Lektüre "to go"

Gibt es bald einen offenen Bücherschrank am Partnachplatz?

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Bücher zum Mitnehmen auf dem Gehweg ausgestellt: Am Nordbad in Schwabing gibt es schon seit 2013 einen offenen Bücherschrank.

München - Am Partnachplatz soll ein offener Bücherschrank errichtet werden. Rund 500 Bücher können dann einen neuen Besitzer finden. Der Standplatz ist bereits genehmigt, weitere sind in Planung.

Sie regen zum spontanen durchstöbern, schmökern, mitnehmen an: offene Bücherschränke. In vielen deutschen Städten haben sie sich bereits durchgesetzt und bewährt. Auch der in München bisher einzige offene Bücherschrank am Schwabinger Nordbad findet großen Anklang. Nach seinem Vorbild soll nun eine weitere kostenlose Freiluft-Bibliothek mit Platz für bis zu 500 Büchern im Bezirk Sendling-Westpark errichtet werden.

Seit 2014 ist der eigens dafür gegründete Verein, der aus zehn ehemaligen und aktiven Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) Sendling-Westpark besteht, mit der Verwirklichung des Projekts befasst. Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) die Genehmigung erteilt. Doch die Standortwahl erwies sich als schwierig, der geplante Stellplatz am Laternenpfahl an der Ostseite der U-Bahnhaltestelle Partnachplatz als ungeeignet. Das freie Bücherangebot durfte zum einen den Christbaumverkauf in der Adventszeit nicht behindern. Zum anderen wurden Bedenken von Seiten der Buchhandlung Partnachplatz laut. Der Betreiber befürchtete, durch die Nähe potentielle Kunden zu verlieren. Schließlich einigte man sich darauf, den Bücherschrank zwischen der Kulturlitfaßsäule und der Grünanlage am Partnachplatz zu errichten. Noch in diesem Jahr soll die Bücherei für die Lektüre zum Mitnehmen dort aufgestellt werden.

Schmökern im Freien - Bücherschrank lädt zum Verweilen ein

Die Lage bietet interessierten Lesern Gelegenheit zum Schmökern im Freien und entspricht damit auch dem Grundgedanken des Vereins, wonach der Bücherschrank „zum Verweilen und Lesen“ einladen soll. „Die Idee eines offenen Bücherschrankes ist, dass lesehungrige Menschen Bücher herausnehmen können, ohne sie zurückbringen zu müssen“, erläutert Stadtviertelpolitiker Günter Sinapius (Grüne), der auch Initiator und Vorsitzender des Vereins offene Bücherschränke Sendling-Westpark ist. Interessierte ältere Menschen mit viel Zeit aber wenig Geld zum Beispiel profitierten von dem kostenlosen Zugang zu literarischen Werken, wie Sinapius sagt. Gebrauchte Schmökern werden so nicht nur vor dem Papiermüll bewahrt, ihnen wird auch wieder neues Leben eingehaucht. Tauschboxen sollen einen niederschwelligen Zugang zur Literatur schaffen, zur allgemeinen Bildung beitragen und den sozialen Austausch im Stadtviertel fördern. Das Prinzip ist einfach: Jeder kann Bücher in der Straßenbibliothek abgeben, tauschen oder mitnehmen. Das Angebot ist kostenlos, anonym und ohne Leihfrist. Die Idee, Freiluft-Bibliotheken zu etablieren, die jederzeit und öffentlich zugänglich sind, stammt aus den 1990er-Jahren.

Seit Dezember 2013 ist der bislang einzige offene Bücherschrank in München in Betrieb. Der moderne Kasten aus Stahl und Glas steht an der Ecke zwischen Schleißheimer Straße und Elisabethstraße in Schwabing. In anderen deutschen Städten dienen auch alte Kühlschränke oder Telefonhäuschen als Freiluft-Bibliotheken.

Hier sind weitere Bücherschränke geplant

Auch in München sind weitere in Planung, zum Beispiel an der Ecke Landsberger Straße/ Bäckerstraße (Pasing). Im Genehmigungsverfahren ist derzeit noch der offene Bücherschrank am Moosacher Stachus, wie das KVR auf Anfrage mitteilt.

Ähnlich wie am Nordbad, werden auch am Partnachplatz Ehrenamtliche aus dem Verein im laufenden Betrieb regelmäßig nach dem Rechten sehen und dafür sorgen, dass der Schrank nicht für verbotene Zwecke missbraucht wird. Nachdem das KVR nun den neuen Standort in Sendling-Westpark genehmigt hat, steht der Verwirklichung des Projekts nichts mehr im Wege. „Jetzt fängt die Kleinarbeit an“, sagt Günter Sinapius.

Dazu gehört auch die Spendenakquise. Denn so ein wetterfester Bücherschrank samt Lieferung koste rund 8500 Euro. Der örtliche Bezirksausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dem Verein einen Zuschuss von 4200 Euro zu geben. Dieser ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass der Restbetrag durch Spendengelder finanziert und dem Direktorium bis Ende des Jahres nachgewiesen wird. Sollte der Verein die fehlenden Gelder bis dahin nicht auftreiben können, soll der Zuschuss nicht ausgezahlt werden. Damit die Lese-Fundgrube bald realisiert werden kann, hofft der Verein nun auf Spenden von Firmen und Einzelpersonen aus Sendling-Westpark.

Christina Seipel

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