Schwarzer Start in die Kraxelsaison

Bergdrama: Hier starb der Münchner Ingenieur (31)

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Ein Polizeihubschrauber (Kreis) entdeckte den Leichnam von Carsten G. (oben links) in der Wand unterm Wörnergrat.

München - Der frühe Bergsommer steht unter keinem guten Stern - in der Kraxler-Hauptstadt München gibt es nun schon das dritte Todespfer binnen weniger Tage zu beklagen. Diesmal erwischte es einen 31-jährigen Ingenieur aus Sendling.

Carsten G. stürzte im Karwendelgebirge etwa 100 Meter tief ab. Für den erfahrenen Bergsteiger kam jede Hilfe zu spät. Die schwarze Serie zum Start in die neue Alpin-Saison - sie hatte mit zwei Abstürzen an Fronleichnam und am Wochenende begonnen. In den Ammergauer Alpen ließ ein Münchner sein Leben, im Pitztal eine Unterschleißheimerin (tz berichtete). Jetzt also auch noch das Drama um den jungen Sendlinger.

Bergwacht-Chef Heinz Pfeffer

Er war alleine zu einer Tour am Wörner (2476 Meter) bei Mittenwald aufgebrochen und nie zurückgekehrt. Am Sonntagabend meldete ihn seine Freundin als vermisst. Eine Suchaktion an verschiedenen Felsflanken im Karwendel verlief zunächst ergebnislos. Bis der Pilot des Polizeihubschraubers Edelweiß 7 am Montagnachmittag die traurige Nachricht an die Einsatzzentrale funkten musste: Er hatte Carstens Leichnam in einer steilen Rinne in den Wörner-Wänden entdeckt. Der Münchner hatte offenbar eine Überschreitung des Gipfelgrats in Richtung Tiefkar/Predigtstuhl geplant - eine schwierige Kletterroute. „Die Absturzstelle befindet sich in ausgesetztem Gelände des dritten bis vierten Schwierigkeitsgrads“, berichtet Mittenwalds Bergwacht-Chef Heinz Pfeffer.
Über die Unglücksursache lässt sich nur spekulieren. Fakt ist aber: Carsten G. war ein begabter Bergsteiger, der sich selbst im siebten Grad zu Hause fühlte - hier endete früher die offizielle Schwierigkeitsskala für Kletterer, inzwischen ist sie nach oben offen und bewertet Begehungen bis zum elften Grad. Aber selbst am vergleichsweise leichten Wörner kann ein kleiner Fehler tödlich enden. „Links und rechts geht es 600 Meter runter“, sagt Pfeffer. So starb Carsten G. dort, wo er jede freie Minute verbrachte - in den Bergen. Oft hatte ihn auch seine Freundin begleitet, sie wohnten zusammen. Mit ihr trauern neben Carstens Familie auch viele Studienfreunde von der Ludwig-Maximilians-Universität.

Jacob Mell, Andreas Beez

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