Prozent. Zu den entgangenen Einnahmen kommen noch Kosten rund von 100 Millionen Euro für den Einsatz von Kontrolleuren.

Der Fahrgastverband "Aktion Münchner Fahrgäste" spricht im Zusammenhang mit der Erhöhung von einem "Ungleichgewicht". Ein Fahrgast müsse für einen Fehler 60 Euro bezahlen, während ein ausgefallener Zug aber vielleicht zu gar keiner Erstattung führe. Außerdem seien auch Fahrgäste betroffen, die gar nicht bewusst Schwarzfahren, sondern sich im "Tarifdschungel verirren".

Sprecher Andreas Nagel fordert deshalb für den MVV, dass alle Verkehrsunternehmen eine Tarifberatung sicherstellen. "Ein kostenloses und erreichbares Kundentelefon ist in unseren Augen erforderlich, wenn man die Fahrgäste wirklich vor dem Schwarzfahren schützen will", so Nagel.

Eine kostenlose Hotline gibt es derzeit nur bei der MVG. Für das MVV-Infotelefon sowie den S-Bahn München Service-Dialog werden die üblichen Festnetzgebühren fällig.

Grundsätzlich wünscht sich der Fahrgastverband mehr Augenmaß bei der Verfolgung von Schwarzfahrern. "Es wäre wünschenswert, dass ein Kunde, der auch einmal eine Fahrkarte vergessen hat, dem Verbundsystem treu bleibt."

dg

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