Wer ist der unheimliche Unbekannte?

Mann bedroht Autofahrerin mit Pflasterstein

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Dieser Mann jagte den Autofahrern Angst ein.

München - Ein Unbekannter ist an der Boschetsrieder Straße in Sendling auf Autofahrer losgegangen. In den Händen hielt er einen massiven Pflasterstein. Eine Frau hatte Todesangst. Die Polizei sucht Zeugen.

Was immer er im Schilde führt – es bedeutet garantiert nichts Gutes: Ein dunkelhäutiger Mann mit einem kiloschweren Pflasterstein jagte am 8. Juni der Arzthelferin Sabine B. (47; Name geändert) auf der Fahrt durch Sendling den Schrecken ihres Lebens ein.

An jenem Mittwoch war die 47-Jährige auf der Fahrt von der Praxis zu ihrem Zweitjob. Um 14.30 Uhr fuhr sie über die Boschetsrieder Straße stadteinwärts. Kurz nach der Baierbrunner Straße sprang plötzlich dieser Mann auf die Fahrbahn: „Ich habe natürlich gebremst und angehalten. Dann trat der Mann direkt vor mein Auto. Er hatte diesen Riesenstein in beiden Händen und tat so, als wolle er ihn auf Kopfhöhe in meine Windschutzscheibe schmettern. Ich hatte keine Ahnung, warum er das tat.“ Ein Wegelagerer, der auf diese Weise versuchte, Geld zu erpressen? Oder nur ein psychisch verwirrter oder frustrierter Mensch? Für Sabine B. spielte das in diesem Moment keine Rolle: „Ich hatte einfach Todesangst und wusste gar nicht, was ich machen sollte. Ich habe mein Gesicht mit den Armen geschützt und gehofft, dass er mich nicht erschlägt.“

Autofahrerin: "Ich dachte, das glaubt mir doch kein Mensch"

Die anderen Autofahrer waren auch keine große Hilfe. Die Autofahrer im Gegenverkehr fuhren vorbei. Hinter Sabine B. setzte ein wütendes Hupkonzert im Rückstau ein: „Vermutlich hat ihn das verunsichert.“ Denn der Mann trat zurück, knallte den Stein auf den Boden, stemmte provozierend seine Hände in die Hüfte und starrte Sabine B. herausfordernd an. In diesem Moment hob die 47-Jährige geistesgegenwärtig ihr Handy und machte ein Foto von der Situation: „Ich dachte, das glaubt mir doch sonst kein Mensch.“ Plötzlich nahm der Mann den Stein auf, lief aufreizend langsam und dicht an Sabine B.’s Auto vorbei und kehrte zurück auf den Gehsteig. „Ich nehme an, dass hinter mir im Stau die ersten Leute aus den Auto gestiegen sind. Da hat er wohl aufgegeben.“

Sabine wollte nur noch weg. Nach ein paar Hundert Metern fuhr sie rechts ran. „Ich musste mich erst mal sammeln. Ich habe am ganzen Leib gezittert.“ Sie entschied sich, zur Polizeiinspektion in die Drygalskiallee zu fahren. Dort schilderte sie den Fall und zeigte auch das Foto vor. Mittlerweile war es so spät geworden, dass sie an diesem Tag auf eine Anzeige verzichtete. Das hat sie mittlerweile nachgeholt. Im Raum stehen Bedrohung und Nötigung, eventuell auch versuchter Raub.

Die Polizisten schickten Zivilfahnder in die Boschetsrieder Straße, die auch tatsächlich einen Verdächtigen fanden und seine Personalien aufnahmen. Polizeisprecher Werner Kraus: „Wir kennen nicht seine Absichten und müssen auch noch klären, ob er wirklich der gesuchte Mann ist.“

Am Abend dieses denkwürdigen Tages geriet Sabine B. auf der Heimfahrt in Pullach in eine zufällige Polizeikontrolle von Zivilfahndern. Sie zeigte auch ihnen das Foto des unheimlichen Wegelagerers. Doch die Beamten zeigten sich wenig beeindruckt: „Die winkten ab und sagten: Ach, die sehen doch alle gleich aus...“

Die Boschetsrieder Straße hat sie seit dieser unheimlichen Begegnung gemieden: „Ich will so etwas nie wieder erleben.“

Zeugen dringend gesucht!

Im Zusammenhang mit dem seltsamen Fall bittet die Polizei (Telefon 2910-0) speziell die Autofahrer im Gegenverkehr oder eventuelle Augenzeugen, sich zu melden. Weitere Fälle wurden bislang nicht gemeldet. Im Falle einer Wiederholung empfiehlt die Polizei, sofort den Notruf 110 zu wählen. Wer nicht fliehen kann, sollte unbedingt im Auto bleiben. Polizeisprecher Werner Kraus: „Wir empfehlen dringend, Konfrontationen zu vermeiden und nicht den Helden zu spielen.“

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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